Einheitliches Fortbildungskonzept: Stillen und Stillförderung

Für Deutschland gibt es erstmals ein bundesweit einheitliches Konzept für Basisfortbildungen zum Thema Stillen und Stillförderung. Das Netzwerk „Gesund ins Leben“ hat es zusammen mit den relevanten Institutionen der Stillfortbildung und -förderung entwickelt.

Die Empfehlung der Nationalen Stillkommission und des Netzwerks Gesund ins Leben, mindestens bis zum Beginn des 5. Lebensmonats ausschließlich zu stillen, wird in Deutschland nur bei einem Drittel der Kinder (34 %) erfüllt. Werdende Mütter entscheiden in der Regel schon früh in der Schwangerschaft, ob sie stillen wollen oder nicht. Sie brauchen deshalb bereits in dieser Zeit Informationen über das Stillen. Nach der Geburt sollte die Stillförderung kontinuierlich fortgeführt werden, denn viele Mütter hören in den ersten sechs bis acht Wochen nach der Geburt mit dem Stillen auf bzw. beginnen mit dem Zufüttern von Säuglingsmilchnahrung.

Mit einer Stimme sprechen

Für die Unterstützung und Begleitung von Müttern und ihren Partnern sind insbesondere Multiplikatoren und Multiplikatorinnen geeignet, die einen regelmäßigen Kontakt zu jungen Familien haben und bei ihnen großes Vertrauen genießen, wie zum Beispiel Ärzte/Ärztinnen, Hebammen oder Medizinische Fachangestellte.
Die Vorkenntnisse zum Thema Stillen sind von Berufsgruppe zu Berufsgruppe sehr unterschiedlich. Umso wichtiger ist es, dass alle relevanten Berufsgruppen über einheitliche Grundkenntnisse verfügen. Dafür liegt nun erstmals ein standardisiertes Fortbildungskonzept vor.

Eine Fortbildung auf der Basis des neuen Curriculums vermittelt den Teilnehmenden wissenschaftlich fundierte Grundkenntnisse für die Beratung und Begleitung von (werdenden) Eltern zum Thema Stillen – von der Bedeutung des Stillens und der Muttermilchernährung über konkrete Hinweise zur Stillpraxis bis hin zum Umgang mit besonderen Stillsituationen. Die Fachkräfte werden dazu befähigt, praxis- und handlungsorientierte Informationen an die Familien weiterzugeben.

Auf Berufsgruppen zugeschnitten

Um den unterschiedlichen Informationsbedürfnissen und Beratungsanforderungen im Alltag Rechnung zu tragen, hat das Netzwerk Gesund ins Leben das Curriculum für drei verschiedene Multiplikatoren-Zielgruppen erarbeitet:

  1. Ärzte/Ärztinnen (z. B. Frauenärzte/-innen, Kinder- und Jugendärzte/-innen, Ernährungsmediziner/-innen),

  2. weitere Berufsgruppen mit Stillvorkenntnissen (z. B. Hebammen, Krankenpfleger/-innen, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/-innen, Oecotrophologen/-innen) und

  3. Berufsgruppen ohne Stillvorkenntnisse (z. B. Medizinische Fachangestellte, Präventionsassistenten/-innen, Pädagogen/-innen, Psychologen/-innen und andere Fachkräfte, wie Sozialpädagogen/-innen, die z. B. im Rahmen Früher Hilfen mit jungen Familien befasst sind).

Im Fortbildungskonzept ist detailliert festgelegt, welche Themen, Inhalte und Kompetenzen vermittelt werden sollen. Fachliche Grundlage sind insbesondere die Handlungsempfehlungen zur „Säuglingsernährung und Ernährung der stillenden Mutter“ des Netzwerks „Gesund ins Leben“. Das Curriculum gibt zudem Empfehlungen, wie ausführlich die Themen bei den verschiedenen Berufsgruppen behandelt werden und enthält neben praktischen Hinweisen zur Umsetzung und Qualitätssicherung auch 45 Folienvorschläge.

Wer seine Fortbildungen an diesem Konzept ausrichtet, trägt dazu bei, dass Eltern gleiche, alltagsnahe und fundierte Informationen zum Stillen erhalten. So leisten Multiplikatoren/-innen einen wichtigen Beitrag zur Stillförderung in Deutschland.

Weitere Informationen
www.gesund-ins-leben.de

Download
Stillen und Stillförderung: Curriculum für Basisfortbildungen (PDF | 7,4 MB)


Quelle
Gesund ins Leben. Netzwerk Junge Familie, 17.12.2015

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