Kinder denken anders - die geistige Entwicklung des Kindes
Das kindliche Denken entwickelt sich von Geburt an. Es ist eng verknüpft mit der Entwicklung in anderen Entwicklungsbereichen.
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Die geistige Entwicklung ist ein vielschichtiger Prozess. Er ist vor allem mit der Bewegungsentwicklung, der sinnlichen Wahrnehmung wie Hören, Sehen, Fühlen und dem Erlernen der Sprache verknüpft. Im Zusammenspiel von Anlagen, Reifung und Erfahrung lernt Ihr Kind allmählich, immer komplexer zu "denken", wenn auch noch auf seine eigene, kindliche Weise. Denn bis ein Kind "erwachsen" denkt, ist es noch ein langer Weg.
Kinder sind von Geburt an neugierig. Sie wollen die Welt verstehen und daran teilhaben. Ausführliche Informationen, wie sich das Denken Ihres Kindes im ersten Lebensjahr entwickelt, finden Sie in den Basisinformationen "'Denkschritte' im ersten Lebensjahr" in der Rubrik "Vom Säugling zum Kleinkind: Entwicklung im 1. Lebensjahr".
Mit Beginn des zweiten Lebensjahres beginnen Kinder, sich mit räumlichen Beziehungen auseinanderzusetzen und ihre räumliche Vorstellung zu entwickeln:
Ihr Kind kann nun seine Erfahrungen immer mehr aktiv einsetzen: Wenn der Turm aus Bauklötzen nach unzähligen vergeblichen Versuchen auf einmal stehen bleibt, weil zufällig ein großer Stein zuunterst liegt, wird Ihr Kind von sich aus bei seinen nächsten Turmbauten mit einem großen "Grundstein" beginnen.
Etwa zur selben Zeit beginnt sich Ihr Kind vermutlich dafür zu interessieren, wie die Dinge funktionieren und wie es sie handhaben kann. Es möchte immer mehr selbst machen: sich mit der Bürste die Haare kämmen, allein mit dem Löffel essen, mit dem Telefonhörer am Ohr telefonieren. Dabei entwickelt es eine immer deutlichere Vorstellung von Handlungen.
Ab etwa anderthalb Jahren erkennen Kinder, dass Gegenstände gleich oder verschieden groß sein können. Sie beginnen, Dinge nach bestimmten Eigenschaften zu unterscheiden und zu sortieren und können einfache Formen wie Kreise oder Dreiecke schon bald sicher zuordnen:
Gegen Ende des zweiten Lebensjahres besitzt Ihr Kind bereits eine stabile innere Vorstellung von Gegenständen und Handlungen, die es sich in seinem Spiel einprägt. Wenn etwas nicht vorhanden ist, kann es sich diesen Gegenstand denken oder ein anderer Gegenstand bekommt einfach dessen Bedeutung:
Nach und nach entwickelt Ihr Kind nun die Fähigkeit, sich das Ergebnis einer Handlung vorzustellen, ohne dass es dies praktisch ausprobieren müsste. Aber: Denken und Tun können noch verwechselt werden. Nach dem Motto "Gedacht, getan" glaubt Ihr Kind dann, etwas schon getan zu haben, was es nur gedacht hat.
In ihrem dritten Lebensjahr kennen Kinder zwar schon Zusammenhänge von Ursache und Wirkung, können aber beides noch nicht wirklich voneinander unterscheiden:
Je mehr sich Ihr Kind sprachlich ausdrücken kann, umso mehr ist es in der Lage, Gesetzmäßigkeiten zu erkennen, zu verallgemeinern und zu ordnen. Es bezieht zunehmend Maße, Symbole und Zeichen in sein Denken mit ein und entwickelt einen geradezu unstillbaren Wissensdurst: Von allem und jedem möchte es wissen: "Wie ist das und warum ist das so?"
Gleichzeitig wird das Denken nun zunehmend von der "magischen Phase" bestimmt: In der Vorstellung eines Kindes ist während dieser Phase nahezu alles möglich. Über Einzelheiten informiert Sie der Artikel "Die magische Phase" (siehe links "Zum Thema").
