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Fieber & Co. - häufige Krankheitssymptome im Kindesalter
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Da seit dem 4. Juli kein neuer Erkrankungsfall gemeldet wurde, hat das Robert Koch-Institut (RKI) den EHEC-Ausbruch in Deutschland am 26.07.2011 für beendet erklärt. Da es weiterhin vereinzelt zu Infektionsfällen kommen kann, ist es unverändert wichtig, auf eine sorgfältige Hygiene zu achten.
Im Mai/Juni 2011 war in Deutschland eine Häufung von Infektionen mit EHEC-Darmbakterien O104:H4 (Enterohämorrhagische Escherichia coli) mit zum Teil sehr schweren Verläufen zu beobachten. Die gemeldeten Krankheitsfälle zeigten eine ungewöhnliche Verschiebung bezüglich der betroffenen Altergruppe: Während typischerweise Kinder unter 5 Jahren erkranken, waren nun vor allem Erwachsene, darunter viele Frauen, betroffen.
Die Ursache des Ausbruchs sind mit großer Wahrscheinlichkeit Sprossen, die aus Ägypten importierten Bockshornkleesamen gezogen wurden. Zum Schutz vor weiteren Infektionen empfehlen die Bundesbehörden, Bockshornkleesamen und daraus gezogene Sprossen und Keimlinge nicht roh zu verzehren. Die Empfehlung, auf den Verzehr anderer Sorten von Sprossen in rohem Zustand generell zu verzichten, wurde am 21.Juli 2011 aufgehoben. Die verdächtigen Chargen Bockshornkleesamen aus Ägypten werden derzeit von den Landesbehörden auf allen Stufen vom Markt zurückgenommen. In Privathaushalten noch vorhandene Bockshornkleesamen sollten im Restmüll entsorgt werden.
Auch nach dem Ende des aktuellen Ausbruchs sind weitere Erkrankungen möglich. Der Erreger kann über Schmierinfektionen von Mensch zu Mensch oder auch durch von Infizierten verunreinigte Lebensmittel übertragen werden. Daher ist es unverändert wichtig, zum Schutz vor einer Infektion sorgfältig auf gründliche Hände- und Lebensmittelhygiene zu achten.
Die Empfehlung, aus Ägypten importierte Bockshornkleesamen und daraus gezogene Sprossen und Keimlinge nicht roh zu verzehren, haben das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und das Robert Koch Institut (RKI) auf der Grundlage epidemiologischer Untersuchungen und der Rückverfolgung von Samenlieferungen in Deutschland und anderen EU-Staaten getroffen. Diese haben ergeben, dass bestimmte Chargen von Bockshornklee-Samen mit den EHEC-Ausbrüchen im Mai/Juni 2011 in Deutschland und Frankreich in Verbindung stehen. Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wurden diese Chargen aus Ägypten importiert.
Die generelle Warnung vor einem Verzehr aller Sorten von Sprossen und Keimlingen wurde auf der Grundlage weiterer Ermittlungsergebnisse am 21.07.2011 aufgehoben. Auch für eine Gefährdung durch Kreuzkontamination anderer Samenprodukte fanden sich keine Hinweise.
Zuvor haben sich bereits die ursprünglichen Hinweise auf eine Übertragung des Erregers durch Gurken, Tomaten und Blattsalate nicht bestätigt. Daraufhin haben die Bundesbehörden die Empfehlung, vorsichtshalber auf den rohen Verzehr dieser drei Gemüsesorten in Norddeutschland zu verzichten, bereits am 10. Juni 2011 aufgehoben.
Weitere Informationen zu den aktuellen Verzehrsempfehlungen finden sich in einer aktuellen Stellungnahme des BfR (siehe unten unter "Weiterführende Informationen").
EHEC-Infektionen können Durchfallerkrankungen verursachen. Besonders gefürchtet sind die Keime, weil sie unter Umständen bei einem Teil der Erkrankten zu schweren Krankheitsverläufen und Todesfällen führen können.
Seit 2001 müssen alle EHEC- Erkrankungen bundesweit gemeldet werden, dies sind etwa 1.000 pro Jahr. Die Häufung der Erkrankungsfälle im Mai und Juni 2011 war daher ungewöhnlich und auch die erkrankten Altersgruppen waren untypisch. Die Übertragung kann über mit den Erregern verunreinigte Lebensmittel oder aber auch von Mensch zu Mensch über so genannte Schmierinfektionen erfolgen. Zum Schutz vor einer Ansteckung ist die Beachtung allgemeiner Regeln zur Hände- und Lebensmittelhygiene wichtig.
Was ist EHEC?
EHEC (Enterohämorrhagische Escherichia coli) sind eine besondere Art von Darmbakterien. Sie produzieren Zellgifte (Shigatoxine bzw. Verotoxine) und können dadurch beim Menschen schwere Erkrankungen auslösen. Gefährdet sind in der Regel vor allem Säuglinge, Kleinkinder, ältere und abwehrgeschwächte Menschen. EHEC kommen natürlicherweise im Verdauungstrakt von Wiederkäuern vor, zum Beispiel bei Rindern, Schafen und Ziegen, ohne dass diese selbst erkranken. Die Tiere scheiden die Bakterien mit dem Kot aus. Da EHEC relativ unempfindlich sind, können sie in der Umwelt, im Boden und im Wasser wochenlang überleben.
