Chatprotokoll

Chatprotokoll des Themenchats "Schlafen" vom 20.2.2008

Die rege Teilnahme an unserem Themenchat hat gezeigt, dass das Thema Schlafen Eltern auf vielfältige Weise beschäftigt und "unter den Nägeln brennt". In diesem Chatprotokoll können Sie alle Fragen und die Antworten unseres Experten Prof. Dr. Straßburg in der zeitlichen Abfolge nachlesen. Enthalten sind auch die allgemeinen Hinweise und Lesempfehlungen, die während des Chats gegeben wurden.

Chatprotokoll

Moderatorin:

Guten Morgen Herr Prof. Dr. Straßburg, wir freuen uns, dass Sie heute als Experte zum Thema Schlafstörungen in diesem Themenchat anwesend sind. Mögen Sie sich zu Beginn kurz vorstellen?

Dr. Straßburg:

Schönen guten Tag, meine sehr geehrten Damen und Herren. Mein Name ist Prof. Dr. Hans-Michael Straßburg. Ich bin Arzt für Kinder- und Jugendmedizin mit Schwerpunkt Neuropädiatrie und Arzt für Sozialmedizin.
Seit 1991 bin ich an der Universitätskinderklinik Würzburg tätig und leite seit 1992 zusätzlich das Sozialpädiatrische Zentrum "Frühdiagnosezentrum". Seit 2005 bin ich Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin e.V.
Seit über 25 Jahren beschäftige ich mich unter anderem auch mit Verhaltens- und Entwicklungsproblemen bei Säuglingen und Kleinkindern und versuche dabei, die verschiedenen Aspekte zu diesen komplexen Themen interdisziplinär zusammenzufassen.

Moderatorin:

Sie haben nun die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Wir freuen uns auf einen spannenden und informativen Chat zum Thema "Schlafstörungen bei Kindern." Dann reiche ich jetzt die erste Frage durch.

Frage von Lisa:

Mein Sohn, 30 Monate alt, wird im Moment öfter in der Nacht wach und ruft "Nein, nein". Er will aber auch nicht immer beruhigt werden. Zudem will er 1- bis 2-mal in der Nacht etwas Wasser trinken. Die Trinkflasche neben dem Bett akzeptiert er nicht. Er will, dass seine Mama oder Papa zu ihm kommt und die Flasche bringt. Was können wir tun, damit alle schlafen können - ohne Unterbrechungen.

Dr. Straßburg:

Im Alter von 30 Monaten ist eine Ursache für Schlafprobleme, dass die Kinder Schwierigkeiten mit der Nasenatmung haben und einen trockenen Mund bekommen. Dann können unterschiedliche Reaktionen auf angebotene Flüssigkeit auftreten, was auch sehr von der emotionalen Entwicklung des Kindes abhängig ist. Praktisch kann ich Ihnen erst mal dazu raten, zu beobachten, ob Ihr Kind nachts schnarcht oder durch den Mund atmet. In diesem Fall sollten Sie mit dem Kinderarzt sprechen und eventuell eine Vorstellung bei einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt vereinbaren mit der Frage, ob eine Operation der Rachenmandeln (Polypen) sinnvoll ist. Prinzipiell rate ich bei Kindern, die älter als ein Jahr sind, nicht dazu, ihnen nachts eine Flasche mit einem Sauger ins Bett zu legen. Außerdem sind kurze Wachphasen, in denen die Kinder auch etwas sprechen können, nichts Ungewöhnliches.
Wichtig ist, wie sich das Kind am Tag verhält: Ob es unausgeschlafen wirkt, vermehrt quengelig ist, und wie insgesamt sein Entwicklungszustand ist.
Vielleicht ist es sinnvoll, dass Sie eine sogenannte Trinklernflasche neben das Bett stellen, die er sich selbst nehmen kann. Gehen Sie sonst nur zu ihm hin und beruhigen ihn mit Worten und zeigen Sie, dass Sie da sind.

Frage von Sana:

Mein Kind ist schon acht Jahre und schläft bisher so gut wie keine Nacht durch. Es hat keinerlei Probleme mit dem Einschlafen, wird allerdings in jeder Nacht mehrfach wach und sucht den "absoluten" Körperkontakt. Kann man dem Jungen helfen, zur Ruhe zu finden? Danke.

Dr. Straßburg:

Primär ist die wichtigste Frage, wie sich Ihr Kind tagsüber verhält. Ob er seinem Alter entsprechend entwickelt ist, ob er ein normales soziales und emotionales Verhalten zeigt. Dann ist sicher auch die frühere Geschichte wichtig, ob es z.B. Zeiten gab, in denen er allein in seinem Bett durchschlafen konnte, oder ob er schon immer Probleme mit dem Durchschlafen hatte. Gibt es irgendwelche aktuellen Belastungen oder Konflikte in Ihrer Familie? Gibt es Probleme mit der Atmung oder der Verdauung?
Wenn dies alles nicht der Fall ist, Ihr Kind aber durch das wiederholte nächtliche Aufwachen tagsüber müde und reizbar ist, kann man auch überlegen, mit dem Präparat Melatonin am Abend (ca. 4 mg für 4 bis 6 Wochen) eine bessere Rhythmisierung zwischen Schlaf- und Wachzustand zu erreichen. Melatonin ist eine körpereigene Substanz, die mit der Aminosäure Tryptophan verwandt ist, und hat nichts mit einem dämpfenden Medikament zu tun, sondern beeinflusst den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus.
Weitere medikamentöse Behandlungen muss man entweder mit dem Kinderarzt oder gegebenenfalls auch mit einer speziellen Einrichtung, z.B. einem Sozialpädiatrischen Zentrum in Ihrer Nähe, besprechen.

