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Unsere Expertin: Dr. Sabine Reiter

Dr. Sabine Reiter vom Robert Koch-Institut beantwortet persönlich Ihre Fragen rund um das Thema Impfen bei Kindern.mehr...

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Unsere Expertin: Silja Wortberg

Silja Wortberg steht als wissenschaftliche Referentin der BZgA mit Schwerpunkt Impfen ebenfalls für Ihre Fragen zur Verfügung.mehr...

Impfungen

Fragen der Woche

Was Sie immer schon über Impfungen bei Kindern wissen wollten. Sie fragen – unsere Expertinnen antworten.

Vielen Dank für die Teilnahme und Ihre Fragen zum neuen Angebot "Fragen der Woche: Sie fragen - Fachleute antworten" zum aktuellen Thema "Impfungen bei Kindern". Alle gestellten Fragen sowie die Antworten der Expertinnen können hier nachgelesen werden.

In der Woche vom 20. bis 26. April konnten Sie auf dieser Seite über ein freigeschaltetes Formular Ihre Fragen zum Thema „Impfungen bei Kindern“ stellen. Alle eingegangenen Fragen wurden von den Expertinnen Dr. Sabine Reiter, Robert Koch-Institut, und Silja Wortberg, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) beantwortet. Die Angaben zur Person wurden anonymisiert.

In regelmäßigen Abständen wird die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) weitere "Fragen der Woche" hier im Portal anbieten.

Fragen der Woche

Folgende Fragen wurden gestellt

 

Fragenprotokoll zum Thema "Impfungen bei Kindern"

Frage von Mimi

Was empfehlen Sie, wenn ein Kinderarzt bei einem 2002 geborenen Kind zwar im 1. Lj. 3-mal HEXAVAC und dazwischen noch 1-mal einen Pertussis-Monoimpfstoff impft, dann aber erst nach 5 Jahren DTPa zur Auffrischung impft. Bei Mehrfachimpfstoff wäre doch überall eine 4-fache Impfung zur vollständigen Grundimmunisierung nötig - oder? Polio, Hib und Hep. B sind somit doch unvollständig.

Antwort der Expertinnen

Sie haben völlig recht. Es sollte noch einmal gegen Polio und Hepatitis B geimpft werden, gegen HiB holt man die Impfung nur bis zum 5. Lebensjahr nach.

Frage von zofia

Eigentlich möchte ich meine Tochter nicht gegen ganz normale Kinderkrankheiten wie Masern, Röteln und Windpocken impfen lassen. Sie ist gesund und ich bin eigentlich der Meinung, dass das "Durchstehen einer Krankheit" (natürlich nur, wenn sie nicht lebensgefährlich ist) das seelische Wachstum befördert. Es wird einem aber immer Angst gemacht und der Kinderarzt reagiert richtig sauer, wenn ich meine Zweifel äußere. Welche Impfung ist denn wirklich ZWINGEND notwendig?

Antwort der Expertinnen

Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis, dass das Durchmachen einer Infektionskrankheit das Immunsystem stärkt oder das seelische Wachstum fördert. Masern, aber auch Windpocken können zu schweren Komplikationen führen. Wenn sich eine schwangere Frau in den ersten vier Monaten der Schwangerschaft mit Röteln ansteckt, treten bei weit über der Hälfte der Ungeborenen schwerste Fehlbildungen auf. In Deutschland gibt es keine Impfpflicht. Die STIKO empfiehlt nur Impfungen, die für die Gesundheit der Bevölkerung wichtig sind. Wichtig ist ein früher Impfschutz, da die Erkrankungswahrscheinlichkeit bei jungen Säuglingen gegen zahlreiche Krankheiten hoch und/oder schwer ist (Hib, Meningokokken, Pertussis, Pneumokokken).

Frage von Polly09

Hallo! Unser Sohn ist jetzt 17 Monate und hat bisher außer der Impfung gegen Meningokokken alle von der STIKO empfohlenen Impfungen erhalten. Für wie sinnvoll halten Sie diese Impfung? Wie sieht es in Bezug auf das Risiko-Nutzen-Verhältnis aus?

