Ernährung im 1. Lebensjahr

Häufige Probleme beim Stillen

Auch wenn Stillen die natürlichste Sache der Welt ist - manchmal scheint es einfach nicht zu klappen. Doch Stillprobleme können meist mit einfachen Mitteln vermieden oder behoben werden.

Bei Stillbeginn ist Geduld gefragt

Stillen ist eine ganz natürliche Sache. Der Körper der Mutter ist durch das Hormonsystem bestens hierauf vorbereitet. Doch Aufregung und Unsicherheit genügen schon, um die Natur etwas durcheinanderzubringen, so dass es bei einigen Müttern nicht gleich auf Anhieb mit dem Stillen klappt. Auch kann eine Behinderung des Säuglings Probleme beim Stillen bereiten. Lassen Sie sich nicht gleich entmutigen, denn meist braucht es nur etwas Geduld und Unterstützung durch Ihre Hebamme oder Stillberaterin.

Wenn die Milch einschießt

Nach der Vormilch (Kolostrum) folgt meist zwischen dem zweiten und vierten Tag die so genannte Übergangsmilch. Das Einschießen dieser Milch macht sich oft mit einem Spannen in der Brust bemerkbar. Jetzt hilft das häufige Anlegen des Babys, was außerdem einem Milchstau vorbeugt. Sollte der Druck sehr groß sein, fragen Sie in der Klinik oder Ihre Hebamme um Rat. Gute Empfehlungen sind warme, feuchte Umschläge vor dem Anlegen, eine warme Dusche oder das Herausdrücken von etwas Milch mit der Hand.

Wunde Brustwarzen

Es ist normal, wenn die Brustwarzen in den ersten Tagen etwas wehtun. Die empfindliche Haut muss sich erst an die Beanspruchung gewöhnen. Wunde Brustwarzen können dagegen sehr schmerzhaft sein und nicht selten sind sie der Grund, weshalb Mütter viel zu früh abstillen.

Häufig liegen die Ursachen für wunde Brustwarzen in der Stillhaltung oder in der Stilltechnik. Deshalb ist es wichtig, dass sich Mütter gleich zu Beginn von der Hebamme oder Stillberaterin zeigen lassen, wie sie ihr Kind in verschiedenen Positionen richtig anlegen. So kann beispielsweise eine angespannte, unbequeme Haltung beim Stillen dazu führen, dass nicht genügend Milch fließt und das Baby ungeduldig an der Brustwarze zerrt. Auch eine falsche Lagerung des Kindes kann wunde Brustwarzen begünstigen. Die häufigste Ursache für wunde Brustwarzen ist das Ansaugen an der Brust, bei dem das Kind nur die Brustwarze statt den gesamten Vorhof einsaugt und daran zieht.

Überprüfen Sie Ihre Stillhaltung und die Saugtechnik Ihres Babys und lassen Sie sich gegebenenfalls helfen. Achten Sie vor allem auf die Lage Ihres Babys an der Brust. Mögliche Anlegefehler können sein:

  • das Kind hat nicht mit dem ganzen Körper Kontakt zu Ihnen,
  • der Kopf ist gedreht,
  • der Mund ist beim Anlegen nicht weit genug geöffnet,
  • das Kind hat nicht genug vom Brustwarzenvorhof erfasst,
  • das Kind ist in eine andere Lage gerutscht und die Stillposition ist nicht mehr entspannt.

Bis zur Besserung sollten Sie Ihr Kind pro Seite nur jeweils kurz, dafür aber häufiger anlegen. Lassen Sie Milchreste und Speichel des Babys gut an der Brust antrocknen. Zu Hause sollten Sie öfter einmal Luft an die Brust lassen. Bei kleinen Rissen helfen pflanzliche Salben und täglich mehrmaliges Baden der Brust in einer Tasse Salbeitee. Sollte kein Mittel wirken, sollten Sie ärztlichen Rat suchen. Manchmal liegt eine Pilzerkrankung (Soor) vor, die sich zwischen Brust und Baby wechselweise überträgt.

Milchstau

Wenn sich in den Milchgängen zu viel Milch befindet, spannt und schmerzt die Brust. Das Baby kann sie dann nur schwer absaugen. Manchmal spielt Stress Müttern diesen Streich. Nehmen Sie sich bei Milchstau vor allem Zeit und Ruhe mit Ihrem Baby. Legen Sie es öfter (ca. alle 1,5 bis 2 Stunden), aber nur kurz an und probieren Sie verschiedene Stillpositionen aus.

