Aspekte der Gesundheitsförderung im Kindesalter

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Hintergründe und Informationen zur Gesundheitsförderung im Kindesalter.

Spielende Kinder in der Kita © Thinkstock
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Gesundheitsförderung und Prävention

Die zentralen Ziele von Gesundheitsförderung und Prävention sind, Menschen gesund zu erhalten und vor Krankheiten zu schützen und die Gesundheit der Menschen zu verbessern. Die beiden Ansätze gehen dabei von unterschiedlichen Fragestellungen aus. 

Prävention geht vor allem der Frage nach "was macht krank?", orientiert sich an pathogenen - "krank machenden" - Risiken, und möchte diese Risiken vermeiden oder zumindest verringern.  Präventive Maßnahmen orientieren sich daher in der Regel an bestimmten Risikofaktoren und vermitteln meist konkrete Empfehlungen. Beispiele solcher Präventivmaßnahmen sind

  • Impfungen zur Vermeidung von Infektionskrankheiten, 
  • Programme zur Förderung von gesunder Ernährung und ausreichender Bewegung zur Vermeidung von Übergewicht, 
  • Maßnahmen zum Schutz vor UV-Strahlung,  
  • die (verpflichtende) Nutzung von Kindersitzen im Auto zur Vermeidung von schweren Verletzungen durch Autounfälle. 

Grundlage für Konzepte, Strategien und Handlungsbereiche der Gesundheitsförderung sind die Empfehlungen der "Ottawa Charta" der Weltgesundheitsorganisation (WHO, 1986) und deren Weiterentwicklungen in den letzten drei Jahrzehnten.

Gesundheitsförderung im Sinne der "Salutogenese" stellt die Frage "was hält gesund?" in den Mittelpunkt und zielt darauf ab, Gesundheitsressourcen und -potenziale zu identifizieren und zu stärken sowie Belastungen zu senken.

Der Forschungsbereich "Resilienz" wiederum beschäftigt sich mit der Frage, wodurch psychische Widerstandsfähigkeit oder Festigkeit gegenüber widrigen Lebensumständen entsteht. Mit diesen unterschiedlichen Schwerpunkten interessieren sich beide Bereiche letztlich dafür, was Kinder brauchen, um sich gesund zu entwickeln. 

Der Blick der Gesundheitsförderung richtet sich insgesamt weniger auf klar abgegrenzte Themenfelder, sondern vielmehr auf eine umfassende Förderung der sozialen, psychischen und physischen Entwicklung, des eigenen Wohlbefindens und der Gesundheit.

Wesentliche Merkmale der Gesundheitsförderung sind danach:

  • Wechsel der Perspektive von der Verhütung von Krankheiten zur Förderung der Gesundheit und zu der Frage, wie Gesundheit entsteht und erhalten werden kann.
  • Orientierung an Schutzfaktoren, Kompetenzen und Ressourcen statt an Risiken, Defiziten und Prävention von Krankheiten.
  • Gesundheit als Kompetenz, sein Leben selbstbestimmt zu gestalten und zu bewältigen. Gesundheitsförderung auf der Ebene des Individuums.
  • Gesamtgesellschaftliches Verständnis von Gesundheit  und starke Orientierung auf die politische Gestaltung gesundheitsrelevanter Faktoren und Bedingungen auch in Zusammenarbeit mit Akteuren außerhalb des Gesundheitswesens.
  • Teilhabe aller Betroffenen und Beteiligten und Unterstützung von Selbsthilfeaktivitäten.
  • Orientierung an Lebenswelt und Alter und Umsetzung in "Settings" wie zum Beispiel Kita oder Familie sowie gesundheitsbezogener Gemeinwesenarbeit.
  • Beachtung gesundheitlicher Chancengleichheit und besondere Berücksichtigung sozial benachteiligter Menschen.

Wie gesund sind Kinder in Deutschland?

Die Formulierung von konkreten Zielen und Aktivitäten in den Bereichen Gesundheitsförderung und Prävention orientieren sich an Studien und Daten zu Kindergesundheit. Eine der umfassendsten repräsentativen Studien ist die "Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland" (KiGGS-Studie), die inzwischen aus zwei großen Erhebungen zwischen 2003 und 2012 Ergebnisse zum Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 17 Jahren liefert.

