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Nur drei bis fünf Prozent aller Eltern lehnen Impfungen generell ab
Drei bis fünf Prozent aller Eltern sind aus den verschiedensten Gründen nicht oder nur eingeschränkt bereit, ihre Kinder impfen zu lassen. Die Motive der Ablehnung sind sehr unterschiedlicher Natur, da sie fast immer in eine bestimmte Weltanschauung eingebettet sind. Religiöse Gruppierungen, einige Vertreter der Homöopathie oder einige Menschen mit anthroposophisch geprägtem Weltbild sind Beispiele hierfür. Nicht wenige Impfgegner begründen ihre Ablehnung auch mit Verschwörungstheorien, da sie hinter dem Impfgedanken ausschließlich wirtschaftliche Interessen vermuten.
Die zum Teil sehr massive Impfkritik ist einer sachlichen Auseinandersetzung häufig nicht zugänglich. Manchmal werden bewusst Falschinformationen verbreitet, die einer realistischen Betrachtung nicht standhalten und von Fachleuten leicht widerlegt werden können. Diese Falschinformationen führen dennoch zu Verunsicherung bei Eltern, da sie gerade durch die Möglichkeiten des Internets eine weite Verbreitung finden.
Deshalb ist es wichtig, dass sich Eltern umfassend informieren und die Risiken des Nichtimpfens sorgfältig abwägen. Nur so können sie die bestmögliche Entscheidung für ihr Kind treffen.
Vier Behauptungen von Impfgegnern
Impfgegner stützen ihre ablehnende Haltung auf verschiedene Ansichten und Einschätzungen, die meist weltanschaulich oder religiös bedingt sind. In erster Linie sind es vier Behauptungen, die von ihnen angeführt werden:
- Impfstoffe und deren Begleitstoffe verursachen Krankheiten, wie Autismus, Diabetes und Multiple Sklerose
- Impfungen behindern die Entwicklung der Kinder, da Erkrankungen einen notwendigen Anstoß hierzu geben
- Impfungen schützen nicht, da auch Geimpfte erkranken
- Infektionskrankheiten sind schon vor der Einführung von Impfungen verschwunden
Diese Behauptungen lassen sich jedoch mit einem Blick auf die tatsächlichen Gegebenheiten leicht entkräften.
Zusammenhänge zwischen Impfungen und dem Auftreten bestimmter Krankheiten konnten nicht bestätigt werden
Impfgegnern vermuten immer wieder Zusammenhänge zwischen Impfungen und dem Auftreten von Multipler Sklerose, Diabetes mellitus Typ 1 und Autismus. In vielen Studien, die sich mit diesen Fragestellungen befasst haben, konnten diese Zusammenhänge nicht bestätigt werden. Impfstoffhersteller sind dennoch bemüht, Impfstoffe weiter zu verbessern und vor allem die Zusätze (Begleitstoffe) zu minimieren. Dies ist nicht im Sinne einer Bestätigung der Gefährlichkeit zu verstehen, sondern als Beitrag, die Verunsicherung zu beenden.
Quecksilberverbindungen (Thiomersal), die der Konservierung von Impfstoffen dienen, sind ein Beispiel hierfür. Es ist bekannt, dass Quecksilberverbindungen in bestimmten Konzentrationen zu neurologischen Schäden führen können. Impfgegner haben nun die These aufgestellt, dass ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Autismus und Quecksilberverbindungen aus Impfstoffen besteht.
Alle europäischen und amerikanischen Studien kamen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass bei den üblichen Konzentrationen kein Zusammenhang möglich ist. Aus medizinischer Sicht besteht keine Notwendigkeit die Impfstoffe zu verändern. Trotzdem wurde empfohlen, Thiomersal aus Kinderimpfstoffen herauszunehmen. Hiermit sollte verhindert werden, dass Eltern ihre Kinder aus Unsicherheit nicht impfen lassen. Heutige Kinder-Impfstoffe enthalten deshalb keine Quecksilberverbindungen.
Schwere Erkrankungen belasten die kindliche Entwicklung
Häufig hört man von Impfgegnern die These, dass Erkrankungen bei Kindern bestimmte Reifungsschritte nach sich ziehen. Da Impfungen Krankheiten verhindern, werden diese als entwicklungshemmend betrachtet. Vor allem Menschen mit einem anthroposophisch geprägten Weltbild vertreten diese Haltung.
Zudem wird davon ausgegangen, dass Kinder, die in einer natürlichen Umgebung aufwachsen und eine optimale Ernährung erhalten, vor schwereren Erkrankungen geschützt sind. Teil dieser Haltung ist auch die Überzeugung, dass Krankheiten auf naturheilkundlicher Basis gut behandelt werden können und Folgeschäden kaum möglich sind.
Impfen - Was ist das eigentlich?
