Typische Ursachen für Schlafprobleme im Schulalter

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Typische Schlafprobleme der frühen Kindheit sind im Grundschulalter gewöhnlich vorbei. Doch auch jetzt kann das Ein- und Durchschlafen zuweilen noch schwerfallen.

Kind liegt mit offenen Augen und Kuscheltier im Bett © Getty Images
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Auch im Grundschulalter kann das Schlafen Probleme bereiten

Die meisten Kinder im Grundschulalter finden abends problemlos und schnell in den Schlaf, schlafen gut durch und wachen erholt auf. Aber eben nur die meisten. Zehn Prozent der Eltern von Grundschulkindern berichten von Ein- und Durchschlafproblemen ihrer Kinder und immerhin vier Prozent klagen darüber, dass ihre Kinder tagsüber müde sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität zu Köln und der Kinderklinik des Krankenhauses Porz am Rhein. In dieser Studie zum Schlafverhalten von Grundschulkindern zeigte sich auch, dass in vielen Fällen Eltern gar nicht mitbekommen, dass ihre Kinder Probleme mit dem Schlafen haben. Manche dieser Schlafprobleme haben körperliche Ursachen, die kinderärztlich abgeklärt und behandelt werden müssen. Doch viele typische Ursachen für Schlafprobleme im Grundschulalter können ohne größeren Aufwand vermieden werden.

Ängste, Sorgen und Schulstress können Kinder um den Schlaf bringen

Auch im Grundschulalter können Ängste Kindern das Ein- und Durchschlafen schwer machen. Allerdings geht es jetzt weniger um Gespenster und Monster, die in der Vorschulzeit so manche Nachtruhe stören können. Typische "Angstthemen" im Grundschulalter sind vielmehr die Angst vor dem Alleinsein und die Angst vor der Dunkelheit. Hinzu kommen Ängste und Sorgen, die sich aus der ganz konkreten Lebenssituation der Kinder ergeben: Belastungen in der Familie, Streit mit dem besten Freund oder der besten Freundin und Ähnliches können Kindern leicht den Schlaf rauben.

Doch auch schulischer Stress kann bereits im Grundschulalter schlaflose Nächte bereiten. Der Schuleintritt ist ein wichtiger Entwicklungsschritt mit neuen Anforderungen an ein Kind: Es muss lernen, sich immer länger zu konzentrieren, still zu sitzen, sich an Regeln zu halten. Es werden nun erstmals Leistungen gefordert, die auch bewertet werden. Die meisten Kinder kommen damit mehr oder weniger schnell zurecht und haben Freude am Lernen. Allerdings leiden Untersuchungen zufolge auch im Grundschulalter bereits immer mehr Kinder unter stressbedingten Schlafproblemen. Dabei können die schulischen Anforderungen vor allem dann zu einer starken, mit Ängsten verbundenen Belastung für das Kind werden, wenn die Erwartungen der Eltern den Druck zusätzlich verstärken. Deshalb ist es wichtig, dass Sie als Eltern keine zu hohen Erwartungen an Ihr Kind stellen und es darin unterstützen, auch mit Misserfolgen umgehen zu können. Versuchen Sie ihm immer wieder deutlich machen, dass es zum Lernen dazugehört, wenn es einmal schlechter abschneidet oder etwas nicht auf Anhieb klappt. Bleiben Sie mit Ihrem Kind im Gespräch und bieten Sie ihm tagsüber ausreichend Gelegenheit, von möglichen Sorgen und Nöten zu berichten. In Notfällen sollte auch abends am Bett noch Zeit dafür sein, eine Sorge los zu werden, die sonst vielleicht unnötigerweise mit in die Nacht genommen würde.

Alpträume, Schlafwandeln & Co. können die Nachtruhe stören

Alpträume, Schlafwandeln und der Nachtschreck, die im Kindesalter recht häufig vorkommen und meist unbedenklich sind, können auch im Grundschulalter noch manche Nacht stören. Während Schlafwandeln und Nachtschreckattacken in diesem Alter eher selten auftreten, scheinen Alpträume in diesem Alter noch verbreitet zu sein.