Die Daten belegen, dass Kinder die gesündeste Bevölkerungsgruppe in Deutschland sind. Nach Einschätzung der Eltern weisen 94 Prozent der Kinder und Jugendlichen einen sehr guten bzw. guten allgemeinen Gesundheitszustand auf. Die Daten zeigen aber auch, dass bei ca. 20 Prozent der Mädchen und Jungen Hinweise für psychische Auffälligkeiten vorliegen. Dabei werden sowohl das gesundheitliche Wohlbefinden als auch das Auftreten von gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Erkrankungen stark vom sozialen Status geprägt. Das spiegeln zum Beispiel die KiGGS-Ergebnisse zur Einschätzung des eigenen Gesundheitszustandes, die Daten zur Ernährung, zum Bewegungsverhalten und zum Auftreten emotionaler und psychischer Probleme wider.

Handlungsbereiche der Gesundheitsförderung bei Kindern

Ergänzend zu den oben genannten grundsätzlichen Zielen und Handlungsebenen der Gesundheitsförderung wurden in den letzten Jahren verschiedene Konzepte und Zielbereiche zur Gesundheitsförderung im Kindesalter erarbeitet. Grundlage ist neben aktuellen Studien zur Kindergesundheit immer auch die Erkenntnis, dass frühkindliche Entwicklungen und Erlebnisse entscheidend für die Ausbildung von Risiko- und Schutzfaktoren und das gesundheitsbezogene Verhalten und die Gesundheit im Erwachsenalter sind.

Handlungsbereiche der Gesundheitsförderung im Kindesalter sind vor allem: 

  • Frühe, altersgerechte Förderung der Entwicklung von Kindern: Im Mittelpunkt stehen zunächst der Aufbau einer sicheren Bindung, Ausprägung der sinnlichen Wahrnehmung sowie erste Schritte in der Entwicklung der Sprache und der Gefühle, später zunehmend soziales Lernen und die Entwicklung altersgemäßer Handlungskompetenzen.
  • Förderung einer gesunden Ernährung und ausreichender Bewegung: Während die Themen traditionell aus dem Bereich der Prävention kommen und früher eher isoliert betrachtet wurden, werden inzwischen die Wechselwirkungen zwischen Ernährung, Bewegung und Stressbewältigung berücksichtigt und ganzheitliche gesundheitsfördernde Ansätze verfolgt. 
  • Förderung der Sprache und Kommunikation als Grundlage für die aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und für den Zugang zum Bildungswesen.
  • Stärkung von individuellen Ressourcen und Schutzfaktoren der Kinder zur Bewältigung von Belastungen und zur Förderung einer gesunden psychischen Entwicklung, zum Beispiel Stärkung der Widerstandskraft (Resilienz) sowie Stärkung sozialer Ressourcen in Familie und Lebenswelt.

Neben den inhaltlichen Zielen und Handlungsbereichen umfassen die Konzepte zur Gesundheitsförderung in der Regel auch strukturelle Ziele, zum Beispiel sektorenübergreifende und interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen Kinder- und Jugendärztlichem Dienst, Kindertagesstätten, Kinder- und Jugendhilfe und Krankenkassen sowie die besondere Berücksichtigung sozial schwächerer Bevölkerungsgruppen.

Rolle und Einfluss von Eltern und Fachkräften in der Gesundheitsförderung

Die Weichen für die gesunde Entwicklung und den Erhalt körperlicher und psychischer Gesundheit werden bereits früh im Leben gestellt. Die Chancen von Kindern auf eine gesundes Leben und ihre Fähigkeiten, Schutzfaktoren zu entwickeln und gesundheitliche Risiken zu vermeiden, hängen davon ab, welche gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen und Einstellungen sie in den ersten Lebensjahren entwickeln und inwieweit sie unter förderlichen Lebensbedingungen aufwachsen, zum Beispiel mit einem verlässlichen Zugang zu unterstützenden Angeboten des Gesundheitswesens und der Kinder- und Jugendhilfe. 