Antwort der Expertinnen

Eine Meningokokken-Erkrankung kann zu einer Entzündung der Hirnhäute, der Menigokokken-Meningitis, oder zu einer bakteriellen Blutvergiftung, der sogenannten Meningokokken-Sepsis führen. Am häufigsten erkranken Kinder unter fünf Jahren an einer Meningokokken-Infektion, wobei die höchste Erkrankungsrate in den ersten beiden Lebensjahren liegt. Meningokokken-Erkrankungen müssen im Krankenhaus behandelt werden, da sie fast immer schwer verlaufen, häufig Komplikationen nach sich ziehen und die Sterblichkeit im Vergleich zu anderen Infektionskrankheiten hoch ist. Die empfohlene einmalige Impfung bietet einen sicheren Schutz gegen Meningokokken vom Serotyp C und ist gut verträglich.

Frage von Samy

Meine Tochter reagiert zur Zeit etwas auf den starken Pollenflug mit allergischen Symptomen. Empfehlen Sie zum jetzigen Zeitpunkt bedenkenlos zu einer Impfung. MfG

Antwort der Expertinnen

Impfunabhängige allergische Reaktionen, wie zum Beispiel eine Pollenallergie, sind kein Grund, empfohlene Impfungen nicht durchzuführen oder zu verschieben. Besondere Vorsicht ist jedoch bei Allergien gegen Bestandteile von Impfstoff geboten. Ob eine Impfung akut durchgeführt werden sollte, kann am besten mit dem Arzt ihrer Tochter abgeklärt werden!

Frage von Schneckle

Welche in den letzten 50 Jahren eingesetzten Impfstoffe beinhalteten bzw. beinhalten Quecksilber (Hepatitis B, Tetanus, Diphtherie, FSME....). Bitte um Auflistung der Impfstoffe.

Antwort der Expertinnen

In einigen Impfstoffen sind Zusatzstoffe, wie zum Beispiel das Konservierungsmittel Thiomersal, in äußerst geringen Konzentrationen enthalten. Unabhängige Bewertungen der Weltgesundheitsorganisation WHO, des US-amerikanischen "Institute of Medicine" sowie der europäischen Arzneimittelbehörde EMEA kommen zu dem Schluss, dass es keinen Zusammenhang zwischen Thiomersal und Autismus gibt. Im Sinne von größtmöglicher Sicherheit für Impfstoffe haben die Pharmafirmen nichts desto trotz auf die Diskussion reagiert. So gibt es inzwischen für alle generell empfohlenen Schutzimpfungen Thiomersal-freie Impfstoffe. Ob ein Impfstoff Thiomersal enthält, kann man dem Beipackzettel entnehmen oder vom impfenden Arzt erfahren.

Frage von chris

In den Medien wird für Impfungen bei jungen Mädchen gegen Gebärmutterkrebs geworben. Machen derartige Impfungen als Vorbeugungsmaßnahme Sinn oder ist der Nutzen einer solchen Impfung fachärztlich umstritten?

Antwort der Expertinnen

Die STIKO (Ständige Impfkommission) empfiehlt die Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) für alle Mädchen im Alter von 12-17 Jahren. Ziel der Impfung ist es die Krankheitslast durch den Gebärmutterhalskrebs zu verringern. Die Impfung richten sich gegen zwei der häufigsten HPV-Typen (HPV 16 und 18), die schwere Zellveränderungen am Gebärmutterhals verursachen, die zu Gebärmutterhalskrebs führen können. Die Impfserie mit 3 Dosen sollte möglichst vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen sein, da die Wirksamkeit der Impfung nur gegeben ist, wenn vor der Impfung noch keine Infektion mit den betreffenden HPV-Typen erfolgt ist. Derzeit sind zwei Impfstoffe verfügbar, die zur Impfung zugelassen sind. Das heißt, für beide Impfstoffe liegen gute Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit vor. Vertiefende und aktuelle Informationen finden Sie auf den Seiten der BZgA Humane Papillomaviren (HPV), des Paul-Ehrlich-Institut  bzw. des Robert Koch Institut.

