Elternkurse – eine spezielle Form der Zusammenarbeit mit Eltern

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Elternkurse wie EFFEKT®, Opstapje, Starke Eltern – starke Kinder®, STEP werden zum Teil auch in Kitas angeboten. Ein Überblick zu ausgewählten Aspekten.

Eltern sitzen in einem Stuhlkreis © Getty Images
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Eltern können in Kitas niedrigschwellig erreicht werden

Durch ihren täglichen Kontakt mit Kindern und Eltern können die Erzieherinnen und Erzieher in der Kita der Tagespflegeeltern oft schon früh erkennen, ob Kinder und Eltern besondere Unterstützung und Hilfen gebrauchen können, zum Beispiel weil ein Kind sehr aggressiv ist oder besonders häufige Wutanfälle erlebt. Gleichzeitig erleichtert die vertraute Umgebung, in der die Kinder betreut werden, es Fachkräften und Tagespflegepersonen, auf Eltern zuzugehen und ihnen gegebenenfalls Hilfe anzubieten. Dies ist vor allem in Hinblick auf jene Eltern wichtig, die Angebote von Beratungsstellen eher ablehnen und nicht in Anspruch nehmen.

Wenn Sie in Ihrer Kita einen Elternkurs anbieten möchten, können Sie sich mit der Art des Kurses und mit den Zeiten speziell nach den Bedürfnissen Ihrer Eltern richten. Das bedeutet jedoch, dass Sie möglichst viele Eltern nach ihren Wünschen fragen und für Geschwisterkinder gegebenenfalls Betreuung sicherstellen müssen und vor allem jene Eltern ermutigen und ermuntern, die sich Beratungsangeboten von außen eher verschließen.

Wenn Sie als Tagesmutter oder Tagesvater einen Elternkurs anbieten möchten, können Sie vielleicht mit anderen Tageseltern aus Ihrer Umgebung oder einer benachbarten Kindertageseinrichtung kooperieren.

Unterschiedliche Kursangebote

Die meisten sogenannten „Elternkurse“ verfolgen das Ziel, die Erziehungskompetenzen der Eltern zu stärken und Fehlentwicklungen bei Kindern zu verhindern. Neben dem Erziehungsstil der Eltern ist vor allem wichtig, wie Eltern und Kinder miteinander kommunizieren und Konflikte lösen. An diesen Punkten setzen die unterschiedlichen Kurse für Eltern an.

Es gibt universelle und sogenannte selektive Kurse: 

  • Universelle Kurse richten sich an alle Eltern: zum Beispiel Triple P – Positive Parenting Program, Starke Eltern – starke Kinder®, die Elternkurse des Deutschen Kinderschutzbundes, STEP – systematisches Training für Eltern & Pädagogen, EFFEKT® – Entwicklungsförderung in Familien: Eltern- und Kinder-Training oder FuN – Familie und Nachbarschaft.
  • Selektive Kurse richten sich vor allem an Familien mit bereits verhaltensauffälligen Kindern oder in strukturell schwierigen Bedingungen wie materieller Armut, sozialen Risikolagen, mangelnder sozialer Integration, Migrationshintergrund: zum Beispiel Eltern-AG, wir2–Bindungstraining für Alleinerziehende (vormals PALME – Präventives Elterntraining für alleinerziehende Mütter geleitet von Erzieherinnen und Erziehern), Opstapje – Schritt für Schritt.

Eine im Auftrag der BZgA erstellte Expertise zu gesundheitsfördernden Elternkompetenzen dokumentiert die Ergebnisse einer zweiteiligen wissenschaftlichen Arbeit, die  Fachkräften Orientierungs- und Bewertungshilfe bieten soll. Neben dem ersten Teil, der wissenschaftliche Grundlagen, Theorien und Konzepte zusammenstellt, liefert der zweite Teil einen umfassenden Überblick über Angebote und Programme zur Stärkung der Elternkompetenz, beschreibt sie ausführlich und bewertet sie hinsichtlich Fragen der Gesundheitsförderung und Gesundheitserziehung.

Erreichen die Kurse die richtigen Eltern?

Möglicherweise melden sich die Eltern, die aus Ihrer Sicht einen erhöhten Bedarf an Begleitung und Beratung haben, auch in Ihrer Kita oder in Kooperation mit einer Kita nicht zum Elternkurs an. Diese Situation kennen Sie vielleicht auch aus anderen Bereichen, zum Beispiel bei Kursen zur gesunden Ernährung. Verschiedene Ursachen können dahinter stecken.

Neben strukturellen Gründen – der Termin passt zum Beispiel nicht – und ökonomischen Gründen – die Kosten für den Kurs sind zu hoch –, spielen vor allem soziale und kulturelle Gründe eine große Rolle:

  • Eltern erkennen häufig keinen Beratungsbedarf oder wollen ihn nicht erkennen.
  • Vor allem Familien mit Migrationshintergrund fühlen oft soziale Scham.
  • Eltern fehlt oft die Motivation, gegebenenfalls ihr Erziehungsverhalten zu ändern.
  • Inhalte der Elternbildungsangebote und zugrunde liegende Erziehungsansätze passen häufig nicht zu den Einstellungen und Mentalitäten entsprechender Familien.
  • Methoden der Kurse sind zum Teil zu kompliziert (Selbstreflexion, Empowerment, Aktivierung der Erziehungskompetenzen).
  • Sprachliche Defizite erschweren häufig den Zugang.

Sprechen Sie Eltern gegebenenfalls direkt an und versuchen Sie die Gründe zu ermitteln. Vielleicht probieren Sie beim nächsten Mal einen anderen Kurs aus. 

Elternkurse sind nur EIN Angebot der Zusammenarbeit mit Eltern

Elternkurse stellen nur EINE Möglichkeit dar, Eltern in ihren Erziehungskompetenzen zu unterstützen. Um vor allem die Eltern zu erreichen, die aus Ihrer Sicht einen besonderen Bedarf an Unterstützung haben, sollten Sie bei der Auswahl folgende Aspekte beachten:

  • Bieten Sie zunächst einen Elternabend an, zum Beispiel zum Thema Erziehung oder einem bestimmten Aspekt wie Grenzen setzen, Wutanfälle oder Konflikte lösen an. In diesem Rahmen können Sie erfragen, ob Interesse an einem Kurs besteht, in dem Fragen und Lösungsmöglichkeiten vertieft werden können.
  • Sprechen Sie Eltern persönlich und gegebenenfalls mehrmals an.
  • Versuchen Sie mehrere Eltern, die sich untereinander gut kennen, für die Teilnahme an einem Kurs zu gewinnen.
  • Sprechen Sie Eltern an, die bei sprachlichen Problemen dolmetschen können.
  • Geben Sie den Eltern schriftliche Informationen mit.
  • Suchen Sie Sponsoren, um die Kosten für die Teilnahme zu senken.
  • Wählen Sie einen Kurs aus, der für Ihre Kita und Ihre Eltern sinnvoll ist, zum Beispiel PALME, wenn Sie viele alleinerziehende Mütter ansprechen möchten, oder EFFEKT®, wenn Sie einen Kurs für Eltern und Kinder anbieten möchten

Arbeitsmaterialien und Linktipps

Materialien für Veranstaltungen mit Eltern

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