Portrait

Martina Abel

Martina Abel ist Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Mehr Sicherheit für Kinder und Expertin für die Verhütung von Kinderunfällen in Heim und Freizeit. In unserem gemeinsamen Themenchat "Kindliche Neugier braucht eine sichere Umgebung - Unfallverhütung zu Hause " am 11.06.2008 beantwortete sie persönlich Ihre Fragen. mehr...

Chatprotokoll

Chatprotokoll des Themenchats "Unfallverhütung" vom 11.06.2008

Die interessierte Teilnahme an unserem gemeinsam mit der BAG Mehr Sicherheit für Kinder durchgeführten Themenchat hat gezeigt, dass sich Eltern auf vielfältige Weise mit der Frage beschäftigen, wie sie ihre Kinder vor Unfällen schützen können. In diesem Chatprotokoll können Sie alle Fragen und die Antworten unserer Expertin Martina Abel in der zeitlichen Abfolge nachlesen.

Chatprotokoll

Moderatorin:

Herzlich Willkommen zum Themenchat "Unfallverhütung". Sie haben heute die Gelegenheit, Ihre Fragen rund um das Thema "Kinderunfälle zu Hause vermeiden - aber wie?" an unsere ausgewiesene Expertin Frau Abel zu stellen.

Moderatorin:

Guten Morgen Frau Abel. Wir freuen uns, Sie heute als Expertin im Chat zum Thema "Kinderunfälle zu Hause vermeiden - aber wie?" begrüßen zu dürfen. Möchten Sie sich zu Beginn kurz vorstellen?

Martina Abel:

Guten Morgen. Ich freue mich über Ihre Fragen zur Sicherheit von Kindern, denn wir wissen, dass wir mit sicherheitsbewusstem Verhalten viele Unfälle vermeiden können. Ich arbeite als Leiterin der Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder, einem Verein, der sich ausschließlich der Verhütung von Kinderunfällen widmet.

Moderatorin:

Vielen Dank. Dann stelle ich jetzt die erste Frage durch.

Frage von annek:

Wie gefährlich sind Steckdosen tatsächlich?

Martina Abel:

Steckdosen können zur tödlichen Gefahr werden, wenn ein Kind zum Beispiel einen Metallgegenstand in die Löcher steckt. Allerdings sind Stromunfälle in Deutschland seltener geworden, weil in 80 Prozent der Kinderhaushalte mittlerweile Steckdosensicherungen verwendet werden. Also unbedingt Steckdosenschutz einbauen, falls noch nicht vorhanden.

Frage von annek:

Ab welchem Alter lernen Kinder, Gefahren einzuschätzen?

Martina Abel:

Ein instinktives Sicherheitsverhalten haben Kinder bereits im ersten Lebensjahr. Zum Beispiel krabbelt ein Kind in der Regel rückwärts eine Treppe herunter. Im Alter von zwei Jahren können Kinder auch bereits Botschaften wie "Achtung" oder "heiß" verstehen und darauf reagieren. Aber erst mit fünf Jahren können Kinder akute Gefahren bewusst erkennen. Schließlich dauert es bis zum Alter von zehn Jahren, bis Kinder in komplexen Situationen wirklich sicherheitsbewusst handeln können, zum Beispiel im Straßenverkehr.

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Eltern sollten ruhig einmal versuchen, die Welt mit Kinderaugen zu sehen. Krabbeln Sie einmal auf allen Vieren durch die Wohnung, versuchen Sie sich als Entdecker, und sie werden feststellen, wie viel Spannendes, aber auch Gefährliches in Ihrer Wohnung zu finden ist. Die Murmel auf dem Boden zum Beispiel, die scharfe Tischkante, das Kabel, an dem man gerne ziehen möchte.

Frage von Nemo:

Mein Sohn, drei Jahre, will immer sehr hoch auf Bäume klettern. Ich weiß nicht, welche Höhe noch okay ist. Wie kann ich ihn sichern?

Martina Abel:

Wichtig ist, zu beobachten, wie Ihr Sohn sich bewegt. Ist er körperlich fit, kommt er gut auf die Äste, bewegt er sich sicher und gezielt. Also festzustellen, wo die Herausforderung für ihn beginnt.
Natürlich hängt es auch von der Gesamtsituation ab: die Beschaffenheit des Baumes, der Boden, die Ruhe, die Sie ausstrahlen. Trauen Sie Ihrem Kind etwas zu, aber schaffen Sie gute Bedingungen dafür, dass er sich sicher bewegen kann.

Frage von schmetterling:

Kann mein sechsjähriger Sohn in der ersten Klasse seinen Schulweg allein bewältigen? Wir wohnen in einer Kleinstadt.

