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Durch Impfen vermeidbare Infektionskrankheiten
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Wie häufig kommen Pneumokokken-Erkrankungen vor?
Durch Pneumokokken ausgelöste Erkrankungen kommen weltweit vor. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jedes Jahr zwei Millionen Menschen infolge einer Pneumokokken-Infektion. In Deutschland sind neben älteren Menschen hauptsächlich Säuglinge und Kleinkinder betroffen. Erkrankungen im Kindesalter kommen am häufigsten in den ersten fünf Lebensjahren vor. So erkranken jährlich etwa 970 Kinder unter fünf Jahren an einer Pneumokokken-Infektion. Zwei Drittel dieser Erkrankungen treten bereits in den ersten beiden Lebensjahren auf. In zwei bis zehn Prozent der Fälle verläuft die Erkrankung tödlich, bei etwa 15 Prozent der erkrankten Kinder entstehen bleibende Folgeschäden.
Wie werden Pneumokokken übertragen und wie verläuft die Erkrankung?
Die Bakterien mit dem wissenschaftlichen Namen Streptococcus pneumoniae werden wie bei einem grippalen Infekt durch Tröpfcheninfektion, das heißt meist durch Husten oder Niesen, übertragen. Sie sind vor allem dann gefährlich, wenn das Immunsystem ohnehin geschwächt ist, zum Beispiel infolge einer Viruserkrankung oder durch chronische Erkrankungen. Für Säuglinge und Kleinkinder besteht vor allem deshalb ein erhöhtes Erkrankungsrisiko, weil deren Immunsystem allein noch nicht in der Lage ist, eine Pneumokokken-Infektion abzuwehren. Da vorangegangene Infektionen der oberen Atemwege eine Pneumokokken-Infektion begünstigen, besteht vor allem in der kalten Jahreszeit das Risiko einer Ansteckung.
Fachleute unterscheiden je nach Aufbau der Außenhülle der Bakterien rund 90 verschiedene Untergruppen, sogenannte Serotypen. Für einen Großteil der Erkrankungen sind jedoch nur zehn bis 20 dieser verschiedenen Serotypen verantwortlich. Eine Ansteckung mit dem Erreger kann zu unterschiedlichen Erkrankungen führen. So wird ein großer Teil der eitrigen Hirnhautentzündungen im Kindesalter von Pneumokokken verursacht. Lungenentzündungen, Mittelohrentzündungen und Nasennebenhöhlenentzündungen können ebenfalls durch Pneumokokken verursacht werden. Eine gefürchtete Komplikation ist die Blutvergiftung (Sepsis), bei welcher es zu einer Überschwemmung des Blutkreislaufs mit Bakterien kommt. Die Erkrankungen können - auch abhängig vom Alter - ganz verschieden verlaufen.
Mittelohrentzündung: Mittelohrentzündungen werden zu einem erheblichen Anteil durch Pneumokokken ausgelöst. Sie entwickeln sich meist nach einem grippalen Infekt. Sie sind sehr schmerzhaft, häufig weinen die betroffenen Kinder schrill und laut und greifen sich mit den Händen an das Ohr. Oft kommt es zusätzlich zu Fieber und Kopfschmerzen.
Nasennebenhöhlenentzündung: Eine Entzündung der Nasennebenhöhlen tritt in der Regel erst bei Kleinkindern auf, da Nasennebenhöhlen bei Säuglingen noch nicht ausgebildet sind. Die Kinder bekommen hohes Fieber, dazu eitrigen Schnupfen, Kopfschmerzen und vor allem nachts chronischen Husten durch das in den Rachen laufende eitrige Sekret.
Lungenentzündung: Bei einer Lungenentzündung entzünden sich die Lungenbläschen und/oder das Lungenbindegewebe. Nicht immer geht der Lungenentzündung ein grippaler Infekt voraus. Auslöser können Viren, Bakterien, Pilze, aber auch chemische Reizstoffe und allergische Reaktionen sein.
Von der durch Pneumokokken verursachten bakteriellen Lungenentzündung sind eher Klein- und Schulkinder, seltener Säuglinge betroffen. Wenn es einem Kind, das seit einigen Tagen einen grippalen Infekt oder eine Bronchitis hat, nicht besser, sondern eher schlechter geht und seine Atmung sehr rasch und angestrengt wird, sollten Eltern an eine Lungenentzündung denken. Manchmal bewegt das an Lungenentzündung erkrankte Kind beim Atmen die Nasenflügel auf und ab. Der Husten ist eher trocken, es kommt zu sehr hohem Fieber. Um den Mund herum kann eine Blaufärbung auftreten.
Hirnhautentzündung: Pneumokokken sind gemeinsam mit den Meningokokken die häufigsten Erreger einer eitrigen Hirnhautentzündung (Meningitis). Zu Beginn bestehen grippeähnliche Symptome, zu welchen dann plötzlich einsetzende, starke Kopfschmerzen, hohes Fieber, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit und Nackensteifheit hinzukommen. Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome häufig schwieriger zu deuten. Wenn ein Kind schrill schreit, sehr unruhig oder auch auffallend teilnahmslos ist, Fieber hat und erbricht oder keine Nahrung zu sich nehmen will, sollte sofort eine Arztpraxis oder das nächstgelegene Krankenhaus aufgesucht werden.
Können Pneumokokken-Erkrankungen behandelt werden und welche Folgeschäden sind möglich?
Infektionen mit Pneumokokken müssen in jedem Fall vom Arzt behandelt werden. Je früher die Krankheit erkannt und mit Antibiotika behandelt wird, desto eher können schwere Verläufe und Komplikationen verhindert werden. Ein Problem kann jedoch sein, dass einige Erreger gegen die verfügbaren Medikamente resistent geworden sind und deshalb nicht mehr ausreichend bekämpft werden können. Dies trifft vor allem auf die Erreger zu, mit denen sich besonders häufig Kinder anstecken. Bei der Hirnhautentzündung besteht die Gefahr bleibender Folgeschäden wie Hirnnervenlähmungen, Bewegungsstörungen, Hörschäden bis hin zur Taubheit oder Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung.
Wie kann ich mein Kind schützen?
In den USA wird die Pneumkokken-Impfung schon seit längerer Zeit empfohlen. Dies hat dort zu einem deutlichen Rückgang der Erkrankungszahlen geführt.
In Deutschland empfiehlt die STIKO seit Juli 2006 die Impfung gegen Pneumokokken für alle Kinder ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat. Alle vier Impftermine, die zur vollständigen Immunisierung notwendig sind, können zeitgleich mit den anderen empfohlenen Impfungen wahrgenommen werden.
Aufgrund langjähriger Erfahrungen und sorgfältiger Prüfungen des Impfstoffes kann davon ausgegangen werden, dass die Impfung sehr gut verträglich ist und Nebenwirkungen nur sehr selten vorkommen.