Wenn Ihr Kind häufig unter Alpträumen leidet, sollten Sie prüfen, wie seine Tage verlaufen. Denn Reizüberflutung, Stress und Fernsehen können die Auslöser von Alpträumen sein. Manchmal ist es schon hilfreich, ein wenig mehr Ruhe in den Alltag einkehren zu lassen, "Freizeitstress" zu reduzieren und den Fernsehkonsum einzuschränken. Besonders in der letzten Stunde vor dem Schlafengehen sollte am besten ganz auf Fernsehen verzichtet werden.

In den meisten Fällen haben sich die Probleme dann nach spätestens sechs Monaten von selbst gelegt. Ist dies nicht der Fall, sollten Sie mit Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Kinderärztin darüber sprechen.

Die "Medienflut" im Kinderzimmer gehört zu den häufigsten Schlafstörern

Fernsehen und Videospiele gehören zu den wichtigsten Schlafstörern im Grundschulalter. Sie beeinflussen nicht nur die kindliche Traumwelt und können Alpträume begünstigen, sie können auch Probleme mit dem Einschlafen verursachen. Nicht kindgerechte Fernsehbilder drängen sich Kindern gerade dann mit großer Macht auf, wenn sie in ihrem Bett liegen und nicht mehr von den Aktivitäten des Tages abgelenkt sind. Ein ruhiges und entspanntes Einschlafen ist dann fast unmöglich.

Umso bedenklicher ist es, dass in Deutschland mehr als die Hälfte der Erstklässler und über 80 Prozent der Viertklässler üblicherweise vor dem Zubettgehen fernsehen. Laut einer aktuellen deutschen Studie besitzen zwischen einem Drittel (München) und zwei Dritteln (Dortmund) der deutschen Viertklässler ein eigenes Fernsehgerät im Zimmer, ungefähr ein Drittel eine eigene Spielkonsole. Auch scheint es schon bei Grundschulkindern keine Seltenheit mehr zu sein, dass unter der Bettdecke SMS geschrieben werden.

Grundschulkinder brauchen kein eigenes Fernsehgerät und Handys sollten zumindest nachts aus dem Zimmer verbannt werden. Achten Sie als Eltern darauf, dass das Kinderzimmer zur Schlafenszeit zu einem Ort der Ruhe wird. Helfen Sie Ihrem Kind, zur Ruhe zu kommen, indem sie vor dem Schlafen noch ein wenig Zeit an seinem Bett verbringen, reden, singen oder vorlesen.

Zu spätes Zubettgehen verkürzt die Nachtruhe

Viele Kinder sind tagsüber müde, weil sie schlicht und einfach zu spät ins Bett gehen und zu wenig Schlaf bekommen. Als Eltern sollten Sie darauf achten, dass Ihr Grundschulkind eine "Netto-Schlafzeit" von ungefähr zehn Stunden einhält. Das heißt: Muss Ihr Kind beispielsweise um 6.30 Uhr aufstehen (was selbst im Grundschulalter keine Seltenheit ist), sollte es spätestens um 20.30 Uhr schlafen. Ins Bett gehen sollte es aber schon um einiges früher, denn hinzu kommt ja noch die Zeit für das Einschlafritual und natürlich für das eigentliche Einschlafen. Die Zubettgehzeit hängt also unter anderem davon ab, wie lange Ihr Kind gewöhnlich zum Einschlafen braucht.

Sollte Ihr Kind jedoch regelmäßig sehr lange zum Einschlafen brauchen, kann es durchaus auch sein, dass es einfach weniger Schlaf braucht. Sie können dann einige Tage lang ausprobieren, ob eine etwas spätere Schlafenszeit die Einschlafprobleme beseitigt und Ihr Kind am nächsten Tag dennoch ausgeschlafen und munter ist.