Martina Abel:

Im Grundschulalter lernen Kinder Tag für Tag ihren Schulweg besser kennen. Sie können ihn auch alleine zurücklegen, wenn es die Verkehrsbedingungen zulassen. Wichtig aber ist, den Weg gemeinsam zu üben.
Ein Kind kann noch nicht wissen, welche Gefahren zum Beispiel eine Ausfahrt bergen kann. Sie müssen erst lernen, was eine Ausfahrt ist, woran man sie erkennt und warum sie gefährlich ist. Außerdem ist die kindliche Wahrnehmung noch nicht voll ausgereift. Deshalb ist Üben besonders wichtig!

Moderatorin:

Es gibt noch eine Rückfrage von annek...

Frage von annek:

Verstehe ich Sie richtig?: Ein Kind, das im Alter von zwölf Monaten eine Treppe runtergestürzt ist, weil es diese vorwärts heruntergehen wollte - so wie sein Bruder - lernt daraus nicht notwendigerweise, die Treppe rückwärts zu bewältigen. Dazu ist es noch zu jung?

Martina Abel:

Natürlich ist ein Kind mit einem Jahr zu jung, eine Treppe alleine zu bewältigen. Es ging ja eben um die Frage des Gefahrenbewusstseins. Das Kind spürt lediglich, dass es bei der Treppe "brenzlig" ist. Es braucht Ihren Schutz. Bis zum Alter von drei Jahren sind Treppenschutzgitter zu empfehlen, um das Risiko Treppe zu entschärfen. Und zugleich natürlich immer mit dem Kind gemeinsam die Treppe gehen und üben!

Frage von Sabine:

Wir haben ein offenes Treppenhaus im Wohnzimmer. Wie schütze ich mein Kind vor möglichen Gefahren?

Martina Abel:

Offene Treppenhäuser sind sehr gefährlich. Es gibt verschiedene technische Möglichkeiten, sie sicherer zu machen: Durch Abtrennungen, zum Beispiel mit Netzen oder Grünpflanzen. Sichere Bedingungen zu schaffen ist je nach Architektur aber trotzdem manchmal recht schwierig. Die einzige Alternative: eine gute Aufsicht durch die Eltern.
Wenn Sie mit Kindern leben, sollten bei der Wahl der Wohnung die Bedürfnisse der Kinder je nach Alter besonders im Zentrum stehen. Also bereits bei der Planung an die Kinder denken!

Frage von Monika:

Gibt es eine Broschüre zu dem Thema?

Martina Abel:

Eine sehr umfassende Broschüre zu den Gefahrenquellen in unterschiedlichen Altersstufen hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung herausgebracht. Sie finden dort viele Informationen rund um den Schutz von Kindern und die Verhütung von Unfällen. Dieser Elternratgeber kann bei www.bzga.de unter Bestellungen online bestellt werden.
Alle Informationen aus dieser Broschüre finden Sie auch im Internet aufbereitet unter www.kindergesundheit-info.de unter der Rubrik "Sicher aufwachsen".

Frage von annek:

Ab welchem Alter kann ich mein Kind in einem Hochbett schlafen lassen?

Martina Abel:

Wir raten grundsätzlich von Hochbetten ab, weil es sehr häufig schwere Stürze aus Hochbetten gibt. Die Hochbettnorm geht davon aus, dass Hochbetten für Kinder ab sechs in Ordnung sind, aber auch noch von sechs bis zwölf Jahren geschehen viele Unfälle mit Hochbetten. Sie sind eine der häufigsten Ursachen für schwere Kopfverletzungen - auch bei älteren Kindern.

Frage von Nicole:

Wie sicher sind die sogenannten TripTrap-Stühle (Hochstuhl)?

Martina Abel:

Hochstühle, die in Deutschland auf dem Markt sind, müssen der Norm entsprechen. Dennoch ist die Sicherheit der Hochstühle sehr unterschiedlich. Die TripTrap-Stühle gehören mit zu den sichersten Stühlen. Achten Sie darauf, dass der Stuhl mit der Größe des Kindes abgestimmt ist.

Frage von schmetterling:

Wie kann ich meinen Kindern beim Spielen in Haus und Garten Schutz bieten, ohne permanent bei ihnen zu sein...