Frage von mezzanine:

Wie ich inzwischen gelernt habe, habe ich in den ersten Lebensmonaten meines Sohnes (nun 5,2 Monate) den Fehler gemacht, ihn an das Einschlafen beim Stillen zu gewöhnen. Jetzt wacht er immer häufiger auf und verlangt es (durch Schreien, was bis zu einer Stunde dauern kann, und durch Tragen, Wiegen, Sprechen, Vorsingen nicht zu beruhigen ist), gestillt zu werden. Die Schlafphasen werden dabei immer kürzer, aufwachen einmal pro Stunde ist keine Ausnahme, nach zwei, drei Minuten Nuckeln schläft mein Sohn dann wieder ein. Was kann ich jetzt tun? Soll ich abwarten und hoffen, dass es sich noch von allein regelt? Wenn ja, was passiert, wenn die Zähne kommen, und er immer noch stündlich nuckeln will? Wenn nein, wie kann ich möglichst sanft die Umstellung einleiten?

Dr. Straßburg:

Im Alter von fünf Monaten gibt es bei vielen Säuglingen das Problem des vermehrten Schreiens und der Schlafstörung. Zuerst einmal ist es wichtig, dass Sie sich keine Vorwürfe machen, etwas falsch gemacht zu haben. Auch hängt das vermehrte Schreien oder die Schlafstörung in der Regel nicht mit dem Zahnen zusammen.
Wenn Sie weiter stillen wollen, was ich zumindest in den nächsten zwei bis drei Monaten noch sehr empfehlen würde, rate ich, Ihr Kind nur alle drei bis vier Stunden anzulegen und es nicht länger als 15 Minuten saugen zu lassen.
Dann ist wichtig, dass Ihr Kind gut aufstoßen kann und wenn möglich nach dem Trinken sich auch noch etwas aktiv in einem Schlafsack bewegen kann.
Eventuell können Sie auch versuchen, ihm einen Schnuller zu geben. Auf keinen Fall sollten Sie Tee oder gar Milch zufüttern, wenn Ihr Kind sonst normal gediehen ist.
Gibt es Hinweise für sonstige Verdauungsprobleme? Vermehrtes Spucken oder Durchfall? Dann sollten Sie darüber auch mit Ihrem Kinderarzt sprechen.

Frage von kaduba:

Mein Sohn ist jetzt fünfeinhalb Monate alt. Die ersten dreieinhalb Monate hat er sehr gut nachts geschlafen: mindestens vier Stunden am Stück. Seitdem schläft er plötzlich viel schlechter; zurzeit ist er fast stündlich nachts wach und will fast immer auch trinken. Beim Trinken schläft er auch oft ein. Was ist der Grund dafür, dass er nach den ersten Monaten plötzlich ein schlechter Schläfer ist? Wird er vielleicht tagsüber nicht mehr satt genug? Kann sich das durch Füttern von Beikost ändern?

Dr. Straßburg:

Zuerst einmal ist wichtig, ob Ihr Kind sonst irgendwelche Entwicklungsauffälligkeiten hat und wie seine Gewichtszunahme in der letzten Zeit war. Wird er gestillt? Oder bekommt der die Flasche? Gibt es Probleme mit der Nasenatmung? Wie ist die Raumtemperatur - sie sollte möglichst nicht über 18 Grad sein - und wird bei Ihnen geraucht?. Wenn er gestillt wird - gibt es Probleme mit der Verdauung? Nehmen Sie viele Milchprodukte zu sich?
Versuchen Sie, ihm tagsüber auf einer Krabbeldecke viel aktive Bewegung zu ermöglichen, und lassen Sie ihn nachts in einem Schlafsack schlafen. Versuchen Sie, das Kopfende des Bettes eventuell um 20 bis 30 Grad zu erhöhen, weil vermehrte Unruhe auch Ausdruck eines Rückflusses von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre sein kann. Dies geht in aller Regel im Laufe der nächsten Wochen spontan zurück. Wenn es nicht besser wird, sollten Sie Ihren Kinderarzt aufsuchen.
Wenn Sie viele Milchprodukte zu sich nehmen, kann es sein, dass über Ihre Muttermilch Milcheiweiß auf das Kind übergeht und eine Kuhmilchallergie auslöst. Versuchen Sie deshalb, weniger Milchprodukte zu sich zu nehmen. Das Zufüttern, z.B. mit Karottenbrei, würde ich erst nach dem 6. Monat empfehlen.

Frage von Stefanie:

Hallo, also mich würde gern mal interessieren, was ich machen kann, dass mein Kleiner (fünf Monate) nicht jeden Tag ab halb sechs wach ist, obwohl er in der Nacht noch eine Flasche bekommt? Es ist jeden tag dasselbe. Stefanie

Dr. Straßburg:

Offensichtlich ernähren Sie Ihr Kind ja mit Flaschennahrung. Dann ist häufig der Magen überfüllt und es kommt zu einem sauren Rückfluss von Mageninhalt. Versuchen Sie, z.B. am Abend ihm Flaschennahrung mit einem Eindickungsmittel (z.B. Aptamil-AR) zu füttern und wenn möglich die Mahlzeit in der Nacht zu reduzieren. Sonst ist es aber auch nicht ungewöhnlich, dass ein Kind mit fünf Monaten morgens um halb sechs wach wird.

