Reportage

Ein Kinderschlaflabor – Was ist das eigentlich?

Wenn Kinder länger unter Schlafstörungen leiden, ohne dass die Ärzte die Ursachen dafür gefunden haben, werden sie in der Regel an ein Kinderschlaflabor überwiesen.

In einem Schlaflabor werden Menschen mit Schlafstörungen während des Schlafens beobachtet. Dabei werden verschiedene Körperfunktionen gemessen und aufgezeichnet, woraus dann Rückschlüsse auf die Ursachen der Schlafstörungen gezogen werden können. In Deutschland gibt es derzeit rund 300 Schlaflabore, die von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) anerkannt sind. Einige von ihnen haben sich auf Schlafstörungen von Kindern spezialisiert.

Eine Nacht im Kinderschlaflabor

Joshua liegt im Bett. An seinem Kopf sind Sensoren angebracht.
Joshua allein im Kinderschlaflabor Köln-Porz

20 Uhr. Draußen ist es noch sommerlich hell, aber der dreizehnjährige Joshua ist bereits im Schlafanzug und macht es sich auf dem Bett bequem. "Einschlafen war für mich noch nie ein Problem", grinst er, aber seine Augen schauen noch ziemlich munter im Zimmer herum. Was dort zu sehen ist, sind nicht etwa Poster von Fußballstars und Stapel mit Comics, sondern blinkende Geräte und eine Menge Kabel.

Joshua wird die heutige Nacht in einem Schlaflabor verbringen. Die Geräte, die sein Bett umringen, zeichnen seine Gehirnaktivität, seinen Herzschlag, seinen Atem und noch verschiedene andere Körperfunktionen auf. Schräg über seinem Kopf befindet sich eine Kamera, die ihn die ganze Nacht über aufnehmen wird; das Bild wird zusammen mit den anderen Messungen direkt auf einen Monitor im Nebenraum übertragen. Eine Schwester hat bereits Messgeräte an Joshuas Bauch und an seiner Brust angebracht und eine kleine Sonde unterhalb seiner Nase festgeklebt. Nun ist sie dabei, ihm die Elektroden, mit denen die Hirnaktivitätsströme (Elektroenzephalogramm, EEG) aufgezeichnet werden, an seiner Stirn und von da ausgehend am ganzen Kopf festzukleben. Anschließend verschwindet Joshuas wirrer Lockenkopf unter einem Häubchen. Seine Mutter macht ein paar wohlmeinende Witze über sein Aussehen mit Haube, doch Joshua nimmt das locker... "Eigentlich ist es sogar ganz angenehm, die Sonden am Kopf zu tragen", berichtet er, und die ganzen Kabel stören ihn auch nicht. Sie sind lang genug, um sich trotzdem ungestört bewegen zu können." Joshuas Mutter wird die Nacht auf einer Liege in seinem Zimmer verbringen. Beide hoffen, dass diese Nacht im Kinderschlaflabor endlich die Ursachen für Joshuas seit Monaten anhaltende Schlafstörungen ans Licht bringen wird.

Wofür gibt es Kinderschlaflabore?

Joshua liegt im Bett. Eine Schwester befestigt Sensoren an seinem Kopf.
Joshua im Schlaflabor mit Schwester.

Anfang der neunziger Jahre wurden in Deutschland die ersten Kinderschlaflabore eröffnet. Ihr Anliegen ist die bessere Erforschung des kindlichen Schlafes sowie die Diagnose kindlicher Schlafstörungen. Anfangs lag der Schwerpunkt darauf, mehr Wissen über die Ursachen des Plötzlichen Säuglingstods zu sammeln. Nach und nach weitete sich jedoch die Palette der kindlichen Schlafstörungen, die im Schlaflabor diagnostiziert und für die Behandlungspläne entwickelt werden, immer mehr aus. So stellte man beispielsweise erst dank des Kinderschlaflabors fest, dass die sogenannte Narkolepsie auch schon bei Kindern auftreten kann. Im Kinderschlaflabor werden außerdem schlafbezogene Atmungsstörungen (z.B. Schlafapnoe), schlafgebundene Epilepsien und verschiedene weitere Erkrankungen, aber auch Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus von Kindern diagnostiziert.

Was wird in einem Kinderschlaflabor gemacht?

Joshua liegt verkabelt im Bett. Seine Mutter sitzt neben ihm.
Joshua mit Mutter im Schlaflabor

Im Kinderschlaflabor werden die Kinder während des gesamten Nachtschlafs an Geräte angeschlossen, die verschiedene Körperfunktionen aufzeichnen. Anhand eines Elektroenzephalogramms (EEG) werden die Hirnaktivitätsströme gemessen, um die Schlafstadien beurteilen zu können und eventuell epileptische Phänomene feststellen zu können. Darüber hinaus werden die Augenbewegungen aufgezeichnet, um den REM-Schlaf (Traumschlaf) erkennen zu können. Besonders genau wird die Atmung beobachtet. Hierfür werden die Nasen- und Mund-, aber auch die Brust- und Bauchatmung gemessen. Über eine Hautsonde werden Sauerstoffdruckwerte und Kohlendioxidwerte aufgezeichnet, um zu überprüfen, ob der Gasaustausch über die Lunge in der Nacht richtig funktioniert. Auch die Muskelaktivität wird gemessen, um z.B. das Phänomen der "unruhigen Beine" erkennen zu können, das auch zu Schlafstörungen führen kann. Je nach Fall können noch einige weitere Messungen hinzukommen. Und schließlich wird der junge Patient die ganze Nacht per Video überwacht und es werden die Geräusche aufgezeichnet, die er in der Nacht macht. So entsteht für die Ärzte ein sehr genaues Bild darüber, wie der Schlaf ihres jungen Patienten verläuft und welche Probleme auftreten.

Hilfe aus dem Kinderschlaflabor

Laut Chefarzt Dr. Wiater vom Kinderschlaflabor der Kinderklinik des Krankenhauses Porz am Rhein in Köln wird bei der Mehrzahl der Kinder und Jugendlichen, die ins Schlaflabor kommen, eine Diagnose gestellt, das heißt, die Ursache für die Schlafstörungen wird gefunden. Die eigentliche Therapie der Störungen findet dann oft bei anderen Ärzten statt, da viele der jungen Patienten und Patientinnen für die Diagnose im Schlaflabor von weit her kommen. In manchen Fällen wird auch direkt im Schlaflabor behandelt. Wenn das Problem gefunden und eine entsprechende Therapie eingeleitet wurde, kommen die jungen Menschen meist noch einmal zum "Testschlafen" ins Schlaflabor, damit die Ärzte überprüfen können, ob die Therapie auch wirklich erfolgreich ist.

Auch in Joshuas Fall brachte die Schlaflaboruntersuchung endlich die richtige Diagnose. Nach vielen Monaten kommt er nun, mit Hilfe der richtigen Medikamente, endlich wieder zu einem gesunden und erholsamen Schlaf.

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