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Signale aus der Nacht: Schlafprobleme im Kindes- und Jugendalter
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Seit über einem Jahr schreckt Timo mehrmals pro Nacht in seinem Bett auf - manchmal stündlich, manchmal sogar mehrmals pro Stunde. Er schreit laut, stößt mit dem Kopf gegen den Bettrahmen, steht manchmal auf, irrt in der Wohnung umher, und es kann sogar passieren, dass er die Bilder von der Wand reißt. Spätestens seit er einmal das Fenster geöffnet hat, um hinauszusteigen, traut sich seine Mutter kaum mehr, ein Auge zu schließen, aus Angst, er könnte sich bei diesen nächtlichen Ausflügen verletzen. Timo selbst erinnert sich am nächsten Morgen an gar nichts.
Mutter und Sohn waren zusammen bei verschiedenen Ärzten. "Pavor nocturnus - der Nachtschreck", meinte der eine. Ein anderer tippte auf Schlafwandeln. Da Timo tagsüber zunehmend unter Konzentrationsschwierigkeiten litt und ein aggressives Verhalten an den Tag legte, war die Aufmerksamkeitsstörung ADS eine weitere Diagnose. Medikamente zur Behandlung von ADS brachten auch kurzfristig Besserung, aber keinen andauernden, durchschlagenden Erfolg. Langsam machte sich zunehmend Verzweiflung breit - bei der Mutter ebenso wie beim Sohn. Die Mutter erzählt, dass Timo in der Schule mit seinen Problemen auf keinerlei Verständnis gestoßen ist. Sie erzählt von Ausgrenzung durch Mitschüler und davon, dass Timo jetzt ein Schulausschluss droht, weil er sich in der Schule unkonzentriert und aggressiv verhalten hat. "Wenn ein Kind nicht der Norm entsprechend funktioniert, dann ist es weg vom Fenster", sagt sie verbittert. Sie habe mit den Lehrern über die nächtlichen Probleme gesprochen, aber das habe keinen interessiert. Mal bei einem Freund zu übernachten oder mit auf Klassenfahrt zu gehen, war für Timo nicht möglich. Nicht einmal die Großeltern wollten die Verantwortung auf sich nehmen, nachts auf ihn "aufzupassen". Und der Vater, der von der Mutter getrennt lebt, befürchtete Ärger mit den Nachbarn aufgrund der nächtlichen Schreie, weshalb Timo nicht einmal mehr bei ihm übernachten konnte. Für die Mutter hieß das: Seit über einem Jahr keine durchgeschlafene Nacht, stattdessen jede Nacht in "Hab-Acht-Stellung", um nur ja verhindern zu können, dass sich Timo bei einem seiner Anfälle verletzt. "Eigentlich ist SIE das Opfer", sagt Timo mit Blick auf seine Mutter, und dabei klingt er unglaublich erwachsen.
Nach einer längeren Ärzte-Odyssee wurden die beiden schließlich an das Kinderschlaflabor in Köln-Porz verwiesen, wo sie auch sofort einen Termin bekamen - die Ärzte erkannten, dass es sich hier um einen Notfall handelte. Dort wurde Timo zwei Nächte lang im Schlaf beobachtet und es wurde genau aufgezeichnet, was während der Anfälle in seinem Körper und vor allem in seinem Kopf ablief. Daraufhin war klar, dass es sich hier weder um den sogenannten Nachtschreck noch um Schlafwandeln handelte. Schlafgebundene Epilepsie, war die Diagnose von Chefarzt Dr. Wiater. Ein zwar eher seltenes, aber durchaus nicht unbekanntes Anfallsleiden, das nur im Schlaf auftritt. "Bei dem Wort Epilepsie muss man als Mutter natürlich schon schlucken", erzählt Timos Mutter. Aber die Dankbarkeit und Erleichterung darüber, dass endlich eine Diagnose da ist und damit der erste Schritt getan ist, um Abhilfe zu schaffen, ist viel, viel größer. Nun scheint Licht am Ende des Tunnels in Sicht zu sein - dank des Schlaflabors. Timo bekommt jetzt krampfverhindernde Medikamente, und nachdem er bereits zwei Nächte lang ruhig durchgeschlafen hat, soll nun der Erfolg der Therapie auch im Schlaflabor getestet werden. Trotz der üblichen nächtlichen Geräusche im Krankenhaus habe auch sie letzte Nacht richtig gut geschlafen, berichtet Timos Mutter. Aber sie sei sich schon bewusst, dass sie das Schlafen erst wieder lernen müsse. Das Schlafen neu lernen - das können die beiden jetzt gemeinsam tun.
Lexikon
Link-Tipps
- Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM)
- Kinderschlaflabor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden
Die Seite der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin DGSM bietet in der Rubrik "Ratgeber" einen umfassenden Patientenratgeber. Neben grundlegenden Informationen rund um die Themen Schlaf und Schlafstörungen finden Sie hier auch spezielle Informationen und Empfehlungen zum Schlaf und den häufigsten Schlafproblemen von Kindern und Jugendlichen. Unter "Schlaflabore" findet man die Liste aller akkreditierten Schlaflabore in Deutschland. (Recherchedatum: 20.11.2009)
Die Seite der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden informiert Eltern, wie eine Untersuchung im Kinderschlaflabor vor sich geht und wie der organisatorische Ablauf ist. Die Einrichtung in Dresden ist ein Beispiel für Kinderschlaflabore in Deutschland, die von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) anerkannt sind . (Recherchedatum: 25.11.2009)