Frage von Abendstern:

Mein Sohn ist zweieinhalb Jahre alt und trinkt zum Einschlafen ein Fläschchen Milch. Ich möchte ihm aber Schlafen ohne Fläschchen angewöhnen. Wie geht das am besten? Bei den ersten Versuchen weinte er so sehr, dass ich es gleich wieder aufgegeben habe.

Dr. Straßburg:

Sie sollten nicht so schnell den Versuch aufgeben. Ihr Sohn sollte ein normales Abendessen (Brot mit Aufstrich, Flüssigkeit, eventuell auch Brei) bekommen und allenfalls ein paar Schluck Tee oder Wasser abends vor dem Einschlafen - Milch würde ich ihm da nicht geben, weil das eventuell vermehrt saures Aufstoßen machen kann. Sonst versuchen Sie, anstelle des Fläschchens ein ihm entsprechendes Gute-Nacht-Ritual mit dem Vorlesen einer Geschichte und ein paar Streicheleinheiten.

Frage von cyth:

Mein Sohn ist jetzt 24 Wochen alt und hat immer mal wieder Phasen, in denen er nachts oft aufwacht und einfach nur schreit. Manchmal ist er dann selbst mit Rumtragen nicht mehr zu beruhigen. Allerdings hilft hier der Fön. Was ist das? Wie kommt es, dass ihn das Geräusch des Föns oftmals so sehr beruhigt?

Dr. Straßburg:

Das ist gar nicht so selten, aber kann als Methode nicht empfohlen werden. Wahrscheinlich ist die Vibration des Föhns für den Beruhigungseffekt verantwortlich.
Versuchen Sie es weiter mit Tragen und Aufstoßenlassen. Spuckt Ihr Kind öfters? Vielleicht versuchen Sie auch - wenn Sie nicht stillen -, ihm eine Nahrung mit einem Eindickungsmittel (Nestargel) am Abend zu geben. Wenn er gestillt wird, versuchen Sie es mit einem Hochstellen des Kopfendes des Bettes um 30 Grad. Ansonsten brauchen Sie Geduld, meist verbessert sich das Problem, wenn die Kinder sich aktiv mehr bewegen können.

Frage von zwieback:

Unsere Tochter ist jetzt ein Jahr alt und wird noch gestillt. Im Alter zwischen vier und sechs Monaten hat sie bereits von 19.30 Uhr bis 6 Uhr durchgeschlafen. Das hat sich dann leider wieder geändert. Sie wurde manchmal bis zu sechsmal pro Nacht wach und ich hatte sie dann immer wieder in den Schlaf gestillt. Vor ein paar Wochen haben wir aufgehört, sie nachts zu stillen und haben immer versucht, sie durch Kopfstreicheln und Teddy-ins-Bett-legen etc. wieder zum Schlafen zu bringen. Jetzt wacht sie nicht mehr so oft auf, schläft manchmal sogar schon wieder bis 5 Uhr, dann stille ich sie. Meine Mutter geht mir jedoch beständig auf die Nerven, dass sie das überhaupt nicht kennen würde mit solchen "Schlafproblemen". Mir wäre es natürlich auch lieb, wenn sie von 19.30 Uhr bis 6 Uhr durchschlafen würde, aber das ist doch auch noch nicht zu erwarten, oder?

Dr. Straßburg:

Ich denke, dass Sie das gar nicht schlecht machen, und ich bin ziemlich sicher, dass es auch weiter mit Ihrer Tochter gut geht. Früher waren die Ansichten eben anders. Wenn Sie und Ihre Tochter sich wohl fühlen, machen Sie weiter so. Aber vielleicht überlegen Sie sich doch, in den nächsten Monaten das Stillen zu beenden.

Frage von Babynator:

In der Zeitung las ich heute über verfrühten Pollenflug, woran der Klimawandel schuld ist. Meine Sorge ist jetzt, dass mein Kind deswegen nicht mehr schlafen kann. Ich selbst bin Allergiker.

Dr. Straßburg:

Allergien können eine Einschränkung der Nasenatmung bewirken und das wiederum kann in unterschiedlicher Weise den Schlaf negativ beeinflussen. Am wichtigsten ist, dass die Raumtemperatur nicht über 18 Grad ist und die Luft im Schlafzimmer etwas angefeuchtet ist - z.B. mit aufgehängter feuchter Wäsche oder einem feuchten Handtuch. Wichtig ist auch, dass niemand in der Wohnung raucht.
Wenn bei Ihrem Kind dennoch Allergiesymptome (Schnupfen oder Asthma) auftreten, gibt es dafür unterschiedliche Medikamente: Manchmal reichen einfache Kochsalz-Nasentropfen, es gibt antiallergische Medikamente, und eventuell auch Schleimhaut abschwellende Medikamente - das sollte aber Ihr Kinderarzt entscheiden.

Frage von seelenfarben:

Mein Sohn, elf Monate, schlief die letzten Wochen immer in seinem Bettchen ein, wurde gegen 22 Uhr gestillt und gegen 24 Uhr wieder wach und schlief dann der Einfachheit halber mit in unserem Bett. Jetzt wollte ich ihm das "umgewöhnen" und hab wieder ein Schlaftraining begonnen. Er ist prima eingeschlafen, wieder gestillt worden gegen 22 Uhr und 24 Uhr wach geworden.