Schmerzt das Anlegen trotzdem sehr, sollten Sie die Brust nach dem Stillen etwa 20 Minuten lang kühlen. Geeignet sind kühle Umschläge, aber auch frische Weißkohlblätter aus dem Kühlschrank,Tiefkühlerbsen im Beutel oder kalter Quark, den Sie auf ein Tuch oder auf Folie streichen, damit er nicht die Haut berührt. Was meist gut hilft: Mit der Hand die Brust ausstreichen oder die Milch mit einer guten Pumpe abpumpen. Wichtig ist, dass alle Bewegungen vorsichtig, ohne reiben oder quetschen durchgeführt werden. So wird vermieden, dass das empfindliche Brustgewebe Schaden nimmt. Folgende Maßnahmen sind ebenfalls hilfreich bei Milchstau:

  • Machen Sie vor dem Stillen fünf Minuten lang feuchte Wärmewickel. Bewährt haben sich unter anderem warme, kurz abgekochte Kohlblätter.
  • Auch eine warme Dusche oder ein Brustbad können die Milch zum Fließen bringen.
  • Mit der Hand die Brust ausstreichen oder die Milch mit einer guten Pumpe abpumpen helfen eigentlich immer.

Wenn Sie weiterhin beunruhigt sind, sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.

"So geht das Ausstreichen"

Grafische Darstellung des Ausstreichens
  • Zur Vorbereitung können Sie das Brustgewebe durch feuchte Wärme und eine sanfte Massage lockern.
  • Zum Ausstreichen umfassen Sie die Brust mit Daumen sowie Zeige- und Mittelfinger in Form eines "C" (sogenannter C-Griff). Der Daumen liegt dabei oberhalb, die anderen Finger unterhalb des Warzenhofs. Der Abstand zur Brustwarze beträgt jeweils etwa drei Zentimeter.
  • Heben Sie die Brust leicht an und drücken Sie Daumen und Finger mit sanftem Druck in Richtung Brustkorb.
  • Führen Sie jetzt Daumen und Finger mit leichtem Druck gleichzeitig in Richtung Brustwarze zusammen, so dass sich der Warzenhof zusammenschiebt, ohne dass die Finger dabei über die Haut rutschen.
  • Lassen Sie dann locker und bringen Sie Daumen und Finger wieder in die Ausgangsposition. Wiederholen Sie den Vorgang rhythmisch, bis keine Milch mehr kommt.

Das Brustgewebe bitte nicht zusammenkneifen und nicht an der Brustwarze ziehen.
Wichtig ist, dass Sie den Hautkontakt während des Ausmassierens nicht lösen, sondern mit Daumen und Zeigefinger nach vorn rollen. Auf diese Weise üben Sie sanften Druck auf die Milchkammern aus, damit sie sich entleeren. Die Brust mit beiden Händen auszustreichen, ist nicht empfehlenswert. Es ist oft zu schmerzhaft. Am besten ist es natürlich, sich diese Methode von der Hebamme oder einer Stillberaterin zeigen zu lassen.

Brustentzündung (Mastitis)

Eine Brustentzündung entsteht meist in Verbindung mit einem Milchstau. Ursache sind Bakterien, die sich in der gestauten, körperwarmen Milch rasch vermehren. Die Beschwerden bei einer Brustentzündung sind ähnlich wie beim Milchstau, aber es können hohes Fieber, rote harte Stellen, starke Schmerzen und Grippegefühl dazukommen. Bei leichten Symptomen und wenn nur eine Brust betroffen ist, helfen meist die Mittel zur Behandlung des Milchstaus.

  • Stillen Sie Ihr Baby an der gesunden Seite weiter; die Milch der kranken Brust sollten Sie abpumpen.
  • Wenn nach 24 Stunden keine Besserung eintritt oder auch die zweite Brust betroffen ist, dann müssen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin aufsuchen und erhalten gegebenenfalls ein Antibiotikum.

Keine Sorge: Antibiotika können heute so auf die Stillzeit abgestimmt werden, dass Sie weiterstillen können.

Wenn das Kind behindert ist

Eine körperliche Beeinträchtigung oder eine Entwicklungsverzögerung bedeutet nicht, dass Ihr Kind nicht gestillt werden kann. Einige Kinder brauchen jedoch länger, bis sie selbständig saugen können und ausreichend Milch trinken. Hier können Hebammen und Stillberaterinnen, aber auch Selbsthilfegruppen Rat geben und Ihnen dabei helfen, die richtige Entscheidung zu treffen. Es ist wichtig, dies ohne falschen Ehrgeiz und in Ruhe anzugehen.

