Sogenannte Kinderkrankheiten sind auch heute noch eine Gefahr
Noch unsere Groß- und Urgroßeltern haben erlebt, dass Kinder an so genannten "harmlosen Kinderkrankheiten" schwer erkrankten, Folgeschäden zurückbehielten und nicht wenige sogar daran starben. Heute kennen Eltern viele Krankheiten nicht mehr aus eigenem Erleben und einige Erkrankungen, wie Kinderlähmung und Diphtherie, sowie auch deren Komplikationen, sind fast gänzlich aus dem Bewusstsein verschwunden. Selbst Masernerkrankungen haben viele Eltern nicht mehr bewusst erlebt.
Aus diesem Grund hat sich im Laufe der Zeit die Sichtweise verändert. Für einige Eltern steht nun nicht mehr die Vermeidung von Infektionsrisiken im Mittelpunkt, sondern die Auseinandersetzung mit möglichen Impfrisiken oder die Angst vor möglichen Impfnebenwirkungen.
Zudem gehen einige Eltern davon aus, dass Infektionskrankheiten mit den Mitteln der modernen Medizin einfach und schnell zu behandeln sind. Bei den meisten Infektionskrankheiten können jedoch nur die Symptome gelindert werden. Eine ursächliche Behandlung ist oft nicht möglich. Schwerwiegende Folgeerkrankungen, wie beispielsweise Mittelohr-, Lungen- oder Gehirnentzündungen als Folge von Masern, können deshalb auch nicht immer verhindert werden.
Manche Eltern stellen sich auch die Frage, warum sie ihre Kinder überhaupt gegen Erkrankungen impfen lassen sollen, die in Deutschland nur selten vorkommen. Viele Erkrankungen sind jedoch in anderen Teilen der Welt noch weit verbreitet. Je mehr Menschen bei uns ungeschützt sind, umso leichter können sie auch hier wieder eingeschleppt werden und sich ausbreiten.
Moderne Impfstoffe sind sicher und nebenwirkungsarm
Alle Impfstoffe werden vor ihrer Anwendung standardisiert und qualifiziert auf Wirksamkeit und Sicherheit geprüft. Sie unterliegen einer sehr sorgfältigen ständigen Überwachung durch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), einer unabhängigen staatlichen Behörde. Schwerwiegende Impfnebenwirkungen kommen deshalb nur noch sehr selten vor.
So waren die Pocken- und Tuberkuloseschutzimpfung in der Vergangenheit zusammen mit der Schluckimpfung gegen Kinderlähmung für 80 Prozent aller anerkannten Impfkomplikationen verantwortlich. Heute werden diese Impfungen überhaupt nicht mehr oder mit anderen Impfstoffen (Polio) durchgeführt.
Manche Eltern stehen Impfungen dennoch kritisch gegenüber. Gerade weil das Bewusstsein für die Gefährlichkeit mancher Infektionskrankheiten in den Hintergrund getreten ist, werden nun vermutete Impfrisiken mit Ängsten belegt. Es gibt derzeit keinen Hinweis auf vermutete Zusammenhänge zwischen Impfungen und bestimmten Erkrankungen, wie zum Beispiel Allergien, Autismus und Diabetes. Mögliche Zusammenhänge werden jedoch sorgfältig geprüft. Eltern können sicher sein, dass das Risiko schwerwiegender Folgeschäden durch Infektionskrankheiten ungleich höher ist als das sehr geringe Risiko einer Impfkomplikation.
Link-Tipps
- Infektionsschutzgesetz, Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen
- Schutzimpfungen, Heft 1 der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (PDF)
Auf dieser Seite des Bundesministeriums der Justiz können Sie das Infektionsschutzgesetz in der aktuellen Fassung lesen und als PDF- oder HTML-Version herunterladen. Es bildet die gesetzliche Grundlage für Impfungen sowie für weitere Maßnahmen zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten in Deutschland. (Recherchedatum: 25.11.2009)
Das RKI bietet auf dieser Seite das kostenlose Herunterladen des 20-seitigen Themenheftes "Schutzimpfungen" an. Das 2004 in überarbeiteter Neuauflage erschienene Heft informiert ausführliche über Nutzen, Wirkungsweise und Wirksamkeit von Schutzimpfungen. Die Organisation des Impfwesens sowie die Impfbereitschaft in Deutschland sind weitere Themenschwerpunkte. (Recherchedatum: 25.11.2009)

