Wirksame Vorbeugung ist möglich - Empfehlungen

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Die Erfahrungen zeigen, dass die heute empfohlenen Maßnahmen zur Vorbeugung des Plötzlichen Kinds- oder Säuglingstodes der richtige Weg sind, Babys zu schützen.

Baby schläft im Gitterbett © Corbis Images
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So mag es Ihr Baby und schläft am sichersten

Dank der heutigen Empfehlungen sind in einem Zeitraum von vierzehn Jahren in Deutschland die Fälle des Plötzlichen Säuglingstodes (Kindstodes) um nahezu 80 Prozent zurückgegangen. Doch noch immer sterben in Deutschland unerwartet und ohne erkennbaren Grund zuvor gesunde Babys.

 

Aufgrund zahlreicher Untersuchungen und der Erfahrung in anderen europäischen Ländern, gehen Experten davon aus, dass annähernd 90 Prozent dieser Todesfälle verhindert werden können, wenn Eltern einige einfache Vorbeugemaßnahmen beachten.

Schlafen immer in Rückenlage

Legen Sie Ihr Baby im ersten Lebensjahr zum Schlafen grundsätzlich auf den Rücken, nie auf den Bauch. Auch die Seitenlage wird nicht empfohlen, da das Baby beim Schlafen leicht auf den Bauch rollen kann.

Frühere Bedenken, dass Babys, die auf dem Rücken schlafen, eher der Gefahr ausgesetzt sind, Erbrochenes in die Luftröhre zu bekommen, konnten eindeutig ausgeräumt werden. Da die Luftröhre vor der Speiseröhre liegt, ist diese Gefahr in der Bauchlage sogar eher gegeben, weil Erbrochenes dann vor die Luftröhre fließt. Wenn das Baby wach ist, können Sie es natürlich hin und wieder auf den Bauch legen, damit es seine Rückenmuskulatur „trainieren“ kann. Aber behalten Sie es dabei im Auge, damit es nicht in dieser Position einschläft.

Im Schlafsack und ohne zusätzliche Decke

Damit der Kopf Ihres Babys durch nichts bedeckt werden kann, was einen Atemrückstau oder Überwärmung verursachen kann, verwenden Sie lieber einen Schlafsack als eine Decke. Aber achten Sie darauf, dass der Halsumfang nicht größer ist als der Kopf des Kindes, damit es nicht hineinrutschen kann. Die richtige Länge des Schlafsacks berechnet sich aus der Körpergröße minus der Kopflänge des Kindes plus zehn bis 15 cm zum Wachsen und Strampeln. Der Schlafsack sollte vor allem nicht zu breit sein, damit sich das Kind nicht darin verwickelt.

Wenn Sie dennoch eine Decke bevorzugen, sollte diese leicht sein und das Baby nur bis zur Brust bedecken. Legen Sie Ihr Baby so in sein Bettchen, dass die Füße gegen das Fußende stoßen, so dass es nicht unter die Decke rutschen kann.

Richtig gebettet im Elternschlafzimmer

Im ersten Lebensjahr sollte das Babybett im Elternschlafzimmer aufgestellt werden, denn die gleichmäßigen Atemgeräusche der Eltern haben einen positiven Einfluss auf die Atemregulation des Babys. Gleichzeitig erleichtert die Nähe des Babys Müttern das nächtliche Stillen.

Das Bettchen sollte dabei eher "spartanisch" ausgestattet sein:

  • mit möglichst fester, luftdurchlässiger Matratze, die sich relativ wenig eindrücken lässt,
  • ohne Kopfkissen,
  • ohne Fellunterlagen,
  • ohne weiche Umpolsterungen (Nestchen),
  • ohne Kuscheltiere, die die Atemwege verschließen könnten, oder kleine Teile, die verschluckt oder in die Atemwege gelangen könnten.

Manche Eltern möchten ihr Baby auch nachts ganz nah bei sich haben und mit ihm das Familienbett teilen. Stillenden Müttern bietet sich das gemeinsame Bett an, da es das Stillen erleichtern kann, welches für das kindliche Wohlbefinden wichtig ist. Andererseits deuten verschiedene Studien darauf hin, dass mit dem Schlafen im Familienbett ein erhöhtes SIDS-Risiko verbunden ist. Dies gilt insbesondere dann, wenn ein Elternteil oder beide Raucher sind. Auch wenn das Baby Flaschennahrung erhält, ist es besser im eigenen Bettchen neben dem Elternbett aufgehoben.