Dr. Straßburg:

Wenn das Verhalten Ihres Kinder neu ist, muss man daran denken, dass er irgendeine Krankheit ausbrütet, z.B. eine Ohrentzündung oder einen grippalen Infekt. Sonst kann es sein, dass er auch die Probleme wegen einer Übersäuerung von Magen und Speiseröhre hat.
Wenn es gar nicht besser wird, kann man ihm unter Umständen auch ein Säure bindendes Medikament abends nach der letzten Mahlzeit geben (z.B. Gaviscon).

Eine weitere Frage von kaduba:

Mein Kind (fast sechs Monate) hat meistens Probleme einzuschlafen. Er sieht sehr müde aus (reibt sich die Augen, gähnt), aber im Bett wird er dann ganz nervös und fängt an zu schreien. Manchmal dauert es zehn Minuten, bis ich ihn beruhigen kann. Woran könnte das liegen? Kann man etwas tun, damit das Kind ruhiger einschläft?

Dr. Straßburg:

Wenn Sie sich Sorgen wegen des Aussehens Ihres Kindes machen, sollte es von einem Kinderarzt untersucht werden. Mit sechs Monaten haben manche Kinder Blutbildveränderungen oder können beginnend erste Infektionen oder andere chronische Erkrankungen haben.
Wichtig ist, wie der Entwicklungsstand Ihres Kindes ist und wie es gedeiht.

Frage von Schlumpi:

Meine Tochter (12) schläft immer noch in unserem Ehebett. Mehrfache Versuche, sie in ihr eigenes Bett zu verbannen sind, fehlgeschlagen. Nun ziehen meine Frau und ich heimlich ins Kinderbett. Wir wissen nicht mehr weiter.

Dr. Straßburg:

Sie sollten sich nicht von Ihrem Kind zu sehr vorschreiben lassen, was Sie tun sollen. Mit zwölf Jahren sollte das Kind so vernünftig sein und ins eigene Bett gehen. Wenn es damit Probleme gibt, könnte das Kind vor irgendetwas Angst haben. Gibt es andere Belastungen in Ihrer Familie? Sie sollten sich sonst eventuell an eine Beratungsstelle für Eltern wenden.

Frage von Gast_45785:

Meine Tochter ist zwölfeinhalb Monate alt. Sie hat, als sie vier Monate alt war, zwölf Stunden am Stück nachts geschlafen. Seit dem fünften Monat alles geändert. Sie wacht ca. alle Stunde auf, ich gebe ihr den Schnuller und sie schläft sofort wieder ein. Ich habe bereits viele Schnuller im Bett verstreut. Keine Chance. Sie schläft auch nur ein, wenn ich sie in den Schlaf wiege, anders bekommen wir es leider nicht hin. Wir haben unser Abendritual und sie schläft recht schnell beim Wiegen im Anschluss ein. Sie schläft im eigenen Bettchen seit dem dritten Monat. Wie kann ich das ständige Aufwachen stoppen? Ich habe schon diverse Bücher zum Thema Schlaf gelesen und versuche alle Tipps zu befolgen, allerdings ohne Erfolg. Wo kann ich mir in Hamburg professionell helfen lassen? Diverse Osteopathbesuche haben wir schon hinter uns, da war alles ok. Sie wird nicht mehr gestillt, bekommt abends einen Hirsemilchbrei, hat keine Verdauungsstörungen und spuckt auch nicht.

Dr. Straßburg:

Wenn Ihr Kind normal einschläft, aber immer wieder wach wird und sonst ganz normal entwickelt ist, sollte man es schon versuchen, es mit der Färber-Methode zum Schlafen zu bringen, d.h. ihm zeigen, dass Sie da sind, aber nicht zu viel mit direktem Körperkontakt machen.
In Hamburg gibt es z.B. am Werner-Otto-Institut ein Sozialpädiatrisches Zentrum, an das Sie sich wenden können.

Frage von vital:

Kann man mit zwölf Monaten ein Durchschlafen des Kindes erwarten. Das Kind wird in der Nacht zwei- bis dreimal wach.

Dr. Straßburg:

Zwei bis dreimaliges Wachwerden bei einem sonst normal entwickelten einjährigen Kind ist ganz normal. Sie sollten sich deshalb keine Sorgen machen.

Frage von schlafmuetze:

Mein Kind (acht Jahre) hat seit ca. einem halben Jahr Probleme beim Einschlafen und wird in der Nacht öfters wach! Wie kann ich das Einschlafen problemloser gestalten???

Dr. Straßburg:

Eine wichtige Ursache können Einschränkungen der oberen Luftwege sein, z.B. zu große Rachen- oder Gaumenmandeln. Es gibt natürlich auch noch viele andere Gesundheitsstörungen (Allergie, Nahrungsmittelunverträglichkeit, chronische Entzündungen), die so etwas verursachen können. Wenn keine Gesundheitsstörungen vorliegen, kann bei einem Kind der Schlaf-Wach-Rhythmus mit der Gabe von Melatonin (4 mg am Abend für 4-6 Wochen) positiv beeinflusst werden.