Frage von Dr. K.

Mein Kind wurde vollständig grundimmunisiert nach STIKO Empfehlungen, 1. Auffrischung Tetanus und Diphterie nach 5 Jahren (ohne Pertussis - "nach alter Empfehlung"). Wann wird eine Auffrischung für Pertussis (nach derzeitigem Stand in Kombination mit Tetanus und Diphtherie) empfohlen?

Antwort der Expertinnen

Für die Beantwortung benötigt die Expertin das Alter des Kindes und das Datum der letzten Td-Impfung. Gerne können die Angaben über das Kontaktformular nachgeliefert werden: zum Kontaktformular.

Frage von Kelia

Unser Sohn wurde vor fünf Tagen gegen MMR plus V geimpft. Zwei Tage nach der Impfung bekam er heftiges (über 40 Grad) Fieber das bis heute andauert, laut Kiä eine starke Impfreaktion. Jetzt bin ich natürlich etwas vorsichtig mit der zweiten Impfung - kann man diese auch später als in den vorgeschlagenen 8 Wochen danach durchführen lassen (z.B. im Kindergartenalter)?

Antwort der Expertinnen

Ich kann Ihre Beunruhigung gut verstehen. Viele Eltern sind verunsichert, wenn sie starke Fieberreaktionen als Reaktion auf eine Impfung beobachten. Letztlich zeigt die Fieberreaktion aber nur, dass der Körper des Kindes sich mit der Impfung auseinandersetzt, um einen sicheren Immunschutz aufzubauen. Selbstverständlich können Sie mit der 2. Impfung Masern-Mumps-Röteln (MMR) auch warten, ich würde Ihnen aber nicht dazu raten. Ca. 5 Prozent aller Kinder reagieren nicht mit einer entsprechenden Immunantwort auf die 1. Impfung und haben dann auch keinen Schutz gegen die Erkrankung. Die 2. Impfung MMR ist notwendig, um auch bei diesen Kindern einen ausreichenden Schutz sicherzustellen. Eine Aufschiebung der Impfung stellt daher ein gewisses Risiko dar.

Frage von Tebby

Ich habe eine Frage zur Diphtherie und Tetanus Impfung und möchte ihnen hierzu gerne einen Beitrag kopieren und ihre Stellungnahme dazu wissen:
Tetanus sowie Diphtherie sind Krankheiten, die keinerlei Immunität hinterlassen. Man kann also öfters an Tetanus und Diphtherie erkranken. Impfungen ahmen die Natur nach, wie uns die Impfbefürworter sagen. Wie kann die Impfung aber hier wirken, wenn die Natur das gar nicht so vorgesehen hat?
Bei der Tetanus- und Diphtherieimpfung handelt es sich um sogenannte Toxoidimpfungstoffe. Dort wird nicht der Erreger, sondern vielmehr das (entgiftete) Gift, welches er ausscheidet, verimpft. Dies soll uns dann im Krankheitsfalle schützen, da der Körper in der Zwischenzeit durch die Impfung eine Immunität entwickelt hat, wird uns gesagt. Der menschliche Körper aber kann nicht immun gegen Gifte werden. Der eine Mensch verträgt ein wenig mehr als der andere, aber eine Immunität gegen Gifte gibt es nicht (Lewin Louis, Gifte und Vergiftungen, 6. Auflage, Haug Verlag 1992).
Wie kann uns hier die Impfung einen "Schutz" geben? Lg, Tebby