Manche Säuglinge sind aufgrund motorischer Einschränkungen, zum Beispiel wegen einer Spastik, nicht in der Lage, an der Brust zu saugen. Manchmal können Hilfsmittel das Stillen erleichtern. Bei Schluckstörungen kann eine dünne Sonde nötig sein, über die Muttermilch gegeben werden kann. So kann nach einer Übergangszeit das Stillen möglich sein.Auch eine sogenannte geistige Behinderung kann dazu führen, dass das Baby auf Dauer nicht stark genug saugt. In diesem Fall ist es für das Kind einfacher, Flaschennahrung zu sich zu nehmen. Doch auch ein "Flaschenkind" wird ausreichend und gut versorgt. Entscheidend ist, dass Ihr Kind Nähe und Zuwendung spürt und sich angenommen fühlt.

Wenn die Nerven blank liegen

Selbst bei bestem Willen können nervliche Belastung und Stresshormone das Stillen durcheinanderbringen. Sie merken es daran, dass die Milchbildung aus dem Rhythmus geraten ist, das Baby unruhig ist, vielleicht hastig saugt oder öfter schreit. Sie sind genervt und wissen nur, irgendetwas stimmt nicht.

Die anfänglichen Belastungen, die ungewohnten Aufgaben und die Müdigkeit steckt niemand einfach so weg. Das ist normal. Fast alle Babys kommen jedoch mit dem normalen Alltagsstress ganz gut zurecht. Innere Konflikte oder ein mehr oder weniger spürbares Gefühl des Unbehagens können dagegen die Stillbeziehung beeinträchtigen.

Manchen Ursachen kommen Sie bereits auf die Spur, wenn Sie sich einfach einmal fragen, wie es beim Stillen zugeht:

  • Suchen Sie beim Stillen Ablenkung wie Telefonieren, Fernsehen, im Internet Surfen oder Lesen?
  • Liegt Ihr Kind richtig?
  • Schauen Sie Ihr Kind an?
  • Sind Sie unter Zeitdruck?
  • Fühlen Sie sich unter Leistungsdruck?

Mancher Zwiespalt ist einem gar nicht bewusst. So kann zum Beispiel die Abhängigkeit - vom Baby oder vom Partner - als belastend empfunden werden; oder das Schwinden von Berufsaussichten, die einem wichtig waren. Manche Mütter stellen auch einfach zu hohe Ansprüche an sich, wollen eine "Supermutter" sein. Im Alltag erkennen sie nun, dass sie hoffnungslos einem unerreichbaren Ideal hinterherjagen und manche romantische Vorstellung vom Stillen auf der Strecke bleibt.

Auch solche Gedanken sind normal und verständlich, sollten aber ernst genommen werden. Versuchen Sie mit Ihrem Partner über Ihr Unbehagen zu sprechen und gemeinsam nach Ursachen und Lösungen zu suchen. Wenn Sie zum Beispiel das Gefühl haben, Ihnen wächst alles über den Kopf, lässt sich überlegen, ob die Aufgaben im Haushalt vielleicht anders verteilt werden können, vorübergehend eine Haushaltshilfe möglich ist oder die eine oder andere Hausarbeit auch mal liegen bleiben kann. Der Austausch mit stillerfahrenen Frauen kann ebenfalls sehr hilfreich sein. Auf jeden Fall sollten Sie versuchen, sich möglichst nicht in Stress bringen zu lassen und Ihr Baby öfter, aber in Ruhe anzulegen, damit sich die Milchbildung wieder einspielt.

Einnahme von Medikamenten

Die Einnahme von Medikamenten während der Stillzeit bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine Stillpause eingelegt oder gar vorzeitig abgestillt werden muss. Falls Sie in der Stillzeit krank werden, sollten Sie in der Arztpraxis unbedingt darauf hinweisen, dass Sie stillen. Die meisten Medikamente gehen in die Muttermilch über und je nach Art des Medikaments kann dies gesundheitliche Folgen für das Baby haben. Risiko und Nutzen für Mutter und Kind müssen hier ärztlich immer sorgfältig abgewogen werden. Kurzfristige Einnahmen von Medikamenten lassen sich manchmal nicht vermeiden und für viele Erkrankungen und Beschwerden gibt es Arzneimittel, die nach heutigem Wissen dem Säugling nicht schaden.