Moderatorin:

An dieser Stelle möchten wir Ihnen noch ein paar Beratungshinweise zukommen lassen. Die Sozialpädiatrischen Zentren (SPZ) sind spezialisierte Einrichtungen der ambulanten Krankenversorgung zur Untersuchung und Behandlung bei Kindern und Jugendlichen. Inhaltlicher Schwerpunkt der Sozialpädiatrischen Zentren sind Krankheiten, die Entwicklungsstörungen, Behinderungen, Verhaltensauffälligkeiten oder seelische Störungen mit sich bringen oder bringen können. Hierzu gehören auch Untersuchungen bei Verdacht auf die erwähnten Krankheiten. (Adressen unter www.dgspj.de)
Die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) hält unter www.bke-elternberatung.de ein Beratungsangebot für Eltern bereit. Das Angebot ist kostenlos, steht Eltern an sieben Tagen die Woche 24 Stunden täglich zur Verfügung. Die Fragen werden von Fachkräften beantwortet: in der Einzelberatung, im Gruppenchat oder im Themenchat. Im Regelfall erhalten Sie eine Antwort innerhalb von 48 Stunden. Im Forum können sich Eltern austauschen. Der Zugang zur Beratung ist denkbar einfach: die Seite www.bke-elternberatung.de aufrufen, einen Nicknamen ausdenken und ein Passwort eingeben. Hier können Sie über die Beratungsstellensuche auch gezielt nach geeigneten Beratungsstellen in Ihrer Nähe suchen.

Frage von Manu:

Mein Kind hatte im Babyalter gut durchgeschlafen. Jetzt (16 Monate) schläft sie sehr schlecht ein, weint dabei viel und schläft auch nicht mehr durch. Was kann ich tun?

Dr. Straßburg:

Mit Beginn des zweiten Lebensjahres werden oft die Rachenmandeln größer und die Kinder haben Schwierigkeiten, besonders nachts Luft zu bekommen. Wenn es z.B. schnarcht oder Probleme mit den Ohren hat, sollten Sie über den Kinderarzt mit einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt Kontakt aufnehmen.

Frage von LysannSchurat:

Hallo, mein Baby ist viereinhalb Monate alt. Zwischen 20 und 21 Uhr bringe ich ihn immer ins Bett. Abends bekommt er eine Flasche, sonst stille ich. Er wird dann gegen zwölf Uhr wieder wach, dann wieder gegen drei und dann wieder gegen sieben. Dann lege ich ihn noch einmal hin, er schläft nach einer Weile Erzählen noch einmal für eine halbe Stunde. (Ich stille ihn dann immer, anders lässt er sich nicht beruhigen.) Tagsüber macht er lediglich drei Nickerchen à 30 Minuten, auch im Kinderwagen oder Auto. Dabei macht er mir aber immer einen müden Eindruck. Und ich weiß einfach nicht mehr, was ich noch ändern könnte bzw. wie ich ihn zu etwas mehr Schlaf bekomme???

Dr. Straßburg:

Prinzipiell kann ich nicht dazu raten, dass Sie stillen UND Milch zufüttern. Das ist einer der häufigsten Gründe für Verdauungsprobleme im Säuglingsalter. Sie sollten sich entscheiden, entweder weiter zu stillen, oder auf Flaschenernährung umzusteigen.
Wichtig ist auch, wie die Gewichtszunahme Ihres Kindes in den letzten Wochen war. Sprechen Sie darüber vielleicht auch noch mal mit Ihrem Kinderarzt.

Moderatorin:

Es gibt noch ein paar zentrale Botschaften zum kindlichen Schlaf, die wir Ihnen an dieser Stelle gerne vorstellen möchten:
Kinder sind auch im Schlafbedarf und Schlafverhalten individuell verschieden und entwickeln unterschiedlich schnell regelmäßige Schlafgewohnheiten. In den ersten Lebensmonaten können Eltern nicht damit rechnen, dass ihr Kind schon durchschläft.
Noch bis ins Kleinkindalter ist es normal, das Kinder mehrmals in der Nacht aufwachen. Entscheidend ist, dass ein Kind mit der Zeit lernt, selbständig wieder einzuschlafen. Ein Säugling muss seinen Schlaf-Wach-Rhythmus erst noch entwickeln und lernen. Grundlage und Orientierung bietet ihm ein regelmäßiger Tagesablauf mit möglichst klaren Routinen und Strukturen.
Eltern sollten lernen, die Müdigkeitszeichen ihres Kindes zu erkennen, und sollten allmählich ein Gefühl dafür entwickeln, wann bei ihrem Kind der Punkt des Einschlafens gekommen ist (Zeitfenster).
Ein gleich bleibendes Einschlafritual erleichtert Kindern, in den Schlaf zu finden, aufwändige Einschlafhilfen können das Schlafenlernen dagegen erschweren. Alle Säuglinge schreien in den ersten Lebensmonaten, oft auch nachts. Manche Säuglinge schreien besonders viel und lassen sich nur schwer beruhigen.
Wenn ein Säugling nachts weint, braucht er Hilfe und sollte nicht allein gelassen werden.
Wenn sich Eltern durch das nächtliche Aufwachen und das Schreien ihres Kindes überlastet fühlen, sollten sie sich an den Kinderarzt/die Kinderärztin und/oder Beratungsstellen wenden. Mit fachlicher Hilfe können Eltern diese Probleme meist schnell in den Griff bekommen.

Frage von suse:

Meine Tochter (vier Jahre) möchte seit einem guten Monat keinen Mittagsschlaf mehr machen! Aber sie braucht doch den Schlaf?

Dr. Straßburg:

Mit vier Jahren braucht man nicht unbedingt mehr einen Mittagsschlaf. Vor allen Dingen, wenn sich Ihre Tochter alleine gut beschäftigen kann und am Nachmittag nicht vermehrt quengelt, sollten Sie sich darüber überhaupt keine Sorgen machen.