Kinder sind eingebunden in Familien, Spielgruppen, Kitas, Nachbarschaften und Freundeskreise. Neben der Stärkung der individuellen Ressourcen der Kinder selbst, stehen daher die Stärkung der Kompetenzen der Eltern, der Familien und der Lebenswelt - insbesondere Kita oder Tagespflege - im Blickpunkt der Gesundheitsförderung. 

Lebenswelt Familie

In den ersten Lebensjahren erhalten Kinder vor allem von ihren Eltern und engsten Bezugspersonen Unterstützung bei der Bewältigung ihrer Entwicklungsaufgaben. Eltern vermitteln teils bewusst teils unbewusst entscheidende Ressourcen wie positive Lebensentwürfe, emotionale und soziale Kompetenzen, zum Beispiel durch Bindungs- und Erziehungsverhalten. Ganz konkret bestimmen Familien entscheidend den Tagesablauf und Lebensstil der Kinder und sind Vorbilder in der Lebensführung und im gesundheitsrelevanten Verhalten. Ein wesentliche Zielgruppe der Gesundheitsförderung von Kindern sind daher die Eltern und engsten Bezugspersonen. Diese gilt es zu unterstützen und in ihren Kompetenzen und der Erziehung ihrer Kinder zu stärken.

Lebenswelt Kita - Kinderbetreuung

Während noch vor einigen Jahren der Eintritt in die außerhäusliche Betreuung - Tagespflege oder Kindertagesstätte - in der Regel mit ca. drei Jahren erfolgte, sinkt das Eintrittsalter in den letzten Jahren deutlich. Damit steigt auch die Bedeutung der Kita-Fachkräfte und Tagespflegeeltern in der Begleitung und Unterstützung der frühkindlichen Entwicklung. Kitas sind in der Regel die erste außerfamiliäre Institution, die Kinder regelmäßig besuchen. Bis zur Einschulung hat nahezu jedes Kind eine Kindertagesstätte besucht. 

Kindertagesstätten und Kindertagespflege sind als wesentliche Handlungsfelder zunehmend in den Blickpunkt der Gesundheitsförderung geraten. Kennzeichnend für Kindertageseinrichtungen ist, dass sie (fast) alle Kinder erreichen und vor allem auch jene Teilgruppen der Bevölkerung, die Einrichtungen der Familienhilfe und des Gesundheitswesens sonst eher distanziert gegenüber stehen oder sie weniger gut nutzen können. 

Fachkräfte können die Kompetenzen und Ressourcen von Kindern für eine gesunde Entwicklung zielgerichtet anregen und Eltern darin unterstützen, die Gesundheit ihrer Kinder zu fördern. 

Auf der Grundlage zunehmender theoretischer und praktischer Erkenntnisse und Erfahrungen, gibt es inzwischen viele Veröffentlichungen in Form von Leitfäden, Handlungsempfehlungen und Programmen zur Gesundheitsförderung in Kindertagesstätten, die Fachkräfte in ihrer Arbeit mit Kindern und Familien unterstützen.

Link- und Lesetipps zu Aspekten der Gesundheitsförderung

Link- und Lesetipps zu Aspekten der Gesundheitsförderung

Weiterführende Informationen zu Strategien, Konzepten und Grundlagen der Gesundheitsförderung auf Bundes- sowie internationaler Ebene.

Ausgewählte Fachpublikationen der BZgA

Ausgewählte Fachpublikationen der BZgA

Die in den Fachpublikationen veröffentlichten Ergebnisse und Dokumentationen verschiedener Forschungsprojekte, Expertisen, Studien und Tagungen haben zum Ziel, den Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis auszubauen und Grundlagen für eine erfolgreiche Gesundheitsförderung zu schaffen. 

Einige Publikationen sind nicht mehr in gedruckter Version verfügbar, können aber im Online-Bestell-System der BZgA unter "Fachpublikationen" als PDF-Datei heruntergeladen werden. Auch ältere Veröffentlichungen liefern häufig grundlegende Informationen, die noch immer aktuell und interessant für Fachkräfte aus Theorie und Praxis sind.