Grundlagen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Eltern in der Kita

Link zur Seite: Grundlagen für Erfolg | © Getty Images

© Getty Images

Bei aller Unterschiedlichkeit von Kitas - Grundsätze wie Wertschätzung, Beteiligung und Tranzparenz sind für den Erfolg der Zusammenarbeit mit Eltern unumgänglich.

Erzieherin sitzt mit Buch vor Tafel © Getty Images
© Getty Images

Unterschiede der Eltern wahrnehmen und akzeptieren

"Die Eltern" gibt es nicht. Ebenso wenig wie "die Kinder". Während eine alleinerziehende Mutter vielleicht Probleme hat, einen Elternabend zu besuchen, achtet sie aber sehr auf eine gesunde Ernährung und nimmt einmal in der Woche am Mutter-Kind-Turnen teil. Eine andere Mutter hingegen verpasst keinen Elternabend, hat aber kein Interesse an gemeinsamen Ausflügen. Oder denken Sie an einen Vater, der weniger am Austausch mit anderen Eltern interessiert ist, aber gerne bei handwerklichen Arbeiten hilft und sich auf Vater-Kind-Aktionen freut. Ein anderer Vater hingegen nimmt an jedem Entwicklungsgespräch teil und holt sein Kind regelmäßig ab. 

Manche Eltern nehmen lieber schriftliche Informationen mit, andere wiederum tauschen sich lieber in Gesprächen mit Fachkräften und anderen Eltern aus.

Es lohnt sich daher, die individuellen Ressourcen, Vorlieben und Abneigungen der Eltern wahrzunehmen und zu akzeptieren, dass nicht alle Eltern das gleiche Interesse haben und die gleiche Zeit in der Kita verbringen.

Familienstrukturen berücksichtigen

Unterschiedliche Strukturen von Elternschaft und Familie beeinflussen die Zusammenarbeit mit Eltern. In Regionen mit vielen sozial benachteiligten Familien weisen Kinder zum Beispiel häufiger Defizite in der motorischen, sozialen und sprachlichen Entwicklung auf. Sie sind häufiger übergewichtig, bewegen sich nicht altersentsprechend und lernen - in Familien mit Migrationshintergrund - häufig erst sehr spät, Deutsch zu sprechen. Auch viele getrennt lebende Eltern oder Alleinerziehende wirken sich auf die Zusammenarbeit mit Eltern aus. Folgende Punkte können Sie besonders in den Blick nehmen:

  • Zeitplanung von Angeboten für Eltern, zum Beispiel abends oder nachmittags mit Geschwisterbetreuung,
  • Zielgruppen, die Sie ansprechen möchten, zum Beispiel nur Mütter, wenn diese überwiegend für die Ernährung in der Familie zuständig sind, oder Väter, wenn Sie Hilfe beim Umgestalten des Außengeländes wünschen, Alleinerziehende Elternteile, wenn Sie einen Infonachmittag speziell zu den Belangen Alleinerziehender anbieten wollen, oder Eltern mit Migrationshintergrund für einen Deutschkurs.
  • Themen, die Sie auswählen. Wenn in Ihrer Einrichtung zum Beispiel viele übergewichtige Kinder sind, können Aktionen und Projekte zur gesunden Ernährung oder zu mehr Bewegung im Alltag sinnvoll sein. In einer anderen Kita hingegen ist vielleicht Verkehrserziehung oder Sprachförderung wichtiger.
  • Aufbereitung der Themen, zum Beispiel im Rahmen einer Aktion, als Projektwoche, mit überwiegend schriftlichen Informationen oder eher in persönlichen Gesprächen.

Eltern wertschätzen, Gefühle nachvollziehen

Müttern und Vätern hilft es, wenn Sie ihnen wertschätzend begegnen, auch wenn es manchmal schwerfällt, die Haltung einzunehmen, dass Eltern das Beste für ihr Kind wollen. Versuchen Sie, das Zusammenleben mit dem Kind für einen kurzen Moment aus der elterlichen Perspektive zu sehen. Geben Sie ihnen zu verstehen, dass sie als Eltern Experten für ihre Kinder sind und die Kita sie bei Fragen und Unsicherheiten unterstützen kann.