Frage von ElmarNordhues:

Unser Kleiner ist nun gerade zwei Jahre alt geworden und wacht nachts sehr häufig auf. Meist möchte er dann etwas trinken. Da wir ihn aber meist nicht sofort hören, fängt er dann schnell an zu schreien und beruhigt sich dann oft erst nach einer Stunde. Das bringt mich auf Dauer völlig um den Schlaf. Was kann ich tun?

Dr. Straßburg:

Mit zwei Jahren haben viele Kinder Atemprobleme. Denken Sie an die vergrößerten Rachenmandeln und fragen Sie deswegen Ihren Kinderarzt. Eine ähnliche Frage wurde bereits gestellt und ausführlich beantwortet. Die Antwort können Sie auch im Chatprotokoll nachlesen, dass im Laufe der nächsten Tage einsehbar sein wird.

Moderatorin:

Weitere Informationen zum Thema Schlafen finden Sie auf unserer Webseite www.kindergesundheit-info.de. Über das Kontaktformular auf unseren Seiten können Sie auch später noch weitere Anregungen, Fragen etc. zum Thema Schlafen stellen

Dr. Straßburg:

Da im Moment keine weiteren Fragen eingegangen sind, möchte ich die Gelegenheit nutzen, Ihnen einige Literaturempfehlungen weiterzugeben:
Brazelton, T.B. / J.D. Sparow (2004): So schläft mein Kind die ganze Nacht. Knaur: München. Largo, R. (1993): Babyjahre. Piper: München. Largo, R. (1999): Kinderjahr - die Individualität des Kindes als erzieherische Herausforderung. München: Piper.

Moderatorin:

Es liegen der Moderation noch weitere Fragen vor, die nun durchgestellt werden. Zur Information: Im Anschluss an diesen Chat gibt es ein Chatprotokoll zum Nachlesen auf den Seiten von www.kindergesundheit-info.de

Frage von vera:

Ich bekomme immer wieder erstaunte Blicke, wenn ich erzähle, dass unsere beiden Kinder (zwei und fünf) noch bei uns im Zimmer schlafen - im eigenen Bettchen. Wir machen die Erfahrung, dass unsere Kinder besonders gut durchschlafen, wenn ich das alles hier lese.

Dr. Straßburg:

Das Schlafen der Kinder im eigenen Bett im Schlafzimmer der Eltern ist die beste Empfehlung in den ersten Lebensjahren. Ab dem Kindergartenalter würde ich aber doch empfehlen, dass das Kind, wenn möglich, in einem Bett in seinem eigenen Zimmer schlafen kann.

Frage von kaduba:

Denken Sie, es ist sinnvoll - auch für den Schlafrhythmus - Kinder noch über den sechsten Monat hinaus zu stillen?

Dr. Straßburg:

Sechs Monate Stillen ist das optimale Minimum - wegen des Schlafrhythmus müssen Sie nicht weiterstillen, auch nicht wegen der Vorzüge der Muttermilch. Nach dem sechsten Lebensmonat sollten Sie die übliche Beikost beginnen. Einen Einfluss auf das Schlafverhalten sollte das Stillen nach dem sechsten Monat nicht mehr haben.

Frage von stl:

Unser Sohn (sechs Monate) wird immer nachts um die gleiche Zeit wach, so gegen 3.30 Uhr, erzählt, macht die Hose voll, hat dann eine total aktive Phase. Kann bis zu zwei Stunden gehen, ist dann natürlich am Morgen völlig müde und schläft dann wieder. Für mich ist das total anstrengend und ich würde gerne etwas ändern, aber wie?

Dr. Straßburg:

Zuerst einmal ist die Wachphase als solche nichts Beunruhigendes, und ich denke, dass sich das auch bald zurückbilden wird. Lassen Sie Ihr Kind am Tag sich möglichst viel frei bewegen und geben Sie ihm am Abend eine Breimahlzeit. Vielleicht hat er dann eine kürzere Aufwachphase in der Nacht.

Frage von suse:

Eine bekannte von mir ist gerade im achten Monat schwanger und hat bis zum sechsten Monat geraucht! Hat das Auswirkungen auf das Kind, z.B. Schlafstörungen?

Dr. Straßburg:

Rauchen in der Schwangerschaft kann sehr wohl unterschiedliche Auswirkungen auch auf die Entwicklung des Schlaf-Wach-Rhythmus, die Verdauung und die Atmung haben. Wichtig ist, dass Ihre Bekannte weiterhin konsequent nicht mehr raucht und dass sie sich, wenn Probleme mit ihrem Kind auftreten, an ihren Kinderarzt wendet. Aber sie sollte sich auch nicht zu viele Selbstvorwürfe machen - das kann alles nur noch mehr verschlechtern.

Frage von Schlafmariechen:

Meine Kleine ist jetzt gerade mal zehn Monate und schnarcht schon. Ich mache mir Sorgen, bin aber deswegen noch nicht beim Arzt gewesen. Ist meine Sorge begründet? Was sollte ich beachten, ist es sinnvoll ein höheres Kissen zu kaufen?

Dr. Straßburg:

Zuerst einmal sollten Säuglinge und Kleinkinder nicht auf einem Kissen schlafen, sondern auf einer nicht zu weichen Matratze und, wenn irgend möglich, in einem Schlafsack. Wenn Ihr Kind mit zehn Monaten schnarcht, sollten Sie zum einen auf die Raumtemperatur und die -feuchtigkeit achten und ihm vielleicht mit Kochsalz-Nasentropfen die Luftwege etwas erweitern. Auf keinen Fall sollte in der Wohnung geraucht werden. Wenn es nicht besser wird, sollten Sie über den Kinderarzt einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufsuchen, der Ihr Kind genauer untersuchen muss.

