Ein lautstarkes Signal: Schreien

Link zur Seite: Schreien | © Getty Images

© Getty Images

So fürsorglich, umsichtig und einfühlsam Sie auch sein mögen - in den ersten Lebenswochen und -monaten gehört Schreien zum normalen Alltag.

Schreiendes Baby © Getty Images
© Getty Images

In den ersten Monaten ist Schreien völlig normal

Schreien gehört zu den wichtigsten Ausdrucksmitteln des Säuglings. Dabei verläuft das Schreiverhalten in den ersten drei Lebensmonaten bei allen Säuglingen ähnlich. Wie häufig, ausdauernd und laut Babys schreien, ist jedoch von Kind zu Kind sehr unterschiedlich.

Auch wenn Ihr Baby in den ersten drei Lebenswochen wahrscheinlich noch relativ wenig schreit, kann sich das schnell ändern: In der Regel nimmt das Schreien in den ersten beiden Lebensmonaten zu und erreicht meist in der sechsten Lebenswoche seinen Höhepunkt. Denn Ihr Baby ist dabei, einen Rhythmus zwischen Schlafen und Wachsein zu lernen, und das klappt nicht immer auf Anhieb.

Nach der sechsten Lebenswoche werden die Schreiperioden in der Regel kürzer, bis sie nach drei Monaten fast oder ganz verschwinden.

Wie lange schreit ein Baby?

Mit Klick auf die Grafik können Sie diese herunterladen und unter der Lizenzbedingung
CC BY-NC-ND Die Grafik kann von Ihnen unter folgenden Bedingungen (Verwendungshinweise.) weiterverwendet werden. Sie ist urheberrechtlich geschützt und lizenziert unter der Creative Commons Namensnennung-Nicht kommerziell-Keine Bearbeitung Lizenz 3.0 Germany. verwenden.

Babys schreien aus vielen verschiedenen Gründen

In den ersten drei Monaten schreit ein Kind meist,

  • weil es hungrig ist
  • weil es müde ist und nicht zur Ruhe findet,
  • weil es eine frische Windel braucht
  • weil es Zuwendung möchte.

Während das Neugeborene zunächst noch undifferenziert schreit, ist ein wenige Wochen altes Baby bereits in der Lage, sein Schreien je nach Anlass - beispielsweise Hunger oder Müdigkeit - zu variieren. Schon bald werden Sie wahrscheinlich gelernt haben, die verschiedenen Schreiarten Ihres Kindes (Hunger-, Schlaf- und Zuwendungsschreien) zu unterscheiden.

  • Mit Schreien kann Ihr Kind aber auch mitteilen, dass es zu wenig Anregung bekommt und sich langweilt.
  • Vor allem häufiges Schreien kann auch ein Zeichen für Überforderung sein und signalisieren, dass Ihr Kind tagsüber einfach zu wenig Schlaf erhält. Gerade Säuglinge geraten schnell an die Grenze dessen, was sie verkraften können, und reagieren dann oft überreizt und quengeln und schreien.
  • Schreien kann aber auch ein Hinweis sein, dass sich Ihr Kind körperlich unwohl fühlt und ihm vielleicht etwas wehtut.

Babys schreien aber auch ohne erkennbaren Grund und manche tun dies laut und ausdauernd. Mögliche Ursachen und Erklärungen und was Sie tun können, finden Sie in dem Artikel zum Thema "Schreiprobleme".

Schenken Sie jedem Schreien Beachtung

Wenn Ihr Baby weint und schreit, will es Sie keinesfalls zu einem bestimmten Verhalten "zwingen". Schreien ist immer ein "Hilferuf" nach Unterstützung und bedeutet, dass Ihr Baby Sie braucht:

  • Gerade in den ersten drei bis vier Monaten ist Schreien mit einer starken inneren Erregung verbunden, aus der Ihr Kind alleine nicht mehr herausfinden kann.
  • Reagieren Sie deshalb möglichst sofort. Versuchen Sie herauszufinden, was die Ursache für das Unbehagen Ihres Babys ist, es zu trösten und zu beruhigen.
  • Wenn Ihr Kind ohne ersichtlichen Grund schreit: Nehmen Sie es nicht gleich beim ersten Schreien hoch. Manchmal genügt auch der Blickkontakt mit Ihnen, beruhigendes Zureden oder sanftes Schaukeln, damit es sich wieder beruhigt.
  • Wenn Ihr Baby viel und heftig schreit: Denken Sie daran, dass Ihr Baby sehr zerbrechlich ist. Schütteln Sie es niemals in der verzweifelten Hoffnung, es damit ruhig zu bekommen. Hals und Kopf Ihres Babys sind sehr verletzlich. Schon ein kurzes Schütteln kann schwere gesundheitliche Schäden verursachen und sogar zum Tod des Babys führen.
  • Geben Sie Ihrem Kind nie Medikamente zur Beruhigung.

Rascher Trost und Zuspruch bedeuten nicht Verwöhnen

Ihr zuverlässiges und einfühlsames Eingehen auf das Weinen und Schreien besonders in den ersten Lebensmonaten bedeutet keinesfalls, dass Sie Ihr Kind verwöhnen. Vielmehr unterstützen Sie Kind hierdurch: Es hilft ihm zu lernen, seine innere Erregung selbst so zu beeinflussen, dass es sich in seinem Körper wohlfühlt. Und: Säuglinge, die von Anfang an rasch beruhigt werden, schreien in der Regel in den kommenden Wochen weniger.

Erst wenn Ihr Kind älter, etwa ein halbes Jahr alt, ist, kann durch zu schnelles und zu häufiges Eingehen auf das Schreien ein Gewöhnungseffekt eintreten, der zu vermehrtem Schreien führt.

Wenn das Schreien zur Belastung wird

Wenn Ihr Baby sehr viel schreit und Ihnen zudem der Nachtschlaf fehlt, ist es verständlich, wenn Sie nervös werden und sich seelisch und körperlich "am Ende" fühlen. Suchen Sie rechtzeitig Hilfe, wenn Sie das Gefühl haben, Sie verkraften das Schreien nicht mehr:

  • Sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Kinderärztin darüber.
  • In vielen Orten gibt es inzwischen auch Beratungsstellen speziell für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern, die schnell und unbürokratisch Beratung und Hilfe anbieten.

Inzwischen gibt es in allen Gemeinden auch sogenannte Frühe Hilfen. Dazu gehören auch Familienhebammen, die Sie bei besonderen Belastungen im ersten Lebensjahr unterstützen können. Informationen hierzu erhalten Sie beim örtlichen Jugend- bzw. Gesundheitsamt. (Stand: 03.09.2014)