Vorlesen und Erzählen - ein Schatz für die Entwicklung

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Kinder lieben es, Geschichten vorgelesen zu bekommen. Tolle "Nebenwirkung": Vorlesen macht schlau!

Frau liest Kind etwas vor © Stiftung Lesen
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Vorlesen und Erzählen macht Lust auf Sprache

Schon im ersten Lebensjahr können Sie Ihr Kind gar nicht genug "mit Sprache verwöhnen" – zum Beispiel indem Sie ihm etwas erzählen oder gemeinsam mit ihm Bilderbücher anschauen. Denn Vorlesen und Erzählen unterstützen das Sprechenlernen, und das von Anfang an.

Spätestens, wenn Ihr Kind - meist um den ersten Geburtstag herum - mit dem Sprechen beginnt, kann es mit dem Vorlesen richtig losgehen - und das ist "Fördern pur". Denn Kinder, denen viel erzählt und vorgelesen wurde, tun sich später in der Schule mit dem Lesen und Schreiben, aber auch in anderen Fächer meist leichter. Und das Schöne daran ist, dass es auf diese Art genussvoll und mit Spaß immer mehr mit Sprache vertraut wird und lernt. Denn während Ihr Kind gespannt den Geschichten lauscht, lernt es ganz "nebenbei" eine Menge neuer Wörter und Ausdrücke kennen und nimmt sie in seinen Wortschatz auf. Es wird mit der Schriftsprache vertraut, Satzmuster prägen sich ein und Sprache wird in vielfältigen Varianten und Stilen kennen gelernt. Und ganz nebenbei "profitieren" noch die Konzentrationsfähigkeit, das Vorstellungsvermögen, das Zurück- und Vorausdenken sowie das Gedächtnis davon.

Geschichten zuhören verleiht der Fantasie Flügel

Im Gegensatz zum Fernsehen, das alle Bilder schon vorgibt, lässt das Erzählen und Vorlesen der Vorstellungskraft Ihres Kindes Raum. Mithilfe seiner Fantasie erzeugt es selbst "innere Bilder" und geht beim Zuhören auf Reisen - in andere Zeiten, Erfahrungs- und Gefühlswelten. Dabei trainiert Ihr Kind sein abstraktes Denken, seine Kreativität wird gefördert und es lernt, sich in andere hineinzuversetzen. Zugleich erfährt es aber auch, dass es mit seinen Gefühlen nicht allein ist und dass es andere gibt, die Ähnliches empfinden (zum Beispiel Liebe, Eifersucht, Wut).

Vom Vorlesen zur Lese-Lust

Geschichten vorlesen ist einer der schönsten Wege, um Kinder zum Lesen zu bringen - und der, der den größten Erfolg verspricht. Kinder werden hierbei spielerisch in die Welt der Bücher und der Literatur eingeführt, sie lernen Geschichten lieben und Sprache schätzen. Untersuchungen zeigen: Wem viel vorgelesen wurde, der wird später meist auch ein begeisterter Leser oder eine begeisterte Leserin. Dabei gehört Lesen mit zum wichtigsten für das gesamte schulische und berufliche Leben. Aber das ist nicht alles. Lesen ist auch eine erfüllende Freizeitbeschäftigung, ein Genuss, der viele Menschen durch ihr ganzes Leben begleitet - Lese-Ratten können sich das Lesen aus ihrem Leben gar nicht mehr "wegdenken".

Momente der Ruhe, Geborgenheit und Nähe

Das Vorlesen und Erzählen ist eine wunderbare Art, in einem Alltag, der auch schon für die ganz Kleinen oft anstrengend ist, "Inseln der Ruhe" zu schaffen. Oft sind Kinder von all den Angeboten und Anforderungen des Tages überfordert. Sie werden müde, überreizt und "grantig". Sie finden dann allein aus ihrer Überdrehtheit nicht mehr heraus und brauchen die Hilfe Erwachsener. Das sind gute Momente, um sich mit Ihrem Kind gemütlich auf das Sofa zu kuscheln, ein schönes Buch zur Hand zu nehmen und es gemeinsam mit Ihrem Kind anzuschauen oder zu lesen. In dieser Ruhe, Geborgenheit und Nähe kann Ihr Kind - und auch Sie selbst - wieder "auftanken". Gerade auch abends vor dem Schlafengehen ist dies eine gute Art, die Aufgeregtheit des Tages abzulegen und langsam zur Ruhe zu kommen. Deshalb ist es sinnvoll, das Vorlesen in das Abendritual einzubauen.

Übrigens: Vorlesen kann gerade auch für "Spielmuffel" eine schöne Art sein, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen!

Tipps fürs Vorlesen und Erzählen

Damit das Vorlesen und Erzählen zu einer Freude für alle wird, hier einige Tipps:

  1. Grundsätzlich gilt: Je kleiner Kinder sind, desto besser ist das Erzählen im Vergleich zum Vorlesen, da beim Erzählen stärker auf das Befinden des Kindes eingegangen werden kann: Verliert Ihr Kind das Interesse, können Sie die Geschichte spannender machen, bekommt es Angst, können Sie es in den Arm nehmen und die Situation auflösen usw.
  2. Wenn Sie kein routinierter Erzähler sind: Fangen Sie einfach mit einer Geschichte an, die Sie schon oft vorgelesen haben oder gut kennen, zum Beispiel mit einem Märchen. Sie werden sehen, Schritt für Schritt wachsen Sie in das Erzählen hinein.
  3. Schaffen Sie für das Erzählen und Vorlesen eine schöne, ruhige und gemütliche Atmosphäre: Kuscheln Sie sich mit Ihrem Kind aufs Sofa oder Bett, schalten Sie störende Nebengeräusche ab und suchen Sie sich einen ruhigen, entspannten Moment in Ihrem Tagesablauf für das Vorlesen und Erzählen aus.
  4. Lassen Sie Ihr Kind selbst aussuchen, welches Buch es vorgelesen bekommen möchte. Oft können Kinder von ein und derselben Geschichte gar nicht genug bekommen und möchten zum Beispiel beim abendlichen Einschlafritual am liebsten immer wieder aus dem bereits vertrauten Buch vorgelesen bekommen. Achten Sie dennoch darauf, dass genügend altersgemäßer Lesestoff zur Verfügung steht, und berücksichtigen Sie beim Ausleihen und Kaufen von Büchern die Interessen Ihres Kindes.
  5. Kinder sollten beim Vorlesen und Erzählen unterbrechen, fragen, kommentieren oder die Geschichten "weiterspinnen" dürfen. Oder Sie nehmen Anregungen Ihres Kindes auf und bauen sie in die Geschichte ein (etwa indem Sie Alltagssituationen mit dem Kind einfließen lassen oder die Namen ändern). Dann werden die Geschichten nie langweilig und es wird außerdem ein Bezug zum Leben des Kindes hergestellt.
  6. Keine Angst vor Peinlichkeiten: Lesen und erzählen Sie ruhig mit viel Ausdruck und versuchen Sie sich mal als Schauspieler/-in! Stimmen und Geräusche imitieren, mal laut, mal leise erzählen, dramatisieren oder flüstern - hier sind keine Grenzen gesetzt! Und Ihr Kind wird das lieben.