Am Beispiel der Masern zeigt sich allerdings, dass bei hochansteckenden Krankheiten auch das beste Immunsystem keinen Schutz bietet: Masern-Viren sind so ansteckend, dass ein Kontakt mit einem Masernkranken in 98 Prozent der Fälle, also fast immer, zu einer Infektion führt. Masern-Erkrankungen ziehen immer eine einige Wochen andauernde Schwächung des Abwehrsystems nach sich. In der Folge kommt es bei einem von 20 Kindern zu einer Lungenentzündung und bei einem von ein- bis zweitausend Kindern zu einer Gehirnentzündung. Dies hat für ein Viertel der betroffenen Kinder tödliche Folgen und führt bei einem weiteren Teil der Kinder zu bleibenden Schäden.
Fälschlicherweise wird angenommen, dass solchen Entwicklungen vor allem durch alternativ-medizinische Behandlungsmethoden vorgebeugt werden kann.
Richtig ist, dass die meisten Infektionskrankheiten nicht ursächlich behandelt, sondern nur die Symptome gelindert werden können. Bestimmte Folgeerkrankungen können deshalb auch nicht immer verhindert werden.
Das Risiko ungeimpfter Kinder, auch langfristig an möglichen Folgen einer Masern-Infektion zu leiden, sollte also sorgfältig gegen die Idee möglicher Reifungsschritte abgewogen werden. Kinder müssen sich in ihren ersten Lebensjahren mit vielen Krankheitserregern auseinandersetzen und Entwicklungsschritte werden so sicher in ausreichendem Maß angestoßen. Gerade mit Eintritt in den Kindergarten machen Kinder häufig leichtere Erkrankungen, wie grippale Infekte und Ohrenentzündungen, durch. Sie müssen nicht auch noch mit wirklich gefährlichen Erkrankungen belastet werden.
Nur ein geringer Anteil geimpfter Menschen entwickelt keinen Impfschutz
Etwas mehr als fünf Prozent aller Menschen reagieren auf eine Impfung nicht mit einer ausreichenden Antikörperbildung und entwickeln deshalb keinen Impfschutz. Dies kann verschiedene Ursachen haben. Beispielsweise können Fehler bei der Lagerhaltung oder dem Transport zu einer verringerten Qualität der Impfstoffe führen. Ebenso können einige Erkrankungen, beispielsweise eine Immunschwäche, eine ausreichende Immunantwort verhindern. Deshalb kommt es immer wieder vor, dass auch geimpfte Menschen erkranken. Hieraus zu schließen, dass Impfungen generell wirkungslos wären, ist falsch. Impfgegner nutzen dies trotzdem immer wieder, um eine vermeintliche Wirkungslosigkeit von Impfungen zu belegen.
Ein Zahlenbeispiel mag dies verdeutlichen:
Von 1000 Menschen, die niemals an Masern erkrankt waren, lassen sich 995 zweimal gegen Masern impfen. Diese zweimalige Impfung führt bei 99 Prozent zu einem sicheren Impfschutz. Nur bei einem Prozent entwickelt sich kein Impfschutz, das heißt zehn Menschen wären trotz einer Impfung nicht geschützt. Würde man nun alle 1000 Menschen einer Infektion aussetzen, würden sich fünf Ungeimpfte und zehn Geimpfte, bei denen sich kein Impfschutz entwickelt hat, also insgesamt 15 Menschen, infizieren.
Impfgegner würden nun die Behauptung aufstellen, dass fast zwei Drittel der Erkrankten geimpft waren. Das stimmt insofern, als dass zehn von 15 Erkrankten tatsächlich geimpft waren. Ein richtiger Sinnzusammenhang ergibt sich aber erst, wenn gesagt wird: 100 Prozent der ungeimpften und ein Prozent der geimpften Menschen sind an Masern erkrankt.
Viele schwere Infektionskrankheiten können erst seit der Einführung von Impfungen verhindert werden
Eine häufig aufgestellte Behauptung von Impfgegnern ist, dass Infektionskrankheiten schon vor der Einführung von Impfungen zurückgegangen sind. Die Ursache hierfür sei vor allem eine verbesserte Hygiene.
Hygienische Zustände spielen bei der Übertragung einiger Infektionskrankheiten eine große Rolle. Hepatitis A, eine übertragbare Leberentzündung, die hauptsächlich durch verunreinigtes Trinkwasser und verseuchte Lebensmittel übertragen wird, ist ein Beispiel hierfür. Verbesserte hygienische Umstände haben in diesem Fall zu einem Rückgang der in Deutschland erworbenen Infektionen geführt. Die Übertragung anderer Erkrankungen, wie Masern, Mumps oder Keuchhusten ist jedoch auch mit sorgfältigsten hygienischen Maßnahmen kaum zu verhindern.
Homöopathie und Impfungen sind vereinbar
Die Homöopathie, die Anfang des 19. Jahrhunderts von Samuel Hahnemann begründet wurde, ist in Deutschland fester Bestandteil alternativer Behandlungsmethoden. Nicht wenige impfkritisch eingestellte Eltern lehnen Impfungen mit dem Hinweis auf die Unvereinbarkeit von Homöopathie und Impfungen ab. Eine Befragung ärztlicher Homöopathen zeigte jedoch, dass selbst bei den homöopathischen Ärzten nur knapp ein Viertel Impfungen generell ablehnt.