Übertragungswege
EHEC-Bakterien können auf vielfältige Weise übertragen werden:
- Über Lebensmittel: Von landwirtschaftlichen Nutztieren gelangen die Erreger häufig bereits beim Melken oder Schlachten in die Milch bzw. auf das Fleisch. Über verunreinigtes Wasser und durch Düngen mit Gülle oder Mist können auch pflanzliche Lebensmittel wie Obst und Gemüse mit EHEC belastet sein. Darüber hinaus kann der Keim aber auch durch unzureichende Küchenhygiene in andere verzehrfertige Lebensmittel gelangen.
- Von Mensch zu Mensch: Mit EHEC infizierte Menschen scheiden den Keim aus und können Infektionen so auf andere übertragen.
- Durch direkten Tierkontakt: zum Beispiel auf Bauernhöfen oder in Streichelzoos.
- Durch verschmutztes Wasser: zum Beispiel beim Baden in durch Tierkot verschmutzten Gewässern.
Für kleine Kinder spielen außerdem durch Fäkalien verschmutzte Planschbecken oder Buddelsand eine Rolle als Infektionsquelle.
Krankheitssymptome
Bei den meisten Erkrankten tritt unblutiger, meistens wässriger Durchfall in Erscheinung, der von Übelkeit, Erbrechen und zunehmenden Bauchschmerzen, seltener Fieber begleitet werden kann. Üblicherweise heilt die Erkrankung von selbst folgenlos aus. Eine EHEC-Infektion kann aber auch ohne Symptome verlaufen und unerkannt bleiben.
In etwa einem Fünftel der Erkrankungsfälle können sich als schwere Verlaufsform blutige Durchfälle mit krampfartigen Bauchschmerzen und teilweise Fieber entwickeln. In der Regel erkranken vor allem Säuglinge, Kleinkinder, alte Menschen und abwehrgeschwächte Personen häufiger schwer. Bei etwa jedem Zehnten bis Zwanzigsten der Erkrankten droht als Folge einer EHEC-Infektion das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS), eine Erkrankung, die sich in Blutgerinnungsstörungen, einer Zerstörung der roten Blutkörperchen bis hin zum akuten Nierenversagen äußern kann. Zudem kann es zu neurologischen Komplikationen kommen, darunter Kopfschmerzen, Sprachstörungen sowie Krampfanfälle (Epilepsien).
Was tun bei Krankheitszeichen?
Suchen Sie beim Auftreten der Symptome ihren Arzt oder ihre Ärztin auf. Bei entsprechendem Verdacht werden dort die weiteren notwendigen Schritte eingeleitet, um die Erkrankung zu diagnostizieren und zu behandeln.
Die Behandlung der Krankheitszeichen kann nur symptomatisch erfolgen, zum Beispiel durch eine genügende Flüssigkeitszufuhr zum Ausgleich von Wasserverlusten durch Durchfall und Erbrechen. Eine antibiotische Therapie ist im Regelfall nicht angezeigt und kann sogar die Bakterienausscheidung verlängern und eine Freisetzung der Giftstoffe erhöhen.
Bei Vorliegen eines HUS wird zumeist eine harntreibende Therapie und bei einem Nierenversagen Dialyseverfahren angewendet.
EHEC-Infektionen vermeiden: auf zwei Wegen
Neben der Empfehlung, zurzeit auf den Verzehr von aus Ägypten importierten Bockshornkleesamen sowie aus ihnen gezogenen rohen Sprossen und Keimlingen zu verzichten, sollten zudem die allgemeinen Empfehlungen zur Lebensmittel- und Händehygiene beachtet werden.
1. Schutz vor lebensmittelbedingten EHEC-Infektionen
Wie die meisten Erreger von Lebensmittelinfektionen lassen sich auch EHEC-Bakterien durch Erhitzen (bei 70° C für 10 Minuten) abtöten, also durch Kochen, Braten oder Pasteurisieren. Tiefgefrieren garantiert hingegen nicht, dass ein Lebensmittel vollständig frei von EHEC wird.
- Fleisch und Hackfleisch von Wiederkäuern vor dem Verzehr ausreichend erhitzen (mindestens 70° C für mehrere Minuten).
- Rohes Fleisch getrennt von anderen Lebensmitteln lagern und zubereiten, auch verschiedene Bretter, Teller, Messer und Zangen benutzen.
- Auf Rohmilch verzichten oder zumindest vor dem Verzehr abkochen.
- Roh verzehrtes Gemüse und Obst gründlich waschen oder schälen.
- Flächen und Gegenstände nach Kontakt mit rohem Fleisch, dessen Verpackungen oder Tauwasser sofort gründlich reinigen und abtrocknen.
- Wisch- und Handtücher nach der Zubereitung von rohem Fleisch möglichst auswechseln und bei mindestens 60° C waschen.
