Risiken und Störungen in der Sprachentwicklung

Weil Kinder in so unterschiedlichem Tempo sprechen lernen, ist es für Eltern oft nicht leicht zu beurteilen, ob ihr Kind altersgerecht spricht.

In einem Alter, in dem Kinder in der Regel schon ganz selbstverständlich mit Sprache umgehen können, haben manche Kinder eine undeutliche und schwer verständliche Aussprache oder reden nur wenige und unvollständige Sätze. Andere Kinder haben große Schwierigkeiten zu verstehen, was ihnen gesagt wird. Jungen sind deutlich häufiger betroffen als Mädchen. Je früher solche Störungen festgestellt werden, umso erfolgreicher kann ein Kind in seiner Sprachentwicklung unterstützt werden.

Aussprachefehler sind beim Sprechenlernen normal

Nicht jede Auffälligkeit ist jedoch gleich eine Störung. Einige Fehler in der Aussprache sind beim Sprechenlernen durchaus normal, zum Beispiel:

  • Auslassen von Lauten (schümmen statt schwimmen)
  • Ersetzen von Lauten durch andere (geklettert statt gekleckert)
  • Falsche Bildung von Lauten, zum Beispiel von Zischlauten (Kinderlispeln)
  • Zusammenziehen von Worten (Mane statt Banane)
  • Falsche Reihenfolge (Doni statt Dino, Luftabong statt Luftballon).

Zeitweiliges Stottern

Auch ein zeitweiliges Stottern ist nicht gleich Anlass zur Sorge. Etwa 80 Prozent der Kinder stottern zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr von Zeit zu Zeit: Laute, Silben oder Wörter werden wiederholt oder der Sprechfluss wird durch Zögern und Innehalten unterbrochen. Bei den meisten Kindern geht dies wieder vorbei. Deswegen spricht man auch von "Entwicklungsstottern". Auch in den ersten Schuljahren kann sich zeitweilig noch ein Stottern einstellen, das sich aber schließlich ganz verliert.
Wenn Sie allerdings Zweifel haben, ob das undeutliche Sprechen oder Stottern Ihres Kindes altersgerecht und "normal" ist oder nicht, sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Kinderärztin.

Mögliche Hinweise auf Auffälligkeiten

Mögliche Hinweise auf Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung können sein:


Alter Sprach-/Sprechverhalten
6-12 Monate
  • Das Kind plappert kaum oder gar nicht vor sich hin, wenn es allein in seinem Bettchen liegt.
  • Es spricht keine Silbenfolgen wie "dadada" und Doppelsilben wie "gaga".
  • Es "unterhält" sich kaum oder gar nicht mit Lauten.
12-18 Monate
  • Das Kind zeigt wenig oder kein Interesse für Kinderverse und hat zum Beispiel keine Freude an den alterstypischen Hand-Finger-Spielen.
  • Es zeigt so gut wie nie mit dem Zeigefinger auf etwas, um dadurch zur Unterhaltung aufzufordern.
18-24 Monate
  • Das Kind beherrscht keine Ein- oder Zweiwortsprache.
  • Es spricht nur wenige oder gar keine Wörter richtig aus und betont die Silben nicht richtig.
2-3 Jahre
  • Das Kind zeigt wenig Interesse, Erklärungen, Vorgelesenem oder Kinderliedern auf Kassetten oder CDs zuzuhören.
  • Wortschatz und grammatikalische Fähigkeiten nehmen nur zögerlich zu.
  • Es spricht nur langsam und mit fehlerhafter Aussprache.

Wann fachliche Hilfe erforderlich ist

Wenn Sie die beschriebenen oder ähnliche Verhaltensweisen bei Ihrem Kind beobachten, sollten Sie mit Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Kinderärztin darüber sprechen. Auch wenn Sie Zweifel haben, ob Ihr Kind gut hört, sollten Sie dem nachgehen, denn vor allem eine schlechte Aussprache kann auch durch Hörprobleme verursacht sein.

Auf jeden Fall sollten Sie sich um fachliche Unterstützung kümmern, wenn Sie bei Ihrem Kind folgende Auffälligkeiten beobachten:

  • Ihr Kind spricht mit zwei Jahren weniger als 20, 30 Wörter (außer Mama und Papa) oder Sie haben den Eindruck, es spreche weniger und weniger deutlich als Gleichaltrige. Der Kinderarzt oder die Kinderärztin kann feststellen, ob sich Ihr Kind einfach nur mehr Zeit lässt oder ob eine Störung oder Verzögerung vorliegt, die behandelt werden muss.
  • Ihr vierjähriges Kind wird wegen seiner Aussprachefehler von anderen nicht verstanden oder es macht solche Fehler noch mit fünf Jahren.
  • Ihr Kind versteht Sie und andere deutlich schlechter als gleichaltrige Kinder.
  • Ihr Kind stottert über mindestens drei Monate anhaltend oder wiederholt so stark, dass der Sprachfluss deutlich unterbrochen wird.
  • Ihr Kind stottert noch im Schulalter oder fängt erst nach seinem fünften Geburtstag damit an.

Je früher eine mögliche Verzögerung oder Störung in der Sprachentwicklung erkannt wird, umso größer sind die Erfolgsaussichten gezielter Fördermaßnahmen.

 

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