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Jugendliche Nachteulen: Schlaf im Jugendalter
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Erwachsenwerden macht müde: der Schlafbedarf von Jugendlichen
Je älter Kinder werden, umso weniger Schlaf benötigen sie. Dies gilt jedoch nur bis ungefähr zum Ende des zehnten Lebensjahres. Denn neueren Studien zufolge verringert sich der Schlafbedarf während der Jugendphase nur noch geringfügig gegenüber dem eines zehn-, elfjährigen Kindes. So brauchen Heranwachsende im Alter von zwölf bis 18 Jahren durchschnittlich etwa neuneinhalb Stunden Schlaf, während Erwachsene im Durchschnitt mit etwa acht Stunden auskommen. Zwar unterscheidet sich auch im Jugendalter noch der persönliche Schlafbedarf, doch mindestens achteinhalb Stunden Nachtschlaf halten Experten für wünschenswert.
Dass der Schlafbedarf auch im Jugendalter noch recht hoch ist, wird in erster Linie auf die enormen Wachstums- und Veränderungsprozesse zurückgeführt, die während der Pubertät stattfinden. Doch die meisten Jugendlichen schlafen während der Woche deutlich weniger als sie brauchen. Bei US-Teenagern sind es einer Studie zufolge durchschnittlich siebeneinhalb Stunden pro Nacht, und in Deutschland dürfte die Situation ähnlich sein. Kein Wunder also, dass viele Jugendliche von chronischer Müdigkeit geplagt sind.
Nachts erst richtig fit: Verzögerung der Schlafphase im Jugendalter
Die meisten Jugendlichen neigen dazu, bis spät in die Nacht aufzubleiben und dafür morgens länger zu schlafen. Spätes Aufstehen ist aber - zumindest während der Woche - kaum möglich. So wundert es denn auch nicht, dass Jugendliche während der Woche meist zu wenig Schlaf bekommen und dafür am Wochenende am liebsten den Tag im Bett verbringen würden.
Schlafforschern zufolge ist diese Verzögerung der Schlafphase die bedeutendste Veränderung des Schlafverhaltens im Jugendalter. Sie wird vor allem durch die sich verändernden Lebensstile, Anforderungen und Bedürfnisse im Jugendalter erklärt. Schlafforschern zufolge finden in diesem Alter jedoch auch Reifeveränderungen der Schlaf-Wach-Regulation und Veränderungen des biologischen Schlafprozesses statt, welche die alterstypischen abendlichen Aktivitäten erleichtern.
So deuten Forschungen beispielsweise darauf hin, dass sich die innere Uhr, welche den biologischen Tag-Nacht-Rhythmus des Einzelnen bestimmt, während der Pubertät sozusagen nach hinten verschiebt. Es wurde unter anderem festgestellt, dass der Ausstoß des "Schlafhormons" Melatonin bei Jugendlichen abends später einsetzt als im vorpubertären Alter und morgens auch entsprechend später aufhört. Wenn um sieben Uhr oder früher der Wecker klingelt, sind Jugendliche also noch vollständig "auf Schlaf gepolt", und erst gegen neun Uhr werden sie so langsam leistungsfähig. Der in Deutschland typische Schulalltag mit seinem frühen Schulbeginn lässt sich somit kaum mit der inneren Uhr der Jugendlichen in Einklang bringen. Deshalb befürworten mittlerweile viele deutsche Schlafforscher und Bildungsexperten, den Schulbeginn für diese Altergruppe nach hinten zu verschieben.
Der Schlaf muss warten: "Nachtleben" als Schritt zum Erwachsenwerden
In den entwicklungs- und alterstypischen Lebensweisen der Jugendlichen nehmen abendliche Aktivitäten einen besonderen Stellenwert ein. Sich mit Gleichaltrigen treffen, in die Disco, ins Kino oder auf Partys gehen sind wesentliche Erfahrungen im sozialen Leben der Heranwachsenden, und ein Großteil davon spielt sich in den Stunden um Mitternacht herum ab. Kein Wunder, dass da der Schlaf manchmal zu kurz kommt.
Aber diese Aktivitäten sind wichtige Schritte auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Sie bieten den Jugendlichen Gelegenheit sich auszuprobieren, Vorstellungen von sich selbst zu entwickeln, Beziehungen - auch sexueller Art - zu knüpfen und ihren Platz in der Gruppe finden. Und nicht zuletzt sind diese Unternehmungen auch Teil der notwendigen Ablösung vom Elternhaus.
Wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter ständig müde ist, sollte das Problem also nicht durch ein grundsätzliches Ausgehverbot gelöst werden. Hierdurch würden Ihrem Kind viele Erfahrungen entgehen, die für seine Entwicklung wichtig sind. Vielmehr sollten Sie versuchen, gemeinsam zu vernünftigen Kompromissen zwischen "Nachtleben" und "Nachtschlaf" zu finden.
"Rhythmus ist das halbe Leben" – auch im Jugendalter
Schlafmangel ist oft nicht die einzige Ursache, die Jugendliche müde und unausgeglichen sein lässt. Ein weiteres Problem kann ein unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus sein, der typisch ist für das Jugendalter: Einmal um 22 Uhr ins Bett und einmal erst um zwei Uhr morgens, wochentags um sieben Uhr aufstehen und am Wochenende ausschlafen bis zum Mittagessen. Ein regelmäßiger Rhythmus fördert auch im Jugendalter Wohlbefinden sowie geistige und körperliche Leistungsfähigkeit. Ein unregelmäßiger Rhythmus hingegen kann für den Körper Stress bedeuten. So reagieren viele Jugendliche, wenn sie zu wenig oder zu unregelmäßig Schlaf bekommen, häufig mit Stresssymptomen. Sie sind zum Beispiel schlecht gelaunt, aggressiv oder niedergeschlagen, was Eltern nicht selten als typische Anzeichen der Pubertät deuten.
Zumindest während der Woche sollte deshalb auf möglichst regelmäßige Schlafenszeiten geachtet werden. Außerdem sollte auch das beliebte Ausschlafen am Wochenende begrenzt werden, weil sonst – im wahrsten Sinne des Wortes – alles aus dem Rhythmus gerät.
Link-Tipps
- Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM)
- Eltern im Netz
Die Seite der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin DGSM bietet in der Rubrik "Ratgeber" einen umfassenden Patientenratgeber. Neben grundlegenden Informationen rund um die Themen Schlaf und Schlafstörungen finden Sie hier auch spezielle Informationen und Empfehlungen zum Schlaf und den häufigsten Schlafproblemen von Kindern und Jugendlichen. Unter "Schlaflabore" findet man die Liste aller akkreditierten Schlaflabore in Deutschland. (Recherchedatum: 20.11.2009)
An Eltern gerichtetes Internetangebot des Bayerischen Landesjugendamtes mit vielen Informationen zur Entwicklung von Kindern in verschiedenen Altersstufen, zu Erziehungsfragen und zum Familienleben. (Recherchedatum: 20.11.2009)