Achten Sie besonders darauf, Eltern auch positive Rückmeldungen zu ihrem Kind zu geben. Besonders Mütter und Väter in schwierigen sozialen Lagen sollten Sie auf diese Weise stärken, da sie häufig ein eher geringes Selbstwertgefühl haben. Das macht es oft auch leichter, die Eltern zum Beispiel für den Besuch eines Elternabends zu gewinnen oder mit ihnen über Probleme des Kindes in der Kita zu sprechen oder mögliche Konflikte mit den Eltern zu lösen.

Eltern persönlich ansprechen

Aushänge und schriftliche Informationen reichen vor allem bei wichtigen Themen häufig nicht aus, selbst wenn sie sogar in andere Muttersprachen übersetzt sind. In persönlichen Gesprächen, selbst wenn sie nur sehr kurz sind, erhalten Sie direkt eine Rückmeldung und können mögliche Missverständnisse vermeiden. Außerdem geben Sie Eltern das Gefühl, dass Sie sich Zeit nehmen und Ihnen ihre Meinung und das Gespräch wichtig sind. Suchen Sie vor allem das persönliche Gespräch, wenn es um Probleme des Kindes oder Konflikte mit den Eltern geht.

Eltern beteiligen, Geschehen durchschaubar machen

Eltern möchten über Veränderungen im Umfeld des Kindes mitentscheiden und informiert sein. Dies ist auch nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz ihr gutes Recht.

Eltern zu beteiligen ist aber auch sinnvoll: Je mehr Möglichkeiten Eltern haben, im Kita-Alltag mitzuplanen, Maßnahmen durchzuführen und an den Ergebnissen teilzuhaben, desto besser wird auch die Zusammenarbeit sein. Gleichzeitig wird es hierdurch für die Eltern leichter, das, was sie zum Beispiel im Rahmen einer Projektwoche zur gesunden Ernährung gelernt und mitbekommen haben, in den Familienalltag zu übertragen und vielleicht auch dauerhaft zu übernehmen. In welche Form Sie Eltern beteiligen, kann sehr unterschiedlich sein.

Praxistipp

Binden Sie Eltern frühzeitig und regelmäßig in wichtige Entscheidungen ein, zum Beispiel wenn ein neuer Themenschwerpunkt für ein Projekt oder ein Betreuungsjahr geplant ist. Dafür wird in erster Linie der Elternbeirat als Vertretung für alle Eltern gewählt.

Mit anderen zusammenarbeiten

Arbeiten Sie mit anderen Fachkräften, Institutionen, Organisationen und Vereinen zusammen. Bieten Sie Ihre Räumlichkeiten an, geben Sie Informationen an die Eltern Ihrer Kita weiter, holen Sie Angebote anderer in die Kita.

  • Kooperieren Sie zum Beispiel mit einer Familienberatungsstelle oder mit sozialen Diensten und bieten regelmäßige Sprechstunden in der Kita an. Damit erkennen Sie Ihre eigenen Grenzen an und können Ihren vertrauensvollen Kontakt zu den Familien nutzen, um ihnen bei Problemen weiterzuhelfen. Dies kann Ihnen die Arbeit erheblich erleichtern. Außerdem erleichtern Sie Eltern damit, Schwellenängste gegenüber bestimmten Einrichtungen und Hilfsangeboten abzubauen.
  • Tauschen Sie sich zum Beispiel mit anderen Kitas und Tagespflegeeltern im Stadtteil oder mit benachbarten Schulen aus und veranstalten Sie gemeinsame Elternabende oder Aktionen.
  • Suchen Sie Kontakt zu verschiedenen Fachämtern, zum Beispiel Gesundheitsamt und Jugendamt, zu Stadtteilbüros, zu öffentlichen Einrichtungen wie Polizei, Feuerwehr, die Sie dann zum Beispiel für besondere Angebote und Aktionen in die Kita holen können.
  • Vielleicht können Sie auch eine Familienhebamme einladen, Eltern und Fachkräften praktische Tipps zur Säuglingspflege zu geben - ein Thema, das mit zunehmender Betreuung unter 3-jähriger Kinder immer mehr an Bedeutung gewinnt. Oder Sie bieten Räumlichkeiten für die Durchführung von Kursen an.
  • ehmen Sie Kontakt mit einem Kinderarzt oder einer Kinderärztin auf, zum Beispiel für einen Vortrag zum Thema Infektionen oder Impfen im Rahmen eines Elternabends oder um einmal monatlich eine Gesundheitssprechstunde in der Kita anzubieten.
  • Kooperieren Sie mit Sportvereinen, Musikschulen oder Nachhilfeinstituten. Bieten Sie zum Beispiel Ihre Räumlichkeiten an und handeln Sie dafür ermäßigte Beiträge aus.
  • Krankenkassen stellen häufig umfangreiches, zum Teil mehrsprachiges Material zur gesunden Entwicklung von Kindern zur Verfügung. Das reicht von Faltblättern zum gesunden Frühstück über Spielgeräte für die Turnhalle bis hin zu Materialkoffern für Projektwochen oder andauernde Aktionen zum Thema Gesundheit.