Martina Abel:

Richten Sie ein Zimmer so ein, dass dort keine Gefahrenquellen sind. Das kann zum Beispiel im Kinderzimmer sein. Verschließbare Fenster, Steckdosensicherungen, genug Platz zum Spielen und altersgerechtes Spielzeug stehen bei der Sicherheit hier an erster Stelle. Dann können Kinder, sofern sie gut miteinander auskommen, ruhig auch eine Zeitlang alleine spielen. Halten Sie sich aber in Rufweite der Kinder, lassen Sie sie nicht alleine in der Wohnung! Auch im Garten können Kinder sicher spielen, sofern hier keine unkalkulierbaren Risiken vorhanden sind. Also ein Garten mit abgesichertem Gartenteich, mit verschlossenen Regentonnen, ohne herumliegendes Werkzeug und ohne Giftpflanzen.

Frage von Karen:

Ist es sinnvoll, meinem Kind auf dem Spielplatz den Fahrradhelm aufzulassen, um es bei Stürzen vor Kopfverletzungen zu schützen?

Martina Abel:

Helme müssen auf dem Spielplatz abgesetzt werden! Immer wieder strangulieren sich Kinder mit Helmgurten an Spielgeräten. Also, beim Fahrradfahren ist der Helm ein unverzichtbarer Lebensretter, aber auf dem Spielplatz gehört er nicht auf den Kopf!

Moderatorin:

Es gibt noch eine Frage zum Hochbett und Sicherheit.

Frage von Monika:

Weiß man Genaueres zu den Unfällen an Hochbetten? Passieren sie beim Spielen oder in der Schlafphase?

Martina Abel:

Sonderauswertungen aus Klinikdaten können Aufschluss über die Unfallhergänge geben, auch bei Stürzen aus Hochbetten. Hier wird in Kürze in Zusammenarbeit mit der Charité Berlin Genaueres in einer Studie ermittelt. Aus der Klinik wissen wir, dass gerade bei den Älteren viele Hochbett-Unfälle im Schlaf oder Halbschlaf passieren.

Frage von Karen:

Ich habe da noch eine Frage. Wir haben vor, für unsere Kinder (vier und sechs Jahre) eine Sprossenleiter (Deckenaufhängung) für das Kinderzimmer zu kaufen. Worauf müssen wir dabei achten?

Martina Abel:

Zuerst einmal sollte im Zimmer genügend Platz vorhanden sein. Wenn die Kinder klettern, vielleicht auch dabei schaukeln, kann es schnell zu Zusammenstößen kommen. Gut wäre auch ein weicher Teppich, der den Sturz im Falle eines Falles abfedern kann. Bei der Auswahl der Leiter können Sie eine Leiter suchen, die ein GS-Zeichen hat, also auf Sicherheit geprüft ist. Dann können Sie davon ausgehen, dass die Leiter selbst ok ist!

Moderatorin:

Es gibt noch eine Frage zum sicheren Schulweg...

Frage von Klaus:

Mein Sohn wird demnächst eingeschult. Wie kann ich mit ihm für einen sicheren Schulweg üben?

Martina Abel:

Bereits im Kindergarten oder auch in den ersten Schultagen haben viele Schulen oder die kooperierende Polizei Schulwegpläne, wo Sie den sichersten Weg zur Schule für Ihr Kind auswählen können. Gemeinsam gehen, in Ruhe Gefahrenpunkte erklären, richtiges Verhalten einüben.

Moderatorin:

Auch Isabella hat hierzu noch eine Frage.

Frage von Isabella:

Meine Tochter kommt dieses Jahr auf die weiterführende Schule. Sie wird wahrscheinlich mit dem Fahrrad zur Schule fahren. Ist das noch zu früh? Wenn nicht, was müssen wir beachten?

Martina Abel:

In der Regel machen die Grundschulen mit den Kindern einen "Fahrrad-Führerschein". Dabei geht man davon aus, dass ein Kind zur weiterführenden Schule das Fahrrad sicher nutzen kann, sofern der Schulweg zum Beispiel mit Radwegen ausgestattet ist.

Frage von Ulla:

Wie sollte ein Kind im Säuglingsalter schlafen? Auf dem Rücken, auf dem Bauch oder doch in der Seitenlage?

Martina Abel:

Der plötzliche Kindstod ist für Säuglinge eine Gefahr. Dabei gibt es einige Faktoren, die das Risiko senken können. Kinderärzte empfehlen die Rückenlage. Aber auch viele weitere Dinge beeinflussen den gesunden Schlaf des Babys. Umfangreiche Infos gibt es unter www.schlafumgebung.de

Frage von Rosalia::

Warum sind Kinder im Straßenverkehr eigentlich so gefährdet?

Martina Abel:

Der Straßenverkehr ist ein sehr komplexes Geschehen und für die kindliche Wahrnehmung und Motorik eine Riesen-Herausforderung. Aber: immer noch verunglücken die meisten Kinder als Mitfahrer im Auto, und zwar häufig deshalb, weil sie nicht richtig angeschnallt sind.