Frage von Katharina:

Ich habe eine Frage zu den allgemeinen Anmerkungen von eben. Woran kann ich denn erkennen, ob meine Tochter gerade "richtig" müde ist?

Dr. Straßburg:

Wenn man "richtig müde" ist, kann man in der Regel bald einschlafen. Es gibt aber auch eine Müdigkeit, die dazu führt, dass man vermehrt aufgedreht, unruhig und reizbar ist. Entscheidend ist, in den richtigen Rhythmus zu kommen, das heißt, tagsüber wach und aktiv sein zu können und nachts zu schlafen bzw. entspannt im Bett zu liegen.
Dunkle Ringe unter den Augen, hängende Augenlider, blasse Hautfarbe usw. können Zeichen von Übermüdung sein, können aber auch durch andere Krankheiten ausgelöst werden. Das muss der Kinderarzt beurteilen.

Frage von JanaHo:

Hallo, unser Sohn ist neun Monate alt und schläft allein in seinem Bett ein, wird aber meist nach zwei bis drei Stunden das erste Mal munter, dann immer wieder so im Stundenrhythmus. Wenn wir ihm unsere Hand geben, schläft er wieder ein, wird aber immer wieder munter. Nur wenn er krank ist, dann sind die Nächte besser und er schläft auch mal fünf Stunden am Stück. Tagsüber schläft er auch nicht besonders viel. Meist nur dreimal eine halbe Stunde. Was können wir tun, dass er länger schläft?

Dr. Straßburg:

Zuerst einmal ist es schön, dass Ihr Kind immer munter ist. Dann dürfte es auch reichen, dass Sie ihm zeigen, dass Sie da sind, und ihn nicht zu sehr mit Anfassen oder Ähnlichem an sich binden. Ich denke, dass sich mit beruhigendem Zureden das Problem am ehesten zurückbilden wird.

Frage von seelenfarben:

Mein Sohn hat wochenlang nach zweimal Wachwerden bei uns im Bett weitergeschlafen. Jetzt will ich, dass er bei sich durchschläft. Habe Schlaftraining gemacht, klappt aber nicht. Ganze Nacht: Die paar Minuten, wenn ich da bin, schläft er, geh ich raus, brüllt er. Habe ihn bis zu 15 Minuten weinen lassen. Über sechs Stunden ging das so!! Soll ich heute weitermachen? Kann man dem Kleinen damit psychisch schaden?

Dr. Straßburg:

Wenn Ihr Kind am Tag gut versorgt ist, wenn es sich zunehmend selbständig bewegen kann und normal zunimmt, wird es wegen des vermehrten Schreiens bzw. den von ihnen beschriebenen Trennungsängsten alleine keinen psychischen Schaden bekommen.
Es ist wichtiger zu fragen, ob es sonst irgendwelche anderen Erklärungen für die vermehrte Ängstlichkeit Ihres Kindes gibt. Ich plädiere dafür, dass Kinder nach einem beruhigenden Einschlafritual in ihrem Bett liegen bleiben und dass einer der Eltern, wenn das Kind ruft, sich nur zeigt und auf das Kind beruhigend einspricht, es aber nicht wieder aus dem Bett herausnimmt. Das kann bei einem nachts schreienden Kind für einige Zeit Probleme bereiten, Sie sollten aber deshalb nicht verzweifeln.

Weitere Frage von seelenfarben:

Er war jetzt lange Zeit mit verschiedenen Infekten, Mittelohrentzündung, Zahnen beschäftigt. Wie krieg ich die Trennungsängste weg?

Dr. Straßburg:

Infekte in den ersten Lebensjahren sind leider etwas Natürliches und für den Aufbau der Abwehr notwendig. Eine Mittelohrentzündung ist in der Regel auch mit einer vergrößerten Rachenmandel (Polypen) vergesellschaftet. Zahnen spielt nur eine untergeordnete Rolle bei der Erklärung von Schlafstörungen. In Zeiten, in denen Ihr Kind eine Krankheit hat, braucht es ohne Zweifel die Nähe eines Elternteils. Wenn es gesund ist, sollten Sie aber, wie oben angedeutet, vorgehen.

Frage von PennEule:

Mein Kind (eineinhalb) möchte zum Abendessen immer Brause trinken. Obwohl ich weiß, dass es die noch nicht verträgt, gebe ich ihm Brause. Nun muss er in der Nacht sehr häufig und auch heftig aufstoßen und manchmal auch brechen. Aber ohne Brause ist an Einschlafen nicht zu denken. Ich bin ratlos.

Dr. Straßburg:

Brause bildet Gase im Magen und die machen Bauchschmerzen und Verdauungsprobleme. Da müssen Sie stark sein und Ihrem Kind keine Brause mehr geben, sondern Tee oder Saft.

Frage von jessika:

...und wenn ein Kind zu tief schläft und nachts mit fünf noch Windeln braucht, sonst ist das Bett frühmorgens nass.

Dr. Straßburg:

Einnässen bei einem Fünfjährigen hat nichts mit Störungen des Tiefschlafs zu tun. Wenn keine anderen Probleme mit dem Wasserlassen bestehen (z.B. häufige Harnwegsinfekte, häufiges Auf-die-Toilette-Laufen usw.), sollten Sie Geduld haben.
Wenn es nie eine trockene Nacht gibt, sollte der Kinderarzt nochmals aufgesucht werden. Wenn ab und zu eine Nacht trocken ist, empfiehlt sich das Führen eines Kalenders mit "Regen- und Sonnentagen" und Belohnungen bei wiederholten Sonnentagen. Wenn in den nächsten Monaten nichts besser wird, kann man eventuell auch mit einer Klingelhose oder Ähnlichem in der Nacht Ihrem Kind helfen.