Systematisch und regelmäßig vorgehen

Elternarbeit muss systematisch und kontinuierlich stattfinden und im Bewusstsein der pädagogischen Fachkräfte in der Kita verankert sein. Sie sollte ein Baustein im Kita-Alltag sein, den Sie regelmäßig planen und überprüfen müssen. Grundsätzlich benötigt Elternarbeit Zeit und muss gepflegt werden. Planen Sie diese Zeit in den Kita-Alltag ein. Hilfreich sind hier beispielsweise Praxisleitfäden zur gesunden Kita. Beispiele finden Sie in dem Artikel zur Gesundheitsförderung in der Kita.

Wenn Sie die Zusammenarbeit mit Eltern in Ihrer Kita genauer in den Blick nehmen und gegebenenfalls weiter ausbauen möchten, können Sie mit einer Checkliste beginnen. Wiederholen Sie den Check nach einer bestimmten Zeit, zum Beispiel nach Ablauf eines halben oder ganzen Betreuungsjahres. 

Befragen Sie auch die Eltern selbst zu ihren Wünschen und Erwartungen oder als Rückmeldung zu Aktionen, Festen, Elternabenden. Auch nach Gesprächen mit einzelnen Eltern, zum Beispiel nach Entwicklungsgesprächen, können Sie sich mithilfe eines Fragenbogens ein Feedback einholen. Passende Downloads, die Sie mithilfe des PDF-Baukastens auch für Ihr Team und Ihre Kita ganz persönlich zu einem Paket zusammenstellen können, finden Sie bei den Arbeitsmaterialien.

Verschiedene Formen der Elternarbeit anbieten

Bauen Sie viele verschiedene Aktionsformen und Angebote der Arbeit mit Müttern und Vätern in den Kita-Alltag ein, um möglichst viele Eltern zu erreichen. Dies ist besonders wichtig,

  • wenn die Eltern in Ihrer Einrichtung sehr unterschiedlich gebildet und interessiert sind, manche zum Beispiel Probleme haben, ausführliche Informationen zu lesen und umzusetzen und stattdessen lieber an Aktionen teilnehmen;
  • wenn die zeitlichen Ressourcen stark variieren, manche Eltern zum Beispiel viel Zeit in der Kita verbringen und sich häufig Gelegenheiten zum Austausch ergeben, andere dagegen lieber schriftliche Informationen erhalten, um sie in Ruhe zu Hause zu lesen;
  • wenn es um Themen geht, die Ihnen besonders wichtig sind oder die sehr umfassend sind. Gesunde Ernährung zum Beispiel kann vom gesunden Frühstück über Projekte wie Obst-Wochen bis hin zu einem dauerhaften Kita-Konzept reichen. Bei Infektionskrankheiten in der Kita können Sie aus aktuellem Anlass Elternbriefe verteilen, Sie können aber auch einen Elternabend mit einem Kinderarzt oder einer Kinderärztin veranstalten.

Wählen Sie aus schriftlichen und mündlichen, individuellen und allgemeinen, knappen und ausführlichen, theoretischen und praktischen Formen jeweils das Passende aus, um möglichst viele Eltern zu informieren, zu beraten und zu unterstützen, um zu vermitteln und zu vernetzen. Akzeptieren Sie, dass Sie nicht immer alle Eltern mit jedem Angebot erreichen können.

Arbeitsmaterialien und Linktipps

Merkzettel Kita-Praxis

Materialien für Gespräche mit Eltern

Materialien für Veranstaltungen mit Eltern

Planungs-, Organisations- und Auswertungshilfen

Weiterführende Linktipps zum Thema