Ab etwa vier Jahren entwickeln Kinder ein enormes Gedächtnis und beginnen, einfache Mengen- und Zeitbegriffe zu verstehen:
Die Vorstellungen der magischen Phase werden nun zunehmend von dem Kind selbst hinterfragt und weichen langsam aber stetig einem realistischen Denken.
Ab etwa fünf Jahren können Kinder die Lösung einer Aufgabe mehr und mehr durchdenken, ohne sie konkret ausprobieren zu müssen. Allerdings lernen sie auch jetzt immer noch am besten durch Erfahrung und eigenes Tun.
Ihr Kind entwickelt allmählich ein Zeitgefühl und hat das Bedürfnis, zu lernen und etwas zu leisten - es wird jetzt bereit für die Schule. Vielleicht versucht es auch schon, seinen Namen aus Buchstaben zusammenzusetzen oder übt sich im Zählen.
Möglicherweise interessiert sich Ihr Kind aber auch noch gar nicht dafür, denn nicht für jedes Kind ist mit fünf Jahren die Welt der Zahlen und Buchstaben schon interessant. Jede Beschäftigung damit sollte deshalb immer freiwillig und spielerisch sein und vor allem Spaß machen.
Im vierten Lebensjahr geben sich Kinder nicht mehr zufrieden mit dem, was offensichtlich und sichtbar ist: Mit ihren unermüdlichen Fragen "Warum, wieso, wie, woher, wo, wann?" fragen sie nun verstärkt nach den Hintergründen "ihrer Welt".
Gleichzeitig werden Denken, Fühlen und Handeln Ihres Kind immer noch maßgeblich durch die magische Phase beeinflusst.
Im Alter zwischen sechs und sieben Jahren wird das kindliche Denken zunehmend logisch, auch wenn es immer noch an das Hier und Jetzt gebunden ist.
Ab etwa zwölf Jahren unterscheidet sich die Fähigkeit zu denken schließlich kaum noch von der von Erwachsenen.
Jedes Kind entwickelt seine geistigen Fähigkeiten auf seine Weise und in seinem eigenen Tempo. Es können sich jedoch auch deutliche Verzögerungen zeigen. Oft sind es Schwächen in anderen Entwicklungsbereichen, welche die Lernfähigkeit des Kindes beeinträchtigen. Bei manchen Kindern können auch genetische Ursachen oder eine organisch bedingte Schädigung des Gehirns in unterschiedlichem Maß die geistige Entwicklung beeinträchtigen.
Informationen zur Entwicklung von Kindern in verschiedenen Altersstufen, zu Erziehungsfragen, zum Familienleben und zu Hilfen in Krisensituationen.
eltern-im-netz.de ZBFS| 24.04.2012Informationen, praktische Tipps und Fachbeiträge u.a. zu Themen der Entwicklung und Erziehung von Kindern, des Familienalltags und der Familienbildung.
familienhandbuch.de IFP | 16.03.2012Infos über Ziele und Anliegen der Liga, Beiträge zur kindlichen Entwicklung und zum Elternsein sowie gut sortiertes Verzeichnis von Adressen und Links für Eltern.
liga-kind.de Deutsche Liga| 17.04.2012
Ihr Sohn erzählt ganz sicher keine Lügengeschichten! Insbesondere zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr bestimmt die sogenannte magische Phase weitgehend das kindliche Denken und Handeln. Das, was Sie als "Lügengeschichte" empfinden, ist für Ihr Kind Wirklichkeit: Es erzählt Ihnen wahrscheinlich von tatsächlich Erlebtem und versucht es durch seine magische Vorstellungen auch gleich zu erklären. Das ist eine normale und wichtige Entwicklungserscheinung. Für Sie als Eltern ist die Vorstellung Ihres Kindes nicht immer leicht zu durchschauen - aber keinesfalls sollten Sie die Geschichten Ihres Sohnes als "Lügengeschichten" abtun.