Frage von borstel:

Guten Tag. Mein Sohn ist zweieinhalb und hat große Schwierigkeiten einzuschlafen und auch durchzuschlafen. Er wacht immer wieder auf und weint. Er ist ein sehr unruhiger Schläfer, er wälzt sich hin und her und kommt schlecht zur Ruhe

Dr. Straßburg:

Mich würde mehr interessieren, wie sich Ihr Kind am Tag verhält, ob es ausgeglichen und ruhig ist oder ebenfalls unruhig und reizbar.
Denken Sie bitte an Störungen der oberen Luftwege. Wenn Ihr Kind sich tagsüber altersentsprechend verhält, können vermehrte Unruhen und Wachphasen nachts auch normal sein.

Moderatorin:

Der Chat neigt sich langsam dem Ende zu. Ich stelle nun die letzten beiden Fragen durch.

Frage von Eberhart:

Mein Sohn ist neun Jahre alt und kommt morgens kaum aus dem Bett. Seit einem halben Jahr hat er einen kleinen Fernseher in seinem Zimmer, den hat er von meinem Schwiegervater geschenkt bekommen. Nun habe ich die Befürchtung, dass er nachts heimlich Fernsehen schaut, obwohl ich ihm das mehrfach verboten habe. Mir hat er nur gesagt, dass er halt schlecht schläft. Was kann ich tun?

Dr. Straßburg:

Ein Fernseher gehört in keinem Fall in ein Kinderzimmer. Neue Untersuchungen weisen darauf hin, dass Kinder, die einen Fernseher in ihrem Zimmer haben, zunehmend schlechtere Schulnoten haben. Mit neun Jahren sollte Ihr Sohn, wenn möglich, maximal eine Stunde am Tag fernsehen dürfen - nicht mehr.

Frage von braun:

Meine Tochter ist jetzt zweieinhalb Jahre und wacht nachts immer noch mindestens zweimal auf und kommt zu uns ins Bett. Mein Mann oder ich bringen sie dann zurück und sie schläft weiter. Was können wir tun, damit sie endlich mal durchschläft? Das kam bisher nur sehr selten vor.

Dr. Straßburg:

Wenn Ihr Kind tagsüber sich normal verhält, sollten Sie sich wegen der nächtlichen Wanderungen nicht zu viele Sorgen machen. Bringen Sie sie konsequent abends in ihr eigenes Bett und beachten Sie sie möglichst wenig, wenn sie sich in das Ehebett legt.

Frage von piepsie:

Meine Tochter (fünf Jahre) ist tagsüber sehr aufgedreht und abends vor halb elf oder noch später ist ans Schlafengehen nicht zu denken. Was kann ich noch tun? Ich bin Mutter von acht Kindern. Nur die 5-jährige Tochter hat sehr große Probleme mit dem Einschlafen. Sie ist das sechste Kind. Tagsüber ist sie in der Kita und dort auch sehr aufgedreht und ständig in Bewegung.

Dr. Straßburg:

Wie schön, dass Sie so ein lebhaftes Kind haben! Versuchen Sie aber, Ihr Kind tagsüber nicht durch übertriebene Aufregung und pausenlose Aktivitäten zusätzlich "aufzudrehen“. Geben Sie ihm die Möglichkeit, tagsüber auch Ruhezeiten einzulegen, und bieten Sie ihm Zeit, sich selbst zu beschäftigen. Abgesehen davon gibt es einfach Kinder, denen sieben bis acht Stunden Schlaf genügen. Das muss dann akzeptiert werden.

Moderatorin:

Vielen Dank Herr Prof. Dr. Straßburg, dass Sie sich die Zeit für diesen Themenchat genommen haben. Mögen Sie zum Abschluss ein kleines Resümee ziehen oder gibt es etwas, das Sie den Besucher/-innen noch mit auf den Weg geben möchten?

Dr. Straßburg:

Die gestellten Fragen zeigen mir zum einen, dass das Finden eines normalen Rhythmus im frühen Säuglingsalter oft nicht einfach ist. Hier gibt es keine Patentlösung. Aber ein paar grundsätzliche Hinweise, für die ich auch noch mal zwei Literaturhinweise geben möchte:
Pikler, E. (1987): Friedliche Babys - zufriedene Mütter. Pädagogische Ratschläge einer Kinderärztin. Herder: Freiburg.
Rohr, M. (1998): Freiheit lassen - Grenzen setzen. Wie Eltern Sicherheit gewinnen und ihren Kindern Halt geben. Empfehlungen eines Kinderarztes. Herder: Freiburg.

Dr. Straßburg:

Ganz wichtig erscheint mir, dass Eltern sich in den ersten Lebensmonaten ihres Kindes nicht verunsichern lassen. Im Kleinkindalter spielt die Einengung der oberen Luftwege oft eine wichtige Rolle bei Schlafstörungen. Wenn es dafür keine Hinweise gibt, muss man immer auch an unterschiedliche Entwicklungsauffälligkeiten denken. Wenn bei Ihrem Kind Schlafstörungen bestehen bleiben, wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren Kinderarzt.

Moderatorin:

Nochmals herzlichen Dank an unseren Experten Prof. Dr. Straßburg.