Frage von Monika:

Mein Mann wirft mir Überängstlichkeit im Umgang mit Gefahrensituationen bei unseren Kindern vor. Ich finde mein Verhalten aber durchaus angemessen. Wie verhalte ich mich? Ich möchte meine Kinder ja schützen, aber sie natürlich auch nicht verschrecken. Was kann ich tun?

Martina Abel:

Dass sich Eltern bezüglich der Sicherheitserziehung nicht einig sind und Risiken dabei genauso wie bei Ihnen von Müttern und Vätern unterschiedlich eingeschätzt werden, hören wir immer wieder.
Neben den geschlechtsspezifischen Unterschieden bezüglich Gefahreneinschätzung ist es aber grundsätzlich wichtig, dass die Erziehenden im Gespräch bleiben, sich austauschen und informieren. Das richtige Maß zwischen Behütung, Schutz, Erfahrungen zulassen zu finden ist ein Balanceakt - leider!

Frage von annek:

Was muss ich bei der Wahl des Kindersitzes beachten? Kann ich auch bedenkenlos gebrauchte Sitze kaufen oder übernehmen?

Martina Abel:

Wir raten vom Kauf gebrauchter Sitze ab. Die "Vorgeschichte" eines Sitzes kann dessen Sicherheits-Leistung erheblich beeinflussen. Bei der Wahl sind zuerst einmal Alter und Größe des Kindes ausschlaggebend. Die Stiftung Warentest hat aktuell viele Sitze getestet, wobei mehrere Sitze gut abschneiden.

Frage von Rosalia:

Kann ich mit meiner zehnjährigen Tochter ins Phantasialand fahren, ohne mir große Sorgen um die Sicherheit meiner Tochter zu machen?

Martina Abel:

Freizeitparks werden zertifiziert und müssen viele Bau- und Sicherheitsauflagen erfüllen. Die Geräte und Fahrgeschäfte sind in der Regel sehr sicher. Trotzdem geschehen dort Unfälle- weil die Kinder sich anders verhalten als "geplant", weil sie toben und experimentieren.

Frage von Armide:

Wie sicher sind Fahrradanhänger (Zweisitzer), sollte man diese im Straßenverkehr nicht benutzen? Wenn ja, wo erfahre ich welche empfehlenswert sind?

Martina Abel:

Die Fahrradanhänger werden von Verkehrssicherheitsexperten eindeutig als sicherer eingestuft als Fahrradsitze. Sie sind eindeutig zu empfehlen. Bei der Auswahl bietet auch hier das GS-Zeichen Orientierung und auch kann man bei Stiftung Warentest Testergebnisse bekommen.

Moderatorin:

Monika hat noch eine Anmerkung zu ihrer Frage. Es ging um das Thema Überbehütung...

Frage von Monika:

Die Antwort hilft mir nicht so wirklich weiter...

Martina Abel:

Es gibt hier leider keine "Rezepte". Kinder sollten nicht in Watte gepackt werden. Erfahrungen sind wichtig, vor allem Bewegungserfahrungen, damit Kinder lernen, angemessen auf Gefahren zu reagieren. Sie müssen erfahren, wo die Herausforderung beginnt, wo die Angst uns warnt, wo wir mit richtigem Verhalten positiv Einfluss auf eine riskante Situation nehmen. Dies ist ein lebenswichtiger Prozess...
Aber Eltern können eben Kinder vor unkalkulierbaren Risiken schützen! Kein Kind kann ahnen, dass zum Beispiel ein Teppich wegrutscht, oder dass aus der Leitung glühend heißes Wasser herauskommen kann!

Frage von Rosalia:

Kann eine Achterbahn schädlich für den Rücken meiner Tochter sein?

Martina Abel:

Diese Frage ist kaum zu beantworten. Experten sind sich sehr uneins darüber, was ein kindlicher Rücken "aushält". Diese Diskussion findet sich zum Beispiel beim Thema Schulranzen. Ich würde aber keine wirkliche Gefahr für den Rücken sehen, sofern es sich um ein gesundes und normal entwickeltes Kind handelt.

Frage von tatjana:

Wir möchten in unserem Garten einen Gartenteich anlegen. Wie gefährlich ist ein Gartenteich mit 80 cm Wassertiefe für Kinder? Ist es sinnvoll den Teich mit einem Netz abzudecken?