Wann immer es möglich ist, sollte jedoch auch eine nichtmedikamentöse Behandlung in Erwägung gezogen werden. So helfen zum Beispiel bei grippalen Infekten häufig bereits Inhalationen, reichliches Trinken, Umschläge usw. Auf keinen Fall sollten Sie in der Stillzeit ohne ärztliche Rücksprache Medikamente einnehmen oder Dosierungen eigenmächtig erhöhen. Wenn Sie während einer medikamentösen Behandlung nicht stillen dürfen, können Sie die Milch in dieser Zeit abpumpen und wegschütten. Als Ersatz kann eine Flaschennahrung eingesetzt werden.

Stillen und Rauchen

Wenn Sie mit dem Rauchen aufhören, geben Sie Ihrem Kind den besten Start ins Leben. Das gilt nicht nur für die Schwangerschaft, sondern auch für die Stillzeit und darüber hinaus.Passivrauchen erhöht eine Reihe gesundheitlicher Risiken für Ihr Kind. So erhöht Tabakqualm zum Beispiel entscheidend das Risiko für den Plötzlichen Säuglingstod. Passivrauchende Kinder leiden beispielsweise auch häufiger an asthmatischen und allergischen Erkrankungen.

Während der Stillzeit treten die schädlichen Inhaltsstoffe der Zigarette, wie zum Beispiel Nikotin, sehr rasch in die Muttermilch über und werden in hoher Dosis von dem Säugling aufgenommen. Doch auch die Zusammensetzung und Menge der Muttermilch können durch mütterliches Rauchen beeinträchtigt werden.
Wenn es mit einem völligen Rauchstopp jedoch nicht gleich klappt, sollten Sie dennoch versuchen, Ihr Kind möglichst lange ausschließlich zu stillen, denn Stillen ist für die gesamte Entwicklung eines Kindes von großer Bedeutung. Versuchen Sie, während der Stillzeit zumindest weniger und mindestens eine Stunde vor dem Stillen bewusst nicht zu rauchen. Hierdurch können Sie die Belastung der Muttermilch mit einigen der schädlichen Stoffe wenigstens verringern. Und: Nie in der Nähe des Kindes rauchen!

Beratung hilft

Damit Sie Ihr Baby möglichst lange stillen können und es Ihnen und Ihrem Baby gut geht, sollten Sie sich bei Fragen zum Stillen oder bei Stillproblemen rechtzeitig und jederzeit Unterstützung suchen.

Rat und Hilfe finden Sie bei Hebammen, Stillberaterinnen oder stillerfahrenen Müttern. Auch die Teilnahme an einer Stillgruppe bietet die Möglichkeit, Informationen und wichtige Alltagstipps zu erhalten. Adressen in Ihrer Nähe können Sie in der kinderärztlichen Praxis, von der Krankenkasse, in Ihrer Geburtsklinik oder auch übers Internet erfahren. Auch Familienberatungsstellen, Kirchengemeinden oder Wohlfahrtsverbände können gegebenenfalls weiterhelfen.

Ihr Recht - Nachbetreuung durch Ihre Hebamme

Die Hebamme berät Sie bei Still- und Pflegefragen, schaut nach Ihrem körperlichen Befinden, nach Ihrem Baby und hilft Ihnen mit ihrer Erfahrung, sich mit Ihrem Baby einzurichten.

  • In den ersten zehn Tagen nach der Geburt kann die Hebamme Sie im Rahmen der Wochenbettbetreuung einmal, bei schwerwiegenden Problemen auch zweimal am Tag besuchen.
  • Bis zum Ablauf von acht Wochen nach der Geburt haben Sie - wenn auch nicht mehr täglich - weiterhin Anspruch auf Hebammenhilfe. Wenn Sie darüber hinausgehende Beratung und Hilfe durch die Hebamme benötigen, kann Ihnen Ihr Kinderarzt oder Ihre Kinderärztin ein Rezept dafür ausstellen.
  • Auch nach diesen acht Wochen kann Sie die Hebamme bei Stillschwierigkeiten beraten, solange Sie stillen. Wenn Sie nicht mehr stillen, können Sie die Hebamme bis zum Ende des neunten Lebensmonats in Anspruch nehmen.. Die Beratung kann persönlich oder telefonisch (jeweils höchstens viermal) erfolgen. Die Kosten für diese Leistungen übernimmt Ihre Krankenkasse.

Lexikon

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