Bisphenol A in Babyflaschen und Schnullern

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Babyflaschen auf Basis von Polycarbonat können Bisphenol A freisetzen. Der Stoff wird sehr unterschiedlich beurteilt. Hier finden Sie wissenschaftliche Erkenntnisse.

Nuckelflasche mit Spülbürste © Corbis Images
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Bisphenol A

Bisphenol A ist eine Chemikalie zur Herstellung von Polycarbonat-Kunststoffen und Kunstharzen. Aus Polycarbonat werden viele Dinge des täglichen Lebens hergestellt. Dazu gehören Babyflaschen, Mikrowellengeschirr, Trinkbecher, Haushaltsgegenstände und Lebensmittelverpackungen.

Vor allem unter Hitzeeinwirkung kann Bisphenol A aus dem Kunststoff in Lebensmittel übergehen. Auf diesem Weg gelangt der Stoff in den Körper.

Mögliche Wirkungen und gesundheitliche Risiken

In den Mengen, in denen es üblicherweise vorkommt, ist Bisphenol A nicht akut giftig. Es gibt keine Hinweise, dass Bisphenol A krebsauslösend wirkt oder schädigende Wirkungen in der Schwangerschaft hat; es bewirkt keine Veränderungen des Erbguts.

Im Tierversuch kann Bisphenol A wie das weibliche Geschlechtshormon Östrogen wirken. Ob und inwieweit diese Wirkung für den Menschen von Bedeutung ist, untersucht die Forschung seit Jahren.

Im menschlichen Körper wird Bisphenol A schnell in ein Stoffwechselprodukt umgewandelt, das keine hormonelle Wirkung mehr hat und über die Nieren ausgeschieden wird.

Grenzwert für die tägliche Aufnahme

Für Bisphenol A hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) einen sogenannten TDI-Wert festgelegt. Die englische Abkürzung TDI steht für "tolerable daily intake" (tolerierbare tägliche Aufnahme). Dieser Grenzwert beziffert die geschätzte Menge, die ein Mensch ein Leben lang täglich aufnehmen kann, ohne einen nennenswerten gesundheitlichen Schaden davonzutragen. Er berücksichtigt auch besonders empfindliche Personengruppen wie Säuglinge und Kleinkinder. Der TDI für Bisphenol A liegt bei 0,05 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Manche Forscher halten diesen Grenzwert nicht für ausreichend.

Bisphenol A in Babyflaschen

Eltern von Säuglingen und kleinen Kindern interessieren sich vor allem für das Vorkommen von Bisphenol A in Babyflaschen und Beruhigungssaugern. Für sie ist wichtig zu wissen:

  • Nur wenn sich Bisphenol A zum Beispiel durch Erhitzen aus dem Polycarbonat herauslöst, kann es auch in das Kind übergehen.
  • Wenn Sie eine Babyflasche mit warmer Flüssigkeit befüllen, wird normalerweise kein Bisphenol A freigesetzt.
  • Anders verhält es sich, wenn Sie die Babyflasche zum Erhitzen in die Mikrowelle stellen. Hierbei kann sich Bisphenol A aus dem Plastik lösen, in die Nahrung übergehen und dann von dem Kind aufgenommen werden.

Die freigesetzten Mengen sind jedoch so gering, dass mit den üblichen Mahlzeiten der TDI-Wert nicht annähernd erreicht wird.

Beispiel: Angenommen ein Säugling mit fünf Kilogramm Körpergewicht würde täglich 700 Milliliter Babynahrung zu sich nehmen. Im ungünstigsten Fall sind in einem Liter Nahrung 10 Mikrogramm Bisphenol A enthalten. Dann nimmt der Säugling täglich 7 Mikrogramm Bisphenol A zu sich. Der TDI wird immer pro Kilogramm Körpergewicht angegeben. In unserem Beispiel nimmt der Säugling also täglich 1,4 Mikrogramm bzw. 0.0014 Milligramm Bisphenol A pro Kilogramm Körpergewicht zu sich. Damit unterschreitet die Zufuhr den TDI um das 35-fache.

Bisphenol A in Babyschnullern

Ein Schnuller setzt sich aus dem Saugteil und dem Kunststoffschild zusammen. Der Kunststoffschild besteht aus Polycarbonat und kann Bisphenol A enthalten, der Sauger selbst ist aus Latex oder Silikon.

Zur Herstellung des Saugteils aus Latex oder Silikon ist kein Bisphenol A erforderlich, das Saugteil würde viel zu hart und unbrauchbar. Im Herbst 2009 konnten Umweltschutzorganisationen dennoch den Stoff im Saugteil nachweisen. Untersuchungen konnten aber zeigen, dass Bisphenol A dabei nicht in den Speichel übergeht. So kann das Kind Bisphenol A nicht aufnehmen.

Die Befunde der Umweltschutzorganisationen konnten durch weitere Laboranalysen nicht bestätigt werden. In einer Untersuchung von 18 Schnullern verschiedener Marken und Hersteller durch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wurde nur in einem Sauger beim Gebrauch Bisphenol A freigesetzt, allerdings in einer sehr geringen, gesundheitlich unbedenklichen Menge.

Das BfR sieht hier allerdings weiteren Klärungsbedarf, da Bisphenol A in Saugern grundsätzlich unerwünscht und vermeidbar ist.

Die Bisphenol-A-Belastung verringern oder vermeiden

  • Erhitzen Sie Babynahrung oder Tee nicht im Fläschchen in der Mikrowelle. Hierbei geht am meisten Bisphenol A in den Inhalt über. Nehmen Sie zum Erhitzen stattdessen einen Topf und befüllen Sie erst anschließend das Fläschchen.
  • Achten Sie darauf, dass die Babyfläschchen möglichst wenige Kratzer aufweisen.
  • Sie können anstatt der Polycarbonatflaschen auch Flaschen aus Polyethersulfon verwenden. Diese sind aber erheblich teurer. Außerdem hat die Forschung Polyethersulfon bis jetzt nicht so gründlich untersucht wie Bisphenol A.
  • Alternativ zu Kunststoff können Sie auch Flaschen aus Glas verwenden.