Nicht zu warm

Babys mögen es lieber kühl. Auch aus diesem Grund sollten Sie auf Kopfkissen, Federbetten, Nestchen oder Felle im Babybett verzichten! Im Gegensatz zu der früher gängigen Meinung, Felle würden für eine optimale Temperierung sorgen, hat man inzwischen nachgewiesen, dass es auch aufgrund von Fellen zu Überwärmung im Kinderbett kommen kann. Auch Wärmflasche oder Heizkissen gehören nicht ins Babybett.

  • Die ideale Raumtemperatur beim Schlafen liegt bei ca. 16 bis 18 Grad Celsius.
  • Stellen Sie das Babybett nicht in die Sonne oder neben die Heizung.
  • Ziehen Sie Ihrem Kind im Bett (und überhaupt zuhause) keine Mützchen oder sonstigen Kopfbedeckungen auf, denn Babys leiten überschüssige Wärme über den Kopf ab.
  • Als Bekleidung im Bett genügen Windel und Schlafanzug (auch wenn das Baby krank ist!).

Fassen Sie an Stirn oder Nacken, um festzustellen, ob Ihrem Baby zu warm oder zu kalt ist. Wenn das Baby schwitzt, ziehen Sie ihm etwas aus - auch wenn es schläft.

In einer rauchfreien Umgebung

Vermeiden Sie während der Schwangerschaft und im ersten Lebensjahr des Kindes das Rauchen. Achten Sie auf eine rauchfreie Umgebung. Dies gilt natürlich ganz besonders für den Raum, in dem Ihr Baby schläft, denn Rauchen ist ein bedeutsamer Risikofaktor.

Stillen Sie möglichst lange

Stillen ist Nahrung für Körper und Seele und stärkt die Lebenskraft Ihres Kindes. Versuchen Sie nach Möglichkeit, Ihr Kind die ersten sechs Monate voll zu stillen. Die intensive Nähe tut ihm gut und es erhält die bestmögliche Ernährung sowie wertvolle Abwehrstoffe.

Experten haben zudem nachgewiesen, dass gestillte Kinder nachts leichter und häufiger aufwachen, so dass die Gefahr eines Atemstillstandes im Zusammenhang mit einer schwereren Erweckbarkeit bei ihnen seltener vorkommt als bei nicht gestillten Babys.

Bei bestimmten Warnzeichen ist ein Arztbesuch unbedingt erforderlich

Nehmen Sie auf jeden Fall alle Früherkennungsuntersuchungen wahr. Sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt oder Ihre Kinderärztin über alles, was Ihnen an Ihrem Kind auffällt oder Sorgen macht. Auch wenn Sie spezielle Fragen zum Plötzlichen Säuglingstod haben, sind Kinderärzte die richtigen Ansprechpartner.

Wenn Ihr Kind länger als drei Tage Fieber oder Schnupfen hat, sollten Sie ebenfalls die Arztpraxis aufsuchen, denn es ist wichtig, dass die Atemwege frei bleiben.

Darüber hinaus ist ein Arztbesuch dringend notwendig,
wenn Sie bei Ihrem Baby folgende Verhaltensweisen und Reaktionen beobachten:

  • Wenn Ihr Baby um den Mund oder im gesamten Gesicht blau wird, im Schlaf ungewöhnlich stark schwitzt oder auffallend blass ist (starkes Schwitzen bedeutet: die Kleidung ist bei Raumtemperatur so stark durchnässt, dass sie gewechselt werden muss),
  • wenn Sie bei Ihrem Kind im Schlaf Atempausen von über 15 Sekunden beobachten oder kürzere Atempausen, die mit starker Blässe oder blauen Lippen einhergehen,
  • wenn sich bei Ihrem Baby auffallende Flecken auf der Haut zeigen,
  • wenn sich Ihr Kind schwer wecken lässt,
  • wenn das Baby häufig erbricht, sich verschluckