Porträt

Lisa Fehrenbach und Dr. Michael Abou-Dakn - zwei ausgewiesene Fachleute

Lisa Fehrenbach, Beauftragte für Stillen & Ernährung des Deutschen Hebammenverbandes e.V. (DHV), und Dr. Michael Abou-Dakn, unter anderem Mitglied der Nationalen Stillkommission, beantworten in unserem gemeinsamen Themenchat "Stillen. Einfach. Gut. Und bei Fragen gibt es Rat und Hilfe" zum Auftakt der Weltstillwoche am 29. September 2008 persönlich Ihre Fragen. ...mehr

Porträt

Dr. Grit Neisser - eine weitere Expertin

Mit Dr. Grit Neisser steht in unserem Themenchat "Stillen. Einfach. Gut. Und bei Fragen gibt es Rat und Hilfe" am 29. September 2008 eine weitere Expertin für Ihre Fragen zur Verfügung. ...mehr

Ernährung im 1. Lebensjahr

Rat und Hilfe

Stillen/Ernährung des Kindes

Im Säuglings- und Kleinkindalter kommt es häufig zu Anpassungsproblemen beim Füttern. Meist sind sie vorübergehender Natur. Doch manchmal halten sich Probleme beim Stillen oder Füttern hartnäckig und belasten Eltern und Kind gleichermaßen. In vielen Fällen können die Probleme mit fachkundiger Unterstützung jedoch schon bald behoben werden. ...mehr

Themenchat Stillen

Chatprotokoll des Themenchats "Stillen. Einfach. Gut. Und bei Fragen gibt es Rat und Hilfe " vom 29.09.2008

Die zahlreichen Fragen in unseremThemenchat zeigen ein großes Interesse am Thema Stillen, aber auch, dass im Stillalltag immer wieder Fragen und Unsicherheiten auftauchen. In dem Chatprotokoll können Sie alle Fragen und die Antworten der Expertinnen Lisa Fehrenbach und Dr. Grit Neisser nachlesen.

Enthalten sind auch die allgemeinen Hinweise, Link-Tipps und Leseempfehlungen, die während des Chats gegeben wurden. Hinweis: Da uns diesmal zwei Expertinnen zur Verfügung standen, konnten verschiedene Fragen gleichzeitig beantwortet werden. Hierdurch erschienen einige Antworten zeitversetzt bzw. es kam zu Überschneidungen. Zum besseren Verständnis sind deshalb manche Fragen und Antworten - abweichend von der zeitlichen Abfolge - in diesem Protokoll aufeinanderfolgend und die Antworten weitgehend zusammenhängend aufgeführt.

Chatprotokoll

Moderator:

Herzlich Willkommen zu unserem Expertenchat anlässlich der Weltstillwoche. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) lädt gemeinsam mit dem Deutschen Hebammenverband und der WHO/UNICEF-Initiative "Babyfreundliches Krankenhaus" ein zum Expertenchat "Stillen. Einfach. Gut. Und bei Fragen gibt es Rat und Hilfe." Lisa Fehrenbach, Beauftragte für Stillen & Ernährung des Deutschen Hebammenverbandes e.V., und Dr. Grit Neisser, WHO/UNICEF-Initiative "Babyfreundliches Krankenhaus" und Oberärztin im Humboldt-Klinikum Berlin, stehen für alle Fragen rund um das Stillen zur Verfügung.

Moderator:

Jetzt freuen wir uns auf die ersten Fragen von Ihnen.

Moderator:

Ihre Fragen kommen zunächst bei mir, dem Moderatoren, an, ich stelle sie dann an unsere beiden Expertinnen durch.

Frage von Francesca:

Hallo, ich habe gerne gestillt, und unsere nun 22 Monate alte Tochter ist nicht davon loszubekommen. Natürlich isst Sie mit am Familientisch, aber wenn Sie müde ist oder Nähe sucht, verlangt sie nach Mamas Brust. Auch nachts schläft sie deshalb nur selten durch. Was kann ich tun, um das Abstillen hinzubekommen?

Lisa Fehrenbach:

In dem Alter geht das Abstillen nur mit Auseinandersetzung. Sie müssen sich mit Ihrem Kind einigen. Die WHO empfiehlt übrigens Stillen bis zum 2. Geburtstag und darüber hinaus, wenn Mutter und Kind es möchten

Grit Neisser:

Warum möchten Sie abstillen?

Frage von Francesca:

Denken Sie denn, dass es gut ist, sofort aufzuhören, damit das Kind nicht immer wieder in Versuchung kommt? Ich möchte abstillen, da meine beiden Brustwarzen sehr angegriffen sind und das Saugen nur noch mit Schmerzen möglich ist.

Grit Neisser:

Das können nur Sie allein entscheiden. Wenn Sie abstillen wollen, sollten sie dies auch tun. Wie konsequent sie diesen Weg beschreiten, ist individuell unterschiedlich… Die Stillbeziehung ist natürlich zweiseitig und kann von beiden Seiten, also auch von Ihrer Seite beendet werden… Ansonsten schließe ich mich Frau Fehrenbach an, dass es keine Altersbegrenzung zum Stillen gibt. Nur Mutter und Kind bestimmen die Zeit.

Moderator:

Sie müssen nicht die Antwort der Expertinnen abwarten, da die Fragen zunächst in einem Fragenspeicher gesammelt werden und dann durch den Moderator nach und nach durchgestellt werden.

Frage von Francesca:

Naja, so wirklich weiter hilft mir das leider nicht.

Lisa Fehrenbach:

Wenn Sie Schmerzen haben, und wenn Sie nicht mehr wollen, ist das Grund genug, aufzuhören. Wie oft Sie Ihre Tochter dann noch ranlassen, müssen Sie wirklich selbst sehen. Vielleicht tut es Ihnen besser, wenn Sie Ihrem Kind einfach die Brust verweigern… Das bedeutet natürlich, dass Sie dann den Frust und die Trauer Ihrer Tochter aushalten müssen.

Frage von Francesca:

Vor einigen Wochen waren wir mit Rotaviren im Krankenhaus. Wegen der völligen Nahrungsverweigerung hab ich die Kleine fast stündlich gestillt. Der Arzt hat mich danach belehren wollen, dass es unnormal ist, ein Kind so lange zu stillen, und dass nun auch "nichts Gutes" mehr damit getan wird. Ich war ziemlich "baff" und bin froh, zu lesen, dass die WHO dies anders sieht.

Lisa Fehrenbach:

Viele Fachleute sind über die Vorteile des Stillens und der langen Stilldauer nicht informiert… Gerade wenn Ihre Tochter krank war, haben Sie mit Muttermilch ihr Immunsystem optimal unterstützt… Wenn sie Rotaviren hatte, war es super, dass Sie immer noch gestillt haben!

Frage von Waschbaer:

Wie ist man rechtlich geschützt beim Stillen, was den Arbeitgeber betrifft. Ich fände länger als ein Jahr stillen toll, muss aber nach einem Jahr wieder arbeiten. Ich arbeite in einem Labor mit gefährlichen Substanzen. Muss mein Arbeitgeber mir einen ungefährlichen Arbeitsplatz anbieten?

Grit Neisser

Der Arbeitgeber muss Ihnen Stillpausen einräumen… Zu den Fragen der gefährlichen Substanzen - habe schon vorher geantwortet - sorry… Der Arbeitgeber muss ihnen einen Arbeitsplatz ohne gefährliche Substanzen zur Verfügung stellen… Der Arbeitgeber darf Sie finanziell nicht schlechter stellen. Auch schwere körperliche Arbeit ist für stillende Mütter ungeeignet.

Frage von Francesca:

Na ja, aber je älter sie [die 22 Monate alte Tochter; die Red.] wird, umso trauriger wird sie wohl, wenn sie nicht mehr an die Brust darf. Ich finde es auch sehr schade, aber es geht wirklich nicht mehr, die Haut ist schon eingerissen, obwohl die Kleine nur saugt und noch nie gebissen hat.

Lisa Fehrenbach:

Das verstehe ich gut, dann hätte ich auch keine Lust mehr. Grundsätzlich gibt es Verletzungen der Brustwarzen immer bei schlechter Stilltechnik. Das heißt, Ihr Kind öffnet den Mund nicht weit genug und nimmt die Warze nicht tief genug in den Mund, sodass die Brustwarzen-Spitze hinten am weichen Gaumen landet und irgendwo scheuert. Das können Sie mit Ihrer Tochter besprechen. Eine gute und bequeme Stillposition ist wichtig, kein Zug an der Brustwarze.

Frage von Waschbaer:

Meine Hebamme steht sehr hinter dem Stillen. Aber wie finde ich unter Umständen noch eine Stillgruppe in der Nähe zum Austausch mit anderen Mamis?

Grit Neisser

Kontaktadressen in der Nähe Ihres Wohnortes (PLZ) können Sie unter folgenden Adressen finden: Berufsverband der Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC in Deutschland (www.bdl-stillen.de). Der Berufsverband deutscher Laktationsberaterinnen IBCLC e.V. informiert auf seinen Seiten über die Angebote und Tätigkeit von Laktationsberaterinnen und bietet die Möglichkeit, nach Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC in Ihrer Nähe zu suchen. Zusätzlich finden Sie hier Infos zum Stillen und Link-Tipps. Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen (AFS) (http://afs-stillen.de). Die Seite der Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen (AFS) , einer gemeinnützigen Organisation zur Förderung des Stillens, bietet eine Reihe hilfreicher Informationen zum Stillen. Über eine spezielle Suchfunktion können Sie nach Stillberatung und Stillgruppen vor Ort suchen. Unter Kontakte; finden Sie zudem die Nummer einer Telefon-Hotline sowie Ansprechpartner für spezielle Fragen und Stillen in besonderen Situationen.

Frage von Sabine:

Ja, viele Ärzte sehen das Stillen nach Bedarf als ungewöhnlich an und wollen der "Einfachheit" halber die Mütter dazu bringen, weniger zu stillen. Schade, dass da solche Infolücken aufseiten der Ärzte sind.

Lisa Fehrenbach:

Stimmt, vor allem, weil man weiß, dass häufiges Stillen langfristig für ausreichend Muttermilch sorgt!

Frage von Francesca:

Gibt es denn auch für diese lange Stilldauer noch gute Argumente?

Lisa Fehrenbach:

Ja, es gibt viele Studien, die die Vorteile des Langzeitstillens für Mutter und Kind belegen. Deshalb hat die Weltgesundheitsorganisation diese Empfehlung ausgesprochen.

Frage von Waschbaer:

Kann der Arbeitgeber nicht sagen: Dann still nur ein Jahr und hör dann auf? Auf welches Gesetz kann ich dann verweisen?

Grit Neisser:

Sie können sich auf das Mutterschutzgesetz beziehen, hier speziell das Gesetz für den Schutz der erwerbstätigen Mutter.

Frage von briege:

Hallo liebes Expertenteam. Ich unterrichtete gerade das Thema Stillen und kann leider nicht alle Fragen meiner Schülerinnen beantworten. Deshalb hier ein kleiner Fragenkatalog: Woher kommt die Farbe von Muttermilch? Hintergrund: Vom Fett kann es nicht sein, denn Kolostrum ist fettärmer aber deutlich farbiger. Was bedingt die initiale Brustdrüsenschwellung, der Lymphstau oder die venöse Kongestion oder beides? Kann die Produktion der Milchmenge während des Anlegens bei größeren Kindern auch die 70 Prozent überschreiten? Bis wann wirkt der Prolaktinreflex, wenn nicht gestillt wird?

Lisa Fehrenbach:

1. Farbe ist die Farbe der Eiweißbestandteile der Muttermilch, manchmal durch Lebensmittel, zum Beispiel Gatorade soll Muttermilch grün färben. 2. Beides, aber vor allem ungenügende Entleerung der Brust in den Tagen vor der initialen Brustdrüsenschwellung. Dadurch werden die Acini nicht genügend gedehnt und sind weniger durchgängig. Folge: siehe oben. 3. Das weiß ich leider auch nicht. 4. 14 Tage.

Frage von Waschbaer:

Ich bin schwanger, kann ich meine Brust auf das Stillen vorbereiten?

Grit Neisser:

Die Brustwarzen sind in der Schwangerschaft ebenfalls sehr empfindlich.Deshalb würde eine Vorbereitung der Brustwarzen (bürsten, wie früher empfohlen) eher eine erhöhte Verletzungsgefahr darstellen. Eine spezielle Vorbereitung in der Schwangerschaft wird deshalb nicht empfohlen.

Frage von Francesca:

Denken sie denn, dass es besser ist, das Kind "entscheiden" zu lassen, wann es nicht mehr will?

Lisa Fehrenbach:

Sie sind der Boss!

Frage von Sabine:

Waschbaer: Es gibt auch noch die La Leche Liga (www.lalecheliga.de), die Stillgruppen anbietet, auch hier unter dem Button Stillberaterinnen einfach nachschauen.

Grit Neisser:

Auf unserem Portal kindergesundheit-info.de befinden sich mehrere Links zu Stillgruppen und Verbänden, natürlich auch die La Leche Liga.

Frage von briege:

Ist die Mastopathie von Neugeborenen eine Schwellung des Bindegewebes?

Grit Neisser:

Die Schwellung der Brustdrüsen bei Säuglingen ist eine hormonbedingte Schwellung des Brustdrüsengewebes. Von einer Mastopathie würde man in diesem Zusammenhang nicht sprechen.

Frage von Chilli:

Hallo zusammen! Mich würde interessieren, ob eine stillende Mutter Umckaloabo nehmen darf. Ich habe nach Lesen des Beipackzettels abgeraten. Meditonsin wäre eine Alternative, aber nun habe ich gehört, dass das nicht empfehlenswert ist, wegen des Quecksilbers. Nun bin ich etwas verunsichert. Eine weitere Alternative sei Biotensin, welches ich nicht kenne. Gibt es dazu Empfehlungen? Vielen Dank.

Lisa Fehrenbach:

Diese Medikamente sind in der Stillzeit unbedenklich. Der einzige Einwand, der dagegen spricht, ist, dass sie alkoholisch sind. Ansonsten helfen bei Erkältung, mit Salzwasser oder Salbeitee gurgeln, mit Salzwasser inhalieren und heiße Fußbäder.

Frage von Waschbaer:

Stimmt es, dass man kein Knoblauch essen sollte, wenn man stillt?

Grit Neisser:

Zu Ernährung in der Stillzeit gibt es eigentlich keine Einschränkung. Knoblauch müssen sie ausprobieren. Manchmal schmeckt aber die Muttermilch etwas verändert, sodass es möglich ist, dass ihr Kind die Milch eher ablehnt. Aber ich kenne viele Frauen, die Knoblauch beim Kochen verwenden, und trotzdem stillen.

Frage von Waschbaer:

Ist es wirklich heute noch so, dass im Krankenhaus keine große Hilfe bei Stillproblemen anfangs zu erwarten ist und schnell zur Flasche gegriffen wird? Oder kann man das nicht so allgemein sagen? Ich habe mich unter anderem wegen dem für ein Geburtshaus entschieden!!!

Grit Neisser:

So allgemein kann man es nicht sagen. Ich würde Ihnen ein Babyfreundliches Krankenhaus empfehlen. Hier erhalten Sie von geschultem Personal Unterstützung. Die Adressen in Wohnortnähe finden sie unter WHO/UNICEF-Initiative "Babyfreundliches Krankenhaus" (BFHI) e.V. (www.babyfreundlich.org) . Die Initiative "Babyfreundliches Krankenhaus" (BFHI) e.V. informiert auf dieser Seite über die Initiative. In ihrem Elternportal wendet sie sich mit Themen rund um Geburt und Stillen insbesondere an werdende und junge Eltern. Ein Klinikverzeichnis mit Postleitzahlensuche und ein Veranstaltungskalender mit aktuellen Angeboten in Babyfreundlichen Krankenhäusern runden das Angebot ab.

Frage von Waschbaer:

Danke. Wie ich es mir dachte. Leider keines in meiner Nähe. Schade, dass es nur so wenige sind, und auch ziemlich erschreckend.

Grit Neisser:

Wir arbeiten dran.

Frage von Asienfan:

Warum sind die Empfehlungen zum Zeitpunkt des Einführens von Beikost so unterschiedlich von den einzelnen Gesellschaften definiert? Gibt es Studien, welche die Aussage dazu von der WHO noch unterstützen, und wenn ja, wo findet man diese??? Danke.

Lisa Fehrenbach:

Gerade aktuell ist diese Empfehlung vereinheitlicht worden. Die unterschiedlichen Angaben kamen daher, dass der Gesetzgeber wissenschaftlich fundierte Empfehlungen nicht umgesetzt hat und die Industrie natürlich verkaufen will. Mit Übergangsfrist bis Dezember 2009 muss dann auf allen Babynahrungsverpackungen stehen: In den ersten 6 Monaten am besten ausschließlich stillen, wenn das nicht möglich ist, eine Pre-, Pre-HA-Nahrung oder I-Nahrung füttern.

Moderator:

Zum Thema Beikost sehen Sie auch hier: www.kindergesundheit-info.de/2771.0.html, eine ausführliche Informationssammlung.

Frage von Waschbaer:

Sollte ich trotzdem, wenn ich stillen möchte, immer Ersatznahrung hier stehen haben?

Lisa Fehrenbach:

Besser nicht, jede Frau hat mal eine kleine oder große Stillkrise, und dann ist es erfahrungsgemäß besser, wenn die Flaschennahrung nicht in greifbarer Nähe ist. Zufüttern erst nach dem Gespräch mit Hebamme oder Stillberaterin.

Frage von Nadinej:

Hallo, im Zuge des Zahnens wollten meine Zwillinge nach 8 Monaten immer seltener gestillt werden, und es wirkte, als hätten sie sich dagegen gewehrt, vermutlich aufgrund der Schmerzen. Ich habe versucht einen Monat lang so häufig abzupumpen, wie möglich, um den Milchfluss aufrechtzuerhalten, mittlerweile ist die Milchmenge aber dennoch sehr zurückgegangen (15 ml). Wie oft muss man abpumpen, damit man nach dem Zahnen weiterstillen kann (sie sind so oft krank, seitdem sie nicht mehr gestillt werden)? Kann es sein, dass es im Zuge des Abstillens und der Hormonumstellung zu Muskelkrämpfen und extremer Steifheit bei der Mutter kommt? Vielen Dank.

Grit Neisser:

Um die Milchmenge zu steigern, empfehle ich alle zwei Stunden zu pumpen mit einem elektrischen Doppelpumpset, bis die Milchmenge deutlich gesteigert ist. Ich würde auch probieren, die Kinder wieder anzulegen. Dies ist der größte Reiz zur Milchbildung. Abstillen ist keine Ursache für Muskelkrämpfe oder Steifheit… Die Steigerung der Milchmenge bei 8 Monaten Stillzeit ist sicherlich schwierig zu erreichen. Nur mit extremem Einsatz zu erreichen. Vielleicht ist es in diesem Alter doch besser, den Kindern die noch vorhandene Muttermilch anzubieten und der Natur folgend die Zeit zu genießen ohne Druck... Magnesiummangel ist oft Grund für Muskelkrämpfe. Magnesium-Gabe kann das Problem lösen.

Frage von Manteiga:

Vielleicht hilft es anderen (werdenden) Müttern zu erfahren, dass ich 12 Monate lang problemlos gestillt habe. Das Abstillen hat sich über vier Monate hingezogen bis kurz vor den ersten Geburtstag meiner Tochter. Ich hatte keinen wirklichen Plan, was das Stillen betrifft, sondern habe eher nach Gefühl entschieden, ohne mich von anderen verrückt machen zu lassen. Meine Tochter war zufrieden und ich auch.

Frage von Test:

Mich würde interessieren, wie lange man die Jod-Prophylaxe fortsetzen muss. Gibt es eine Anzahl an Stillmahlzeiten, ab der man sagen kann, das ist nicht mehr nötig, oder wird bis zum kompletten Abstillen empfohlen, weiter einzunehmen? (Und wenn ja, in welcher Dosierung?)

Lisa Fehrenbach:

200 Mikrogramm täglich wird empfohlen. Da Deutschland ein Jodmangelgebiet ist, wird die Einnahme von Jod in der Stillzeit empfohlen.

Frage von Waschbaer:

Gibt man noch Tee oder Ähnliches, wenn man stillt? Sorry,ich bin wirklich noch nicht so gut informiert.

Lisa Fehrenbach:

Nein, man sollte während der Stillzeit keine anderen Flüssigkeiten dazugeben. Das beeinträchtigt die Stilldauer, das heißt, Babys, die Tee oder Glucose oder Wasser bekommen, stillen früher ab.

Frage von abc:

Noch eine Nachfrage zur Jodeinnahme: Die Einnahme soll also auch noch fortgesetzt werden, wenn nur eine Mahlzeit am Tag gestillt wird? Das kann ja noch sehr lange, eventuell Jahre, sein?

Lisa Fehrenbach:

Unter Umständen ist es sinnvoll, die Schilddrüsenwerte zu überprüfen. Ansonsten kann man nur hoffen, dass man über die Nahrung genug Jod aufnimmt. Das heißt, jodiertes Speisesalz und zweimal in der Woche Seefisch.

Frage von Waschbaer:

Dann brauche ich mir doch nicht mehr als eine Flasche für den Notfall anzuschaffen?

Grit Neisser

Wir denken, dass sie kein Notfall-Set benötigen. Wenn es Ihnen aber damit besser geht - stellen Sie Ihre Notfall-Flasche ganz weit nach hinten in den Schrank.

Frage von abc:

Das hat meine Frage leider noch nicht ganz beantwortet: Soll bei einer Stillmahlzeit am Tag weiterhin Jod eingenommen werden, ja oder nein?

Lisa Fehrenbach:

Wenn man über die Nahrung nicht genug Jod aufnimmt (siehe oben), wenn man eine Schilddrüsenunterfunktion hat, dann sollte man sogar außerhalb der Stillzeit Jodtabletten nehmen. Also auch bei einer Stillmahlzeit.

Moderator:

Neu eingehende Fragen können aktuell sofort durchgestellt werden!

Frage von Nadinej:

Ist es denn möglich, dass Kinder sich im Alter von neun Monaten allein abstillen möchten? Die beiden wehren sich so und ich habe Angst grenzüberschreitend zu sein, obwohl ich es gut für die Entwicklung meine. Durch was kann ich es den Kindern vielleicht leichter oder weniger schmerzhaft machen, an der Brust zu trinken (wegen der Zahnungsschmerzen beim Stillen).

Lisa Fehrenbach:

Entweder sie haben Zahnschmerzen oder sie ärgern sich, weil keine Milch mehr fließt. Ich würde sie nicht zwingen.

Moderator:

Hier kommen noch einige zentrale Botschaften/Informationen zum Thema: ·Muttermilch ist die beste Nahrung für Ihr Kind und versorgt es gleichzeitig mit wichtigen Schutz- und Abwehrstoffen. ·Stillen spart Arbeit, Zeit und Geld, macht unabhängig und wirkt sich auch auf die mütterliche Gesundheit positiv aus. ·Stillen Sie Ihr Kind nach Möglichkeit die ersten sechs Monate ausschließlich. Solange Sie und Ihr Baby zufrieden sind, gibt es kaum Gründe für ein vorzeitiges Abstillen. ·Anfangsschwierigkeiten beim Stillen sind normal und können durch Information und Beratung überwunden werden. Auch bei später auftretenden Stillproblemen oder Stress in der Familie können Sie bei Hebammen, Stillberaterinnen und in Stillgruppen Unterstützung und Hilfe finden. ·Bei Berufstätigkeit haben Sie nach dem Mutterschutzgesetz Anspruch auf Stillpausen und können Ihr Kind stillen. Botschaft für Väter / Partner: Unterstützen Sie Ihre Frau / Ihre Partnerin beim Stillen und haben Sie Verständnis, auch wenn nicht alles so glatt läuft. Über die Vorteile des Stillens können Sie sich informieren.

Lisa Fehrenbach:

Buchtipp: "STILLEN" von Márta Guóth-Gumberger und Elizabeth Hormann, GU Ratgeber Kinder, ISBN 978-3-8338-0405-2,
12,90 €

Frage von Nadinej:

Wie lange darf man sich denn eine Milchpumpe verordnen lassen? Der Kinderarzt äußerte sich kritisch aufgrund des Alters der Zwillinge (9 Monate).

Grit Neisser:

Es gibt keine zeitliche Begrenzung bei der Verordnung von Milchpumpen. Ihre Frauenärztin oder Hausärztin kann dies sicherlich rezeptieren.

Lisa Fehrenbach:

Buchtipp für Experten: "Stillberatung" von Marie Biancuzzo, Urban & Fischer, ISBN 3-437-27160-1.

Moderator

Vielen Dank für die Teilnahme und Ihre interessanten Fragen! Vielen Dank auch an unsere beiden Expertinnen. Möchten Sie noch ein kurzes Resümée ziehen oder den stillenden Müttern etwas mit auf den Weg geben?

Lisa Fehrenbach:

Vielen Dank und allen eine schöne Weltstillwoche!!!

Grit Neisser:

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Wir wünschen allen viel Geduld bei anfänglichen Schwierigkeiten, möglichst viele beantwortete Fragen und eine entspannte, schöne und glückliche Stillzeit.

Moderator:

Auch von meiner Seite aus nochmal vielen Dank! Ab dem morgigen Dienstag ist das Chatprotokoll auch unter dem Portal www.kindergesundheit-info.de nachzulesen. Hiermit ist der Expertenchat beendet.