Digitale Spielwelten

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Digitale Spiele auf Smartphones, Tablets oder Spielekonsolen sind bei vielen Kindern beliebt. Einige Besonderheiten sind zu beachten.

Zwei Jungs spielen mit einer Spielekonsole © Thinkstock
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Veränderte Spielwelten

Während ferngesteuerte Autos, sprechende Puppen oder Gesellschaftsspiele mit "sprechenden Elementen" vor Jahrzehnten noch etwas Besonderes waren, ist elektronisches Spielzeug inzwischen nicht mehr aus den Kinderzimmern wegzudenken. Viele Verlage kombinieren auch Brettspiele und Bücher mit elektronischen Elementen wie Animationen und Geräuschen.  

Spiele am Computer oder einer Spielekonsole waren vor einigen Jahren vor allem älteren Kindern und Erwachsenen vorbehalten. Aber sowohl das Angebot der Spiele als auch die Ausstattung mit Mediengeräten in Familien haben sich stark verändert. So sind in der Medienausstattung in den letzten Jahren vor allem zwei starke Anstiege zu verzeichnen: Smartphones als mobile "Mini-Computer" und Internetzugänge als "Tor zur grenzenlosen Welt" sind inzwischen in fast allen Haushalten vorhanden. Daher wundert es nicht, dass digitale Medien nicht nur fester Bestandteil der Lebenswelt von Kindern geworden sind, sondern auch in deren Spielwelt Einzug gehalten haben: Über die Hälfte der Klein- und Vorschulkinder spielen mehrmals in der Woche Spiele an Computer und Konsolen oder online. Vor allem Spiele auf Smartphones werden dabei immer beliebter.

Auch digitale Spiele sind Spiele

Spielen ist ein Grundbedürfnis von Kindern und wichtig für eine gesunde Entwicklung. Kinder spüren beim Spielen Anerkennung und erleben Gefühle wie Erfolg, Stolz, Freude und Wut. Im Spiel sammeln Kinder außerdem grundlegende Erfahrungen und machen sich mit der Welt vertraut. Spiele sind für viele Eltern vor allem "klassische" Spiele wie zum Beispiel Brettspiele, Puzzle, Kartenspiele, Rollenspiele oder auch Konstruktionsspiele. Bei "digitalen Spielen" an Computer, Spielekonsole oder Smartphone tun sich manche Eltern schwer, auch diesen Spielen positiv gegenüberzustehen. Inzwischen können aber auch viele Eltern auf eigene Erfahrungen mit Computerspielen zurückblicken und nachvollziehen, dass auch Spiele auf Computer oder Konsolen Spaß machen können.  

Egal ob "klassisch" oder "digital": Jedes Kind ist anders und jedes Kind spielt auch anders. Und auch für digitale Spiele gilt: Wie Kinder Medien handhaben, verstehen und wahrnehmen, hängt von verschiedenen Faktoren ab - vor allem von ihrem Entwicklungstand, ihren Medienerfahrungen und ihrer aktuellen Lebenssituation. Der Spielemarkt ist aber inzwischen so groß, dass für alle Vorlieben und Entwicklungsstufen etwas dabei ist.

Schaden digitale Spiele der Entwicklung?

Digitale Spiele an Computer, Smartphone oder anderen Mediengeräten bieten - genau wie andere Medien - Chancen und bergen Risiken. Problematisch wird die Nutzung immer dann, wenn Spiele nicht alters- und entwicklungsgerecht sind, und wenn sie keine Zeit lassen, sich alternativ zu beschäftigen und gemeinsame Zeit in der Familie oder mit Freunden  zu verbringen. Gerade bei Kindern sind direkte Erfahrungen mit allen Sinnen, viel Bewegung und Kontakt zu anderen Kindern wichtig für eine gesunde Entwicklung. 

Spiele-Apps - Hauptsache kindgerecht

"Minispiele" als App auf dem Smartphone oder Tablet sind schon für kleine Kinder reizvoll, da sich erste Aufgaben in der Regel sehr einfach und ohne große Anleitungen  lösen und die berührungsempfindlichen Oberflächen leicht bedienen lassen. 

Für Eltern sind Spiele-Apps oft praktisch, da sie auf dem Smartphone immer griffbereit sind. Beliebt sind interaktive Apps, die erste Medienhelden spielen lassen oder Mischformen aus Lesen und Spielen.

Wichtig ist auch hier, dass Kinder altersgerechte Apps nutzen, die sie nicht überfordern. Die sogenannten "App-Stores", in denen Apps heruntergeladen werden können, haben eigene Alterseinstufungssysteme, die nicht dem deutschen Jugendschutz unterliegen. Ob eine App für Ihr Kind geeignet ist, hängt - wie auch bei anderen Medien - davon ab, welche Vorlieben und welche Kenntnisse es im Umgang mit digitalen Spielen bereits gesammelt hat. Um dies herauszufinden, testen Sie Anwendungen am besten zunächst selbst und danach mit Ihrem Kind gemeinsam. Inzwischen gibt es außerdem verschiedene Übersichten und Empfehlungen für altersgerechte Apps (siehe Wegweiser Medien).

Computer- und Konsolenspiele - Hauptsache altersgerecht

Computer- und Konsolen-Spiele, die nicht online, sondern auf Trägermedien angeboten werden, werden vor der Veröffentlichung von der USK -Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle geprüft und entsprechend gekennzeichnet. Die USK legt auf Grundlage des deutschen Jugendschutzgesetzes eine Altersfreigabe für Computer- und Konsolenspiele fest. Aber auch hier gilt: Die Altersfreigaben sagen nichts darüber aus, ob die Spiele für Kinder geeignet, also kind- oder entwicklungsgerecht sind, und sie stellen auch keine Empfehlungen dar. Sie informieren nur darüber, dass das Spiel aus Sicht des Jugendschutzes unbedenklich ist. 

Die Wahrnehmung von Handlungen und Darstellungen in digitalen Spielen kann sich dabei auch bei Kindern gleichen Alters stark unterscheiden. Die Entscheidung und Abwägung, inwieweit digitale Spiele für ein Kind geeignet sind oder nicht, müssen Sie als Eltern daher individuell für Ihr Kind treffen.  

Online-Spiele: Spielen ohne Grenzen?!

Online-Spiele stellen eine besondere Form der digitalen Spiele dar, da sie nicht nur auf digitalen Medien gespielt werden, sondern zusätzlich eine Verbindung mit dem Internet benötigen. Dadurch ist es zum Beispiel möglich, mit oder gegen andere Personen - weltweit - zu spielen. Diese Online-Rollen-Spiele sind vor allem bei älteren Kindern und Jugendlichen beliebt. Neben den Inhalten der Spiele, sollten Eltern daher auch die grundsätzlichen Risiken im Blick haben, die bei der Nutzung des Internets entstehen, sowie die folgenden Aspekte:

  • Alterskennzeichung: Online-Spiele unterliegen keiner einheitlichen und gesetzlich geregelten Kennzeichnungspflicht.
  • Kosten: Die Anschaffungskosten von Online-Spielen sind meist gering, aber die ständige Verbindung mit dem Internet und mobiler Datenverbrauch müssen berücksichtigt werden. Außerdem können Produktwerbung und In-App-Verkäufe zum Kauf zusätzlicher Elemente verleiten.
  • "Suchtgefahr": Vor allem Online-Rollen-Spiele verleiten ältere Kinder und Jugendliche dazu, länger zu spielen als vorgesehen, da sie kein Ende haben und - auch während man selbst nicht spielt - von anderen weitergespielt werden. (Stand: 30.04.2015)