Auch Samuel Hahnemann wird fälschlicherweise immer wieder mit einer grundsätzlichen Impfkritik in Zusammenhang gebracht. Folgendes Zitat aus dem Jahr 1925 zeigt, dass dies nicht richtig ist: "Was haben die schändlichen Gegenschriften der Kuhpockenimpfung geschadet? Nichts, gar nichts! Sie haben mehr dazu gedient, ihre Vortrefflichkeit desto gründlicher zu untersuchen und einzusehen" (P. Lehrke, Impfkonzepte in der Homöopathie. 1998).
Tatsächlich geht die Impfkritik auf einen Schüler Hahnemanns, Constantin Hering (1800-1880), zurück und bezog sich auf die Pockenschutzimpfung, bei welcher in den Anfängen ihrer Entwicklung häufig starke Nebenwirkungen auftraten. Die ablehnende Haltung war auch in der Idee begründet, Impfstoffe homöopathisch herzustellen beziehungsweise Erkrankte homöopathisch zu behandeln.
Stellungnahme des Zentralvereins Homöopathischer Ärzte
Der Zentralverein homöopathischer Ärzte warnt in einer Stellungnahme vom 1. Oktober 2001 ausdrücklich davor, "eine notwendige Impfung durch die Einnahme homöopathischer Medikamente" zu ersetzen. Ebenso deutlich wird darauf hingewiesen, dass es keine "homöopathischen Impfungen" gibt und "kein homöopathisches Mittel in der Lage ist, eine nachweisbare Immunisierung hervorzurufen".
Auch entspricht das Verfahren der Impfung dem Lehrgebäude der Homöopathie: Gleichem mit Gleichem zu begegnen
Impfgegner mit religiösen Motiven
Einige religiöse Glaubensgemeinschaften, zum Beispiel die Old Amish People, die Hutterer, die Rosenkreuzer sowie einzelne buddhistische und muslimische Gruppen sind strikte Impfgegner beziehungsweise stehen Impfungen sehr kritisch gegenüber.
Gemeinschaften mit christlichem Hintergrund, stellvertretend für viele andere hier die Old Amish People, richten ihr Leben gemäß einer strikten Bibelauslegung aus. Sie lehnen jeden Eingriff in eine göttliche Weltordnung ab und betrachten Krankheit als eine göttliche Strafe. Beides ist nicht mit der Zielsetzung von Impfungen, Krankheiten vorbeugend zu verhindern, vereinbar. Der Begriff der sozialen Verantwortung, der in diesen Gemeinschaften in der Regel einen hohen Wert hat, wird hier mit mittelalterlichen Werthaltungen verknüpft. So steht der Sorge um die Gemeinschaft der Eingriff in die göttliche Weltordnung entgegen. Krankheiten dürfen nur eingeschränkt behandelt werden, weil sie Ausdruck individueller Schuld sind. Diese Strafe muss angenommen werden und kann nur im Dialog mit Gott aufgelöst werden.
Die Folgen, die eine Masernepidemie in einer ungeimpften Gemeinde nach sich ziehen kann, zeigt ein Masernausbruch, der sich 1999 im so genannten Bible Belt in den Niederlanden ereignete. 3000 Menschen erkrankten, bei 17 Prozent hiervon kam es zu Komplikationen wie Gehirnentzündungen, Lungenentzündungen oder Mittelohrentzündungen.
Für betroffene Eltern ist es sicher schwierig, den Widerspruch zwischen ihren religiösen Pflichten und ihrer elterlichen Sorge aufzulösen. Dieser Konflikt könnte möglicherweise entschärft werden, wenn die Entscheidung für oder gegen Impfungen jedem Gläubigen selbst überlassen bliebe.
Link-Tipps
- Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte
- Pro und Contra Impfungen
Auf der Internetseite des Zentralvereins Homöopathischer Ärzte wird unter der Rubrik Information umfassend rund um das Thema Homöopathie informiert. Unter dem Stichwort Patientenratgeber finden Sie auch die Stellungnahme des Zentralvereins zum Thema Impfen.(Recherchedatum: 20.11.2009)
Die Seite des RKI gibt ein Interview mit Frau Dr. Meyer vom Robert-Koch-Institut wieder, das im März 2002 von der Stiftung Kindergesundheit mit ihr geführt wurde. Sie beantwortet darin Fragen zu den empfohlenen Schutzimpfungen: Themen sind beispielsweise der Schutz durch Stillen, Mehrfachimpfstoffe, Impfreaktionen und Kontraindikationen. Weiterhin werden Fragen speziell zur Masern-, Mumps-, Rötelimpfung, zur Keuchhustenimpfung und zu Hepatitis B beantwortet. (Recherchedatum: 26.11.2009)