Antwort der Expertinnen

Die Impfungen gegen Diphtherie und Tetanus werden mit sog. Totimpfstoffen durchgeführt. Totimpfstoffe enthalten Bestandteile des Erregers (Antigene), die der Körper als fremd erkennt ohne ihn krank zu machen. Nach dem Kontakt mit den Antigenen gelingt es dem körpereigenen Abwehrsystem, einen Schutz gegen den Erreger aufzubauen. Damit die Schutzwirkung dauerhaft anhält, müssen die Impfungen gegen Tetanus und Diphtherie wiederholt und dann alle 10 Jahre aufgefrischt werden. Die Impfungen gegen Tetanus und Diphtherie werden seit vielen Jahrzehnten verabreicht. Der Erfolg der Impfungen ist unbestritten. Es ist gelungen, in Bevölkerungen mit einem hohen Impfschutz Neuerkrankungen an Diphtherie und Tetanus vollständig zu verhindern. In Regionen, in denen wenig oder gar nicht geimpft werden kann, sterben Menschen heute noch an diesen Erkrankungen.

Frage von Leni

Meine Tochter, 15 Monate alt, wurde letzten Monat gegen Meningokokken geimpft. Seither ist sie leicht orientierungslos, fällt leicht um und ist dauermüde. Ich schiebe es auf die Impfung. Nach langer Suche habe ich dazu aber nichts gefunden. Was würden Sie sagen? Kann dies von der Impfung kommen? Ist es ein Impfschaden? Danke für Ihre Antwort.

Antwort der Expertinnen

Komplikationen im Zusammenhang mit der Impfung gegen Meningokokken sind sehr selten. Trotzdem sollten Sie Ihren Kinderarzt informieren. Es ist wichtig, Untersuchungen durchzuführen, die mögliche Ursachen der Beschwerden abklären können. Wenn der Verdacht auf einen Zusammenhang zu der Impfung nicht ausgeräumt werden kann, sollte dies dem Gesundheitsamt gemeldet werden.

Frage von momo

Mein Sohn ist 9 Jahre alt (wird in diesem Jahr 10). Er hat folgende Impfungen im Jahr 2000 laut Impfpass erhalten: Infaurise IPV + Híb, Tetanus, Diphtherie, Haemophilus influenzzae b (Hib) und Poliomyelitis. Alles je 3-mal sowie Hepatitis 2-mal. Durch sehr häufige Erkältungen die oft zur Mittelohrentzündung oder Bronchitis wurden ist dann erstmal nicht geimpft worden um dem Körper Ruhe zu gönen. Jetzt bin ich der Meinung das dringender Impfbedarf besteht. Die Ärztin würde die Impfung auch nächste Woche (28.04.09) durchführen. Mein Sohn fährt aber am 04.05.09 für eine Woche auf Klassenfahrt. Meine Sorge ist nun, dass evtl. Fieber oder anderes nach der Impfung auftreten könnte und er die Klassenfahrt dann nicht mitmachen kann, auf die er sich verständlicher Weise freut. Meine Fragen sind nun: Besteht noch Impfschutz? Soll ich ihn noch vor der Klassenfahrt impfen lassen oder doch lieber danach?

Antwort der Expertinnen

Bei Ihrem Sohn sollte der Impfschutz gegen eine Reihe von Erkrankungen aufgefrischt bzw. komplettiert werden. Lassen Sie sich von Ihrer Kinder- und Jugendärztin beraten, mit welchen Impfungen begonnen wird und welche in den nächsten Monaten folgen sollen. Er benötigt eine Auffrischimpfung gegen Keuchhusten, Diphtherie und Tetanus. Diese Impfungen können gleichzeitig (mit einem Kombinationsimpfstoff) verabreicht werden. Außerdem sollte er gegen Meningokokken C geimpft werden. Darüber hinaus ist es wichtig einen Impfschutz gegen Masern, Mumps, Röteln aufzubauen und - sofern er noch keine Windpocken hatte - auch gegen Windpocken. Die modernen Impfstoffe sind heute alle sehr gut verträglich, weshalb in Absprache mit Ihrer Kinder- und Jugendärztin durchaus bereits vor der Klassenfahrt begonnen werden kann, den Impfschutz aufzubauen.