EHEC-Bakterien können infolge der fehlenden Wärmebehandlung auch vorkommen in:
- streichfähigen Rohwürsten, zum Beispiel Zwiebelmettwurst, Teewurst, Braunschweiger;
- Rohmilchkäse (verpackter Käse aus Rohmilch muss mit dem Wortlaut "mit Rohmilch hergestellt" gekennzeichnet sein);
- unpasteurisiertem Apfelsaft.
Außerdem:
- Speisen und Getränke nur außerhalb von Tierställen und Gehegen verzehren.
- Personen mit Durchfallerkrankungen sollten am besten keine Speisen zubereiten.
- Das Risiko für lebensmittelbedingte Infektionen mit EHEC lässt sich mit diesen einfachen Mitteln senken.
2. Schutz vor Schmierinfektionen mit EHEC-Bakterien
Auch nach einem Ende des aktuellen Ausbruchs kann der Erreger weiterhin von Mensch zu Mensch weitergegeben werden, vor allem durch eine sogenannte Schmierinfektion (fäkal-oral) aufgrund mangelnder Hygiene. Den besten Schutz gegen eine Übertragung bietet daher gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife und sorgfältiges Abtrocknen:
- vor der Zubereitung von Speisen,
- vor dem Essen,
- nach Kontakt mit Tieren.
Vorsicht auch beim Baden in natürlichen Gewässern, die durch Tierkot oder Ausscheidungen von erkrankten Menschen verschmutzt sein können. Bei kleinen Kindern zudem auf sauberes Wasser im Planschbecken und unverschmutzten Sand im Sandkasten achten.
Gut zu wissen: viele Krankheitserreger, so auch EHEC, können auch noch nach Abklingen der klinischen Symptome von zuvor Erkrankten für einige Tage bis ca. 4 Wochen im Stuhl ausgeschieden. Daher: Hygieneregeln auch nach durchgestandener Erkrankung sorgfältig beachten.
Weiterführende Links
- "EHEC: BfR, BVL und RKI konkretisieren Verzehrsempfehlung zu rohen Sprossen und Keimlingen"
- EHEC Ausbruch: Samen von Bockshornklee (PDF)
- "EHEC-Infektionen: Hygiene beachten" - Bürgerinformationen der BZgA
- "Hygienematerialien"
- "BfR-Verbrauchertipps: Schutz vor EHEC-Infektionen" (PDF)
- EHEC-Infektionen
- "Ganz einfach gesund bleiben"
- Ansteckungsrisiken mindern - Empfehlungen zur Hygiene
- Was tun bei Ansteckungsgefahr?
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zeigt auf dieser Seite seine Pressemeldung vom 21.07.2011. Darin werden die Verzehrsempfehlungen zu rohen Sprossen und Keimlingen konkretisiert: Aus Ägypten importierte Bockshornkleesamen sowie deren Sprossen und Keimlinge sollten weiterhin nicht roh verzehrt werden. Die Empfehlung, Sprossen und Keimlinge generell nicht roh zu verzehren, wird dagegen aufgehoben. (Recherchedatum: 21.07.2011)
Die Rückverfolgung von Samenlieferungen in Deutschland und anderen EU-Staaten hat ergeben, dass bestimmte Chargen von Bockshornkleesamen mit den EHEC-Ausbrüchen in Deutschland und Frankreich in Verbindung stehen.Die ausführliche Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) 022/2011 vom 30. Juni 2011 können Sie hier als PDF herunterladen. (Recherchedatum: 06.07.2011)
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) informiert auf dieser Seite über den aktuellen Wissensstand zu den Übertragungswegen des EHEC-Bakteriums, zu den Krankheitssymptomen sowie über Möglichkeiten, sich vor Ansteckungen zu schützen. Mit weiterführenden Links. Die aktuellen Bürgerinformationen können in verschiedenen Sprachen - Deutsch, Englisch, Türkisch, Russisch - als PDF heruntergeladen werden. (Recherchedatum: 21.07.2011)
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet auf dieser Seite Info- und Aktionsmaterialien wie Aufkleber und Poster u.a. zum richtigen Händewaschen, insbesondere für Kitas und Schulen. Zum Bestellen oder Herunterladen.(Recherchedatum: 26.05.2011)
Auf der Internetseite des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) kann das 4-seitige BfR-Merkblatt "Schutz vor EHEC-Infektionen" als PDF heruntergeladen werden. Es richtet sich an Verbraucher und Multiplikatoren. (Recherchedatum: 14.01.2011)
Das Robert Koch-Institut zeigt auf dieser Seite Informationen rund um EHEC-Infektionen. (Recherchedatum: 11.04.2012)
Das Themenportal der BZgA zum Impfen gibt hier Hinweise zur Hygiene im Alltag: zur Handhygiene, zum Hygieneverhalten im Krankheitsfall und zu Hygienemaßnahmen im Haushalt, in Kindergärten und Schulen. Kurze Filmspots veranschaulichen die wichtigsten Informationen. (Recherchedatum: 28.04.2011)