Martina Abel:

Gartenteiche sind für Kleinkinder sehr gefährlich. Jährlich ertrinken bis zu zehn Kinder im Gartenteich! Das liegt daran, dass auch schon 20 cm flaches Wasser ausreichen kann, dass ein Kind darin ertrinkt. Ich würde Ihnen empfehlen, den Teich erst später anzulegen, wenn Ihr Kind vier Jahre alt ist.
Wollen Sie nicht auf den Teich verzichten, dann unbedingt abdecken. Gitter, Netze kommen in Frage, aber Achtung: Wenn das Kind darauf krabbelt, kann es bei einem Netz auch einsinken!

Moderatorin:

Es gibt noch eine Anmerkung von Monika...

Frage von Rosalia:

Ok, es ist ein Prozess, in dem immer wieder neu beobachtet und entschieden werden muss. Dass Sie da das Thema Überbehütung daraus machen, finde ich nicht in Ordnung. Es ist ja eher ein Konflikt, den man führt. Wer beurteilt, ob der Partner die Situation richtig eingeschätzt?

Martina Abel:

Das Wort Überbehütung habe ich deshalb verwendet, weil Eltern uns oft danach fragen: Wann fängt "Über"-Behütung an. Das Wort ist negativ besetzt, muss es aber nicht sein, denn Behüten, auf der Hut sein - das gehört zum Unfallschutz dazu.

Frage von Rosalia:

Wann darf ein Kind im Auto auf dem Beifahrersitz sitzen?

Martina Abel:

Der Beifahrersitz ist der unsicherste Platz im Auto. Ein Kind darf - rein rechtlich - mit dem passenden Kindersitz dort sitzen. Ich würde es aber nur dort sitzen lassen, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, wie zum Beispiel beim Transport von mehreren Kindern.

Frage von Tine25:

Wir wohnen zwar in einem kleinen Ort, doch unsere Straße ist recht stark befahren. Viele Freunde unseres Kleinen (fünf Jahre) spielen tagsüber unbeaufsichtigt, fahren Rad oder jagen auf ihren Skateboards die kurvige Straßenabfahrt herunter. Ich habe dies unserem Jungen verboten - er versteht natürlich nicht, warum er nicht darf, was andere tun, ist beleidigt. Wie soll ich nun handeln?

Martina Abel:

Da sind Sie in keiner einfachen Situation. Da ich Ihre Wohnumgebung nicht kenne, ist Ihre Frage nicht direkt zu beantworten. Wie wäre es, wenn Sie sich mit den Nachbarinnen über dieses Thema unterhalten? Im Zweifelsfall sind aber Sie diejenige, die bestimmt, und das können Sie Ihrem Kind auch vermitteln.

Moderatorin:

Dann stelle ich jetzt die letzte Frage durch...

Frage von Claudia:

Kann man Kleinkinder bedenkenlos in einem Planschbecken spielen lassen? Was muss ich beachten beim Kauf eines Planschbeckens?

Martina Abel:

Bedenkenlos nicht, denn es kommt auch vor, dass Kleinkinder im Planschbecken ertrinken. Also unbedingt die Kinder im Blick behalten! Auf dem Markt befindliche Planschbecken unterscheiden sich vor allem hinsichtlich Haltbarkeit und chemischer Sicherheit (Plastik). Das GS-Zeichen zeigt Ihnen, dass es sich um ein sicherheitsgeprüftes Becken handelt.

Moderatorin:

Es gibt noch eine Frage und Anmerkung zu geschlechtsspezifischen Unterschieden bzgl. Gefahreneinschätzung. Mögen Sie sich hierzu noch kurz äußern?

Frage von mamalilli:

Sie schreiben, dass es geschlechtsspezifische Unterschiede bzgl. Gefahreneinschätzung gibt, ist das so?

Martina Abel:

Aus den Unfallzahlen bei Erwachsenen sehen wir, dass Männer selbst etwa doppelt so häufig Verletzungen erleiden als Frauen. (Auch schon bei Kindern sind Jungen stärker unfallgefährdet als Mädchen.) Vereinfacht gesagt: Männer verhalten sich riskanter, bewegen sich auf "härtere" Weise und achten weniger auf ihre Gesundheit.

Moderatorin:

Der Chat ist nun zu Ende. Wir bedanken uns recht herzlich bei Ihnen für die rege und interessante Diskussion und Frau Abel für die hilfreichen Informationen. Den Verlauf des Chats können Sie in Kürze auf den Seiten von www.kindergesundheit-info.de einsehen. Wir wünschen Ihnen noch einen schönen Tag! Auf Wiedersehen.

Martina Abel:

Ihnen alles Gute für einen schönen und sicheren Alltag!

 
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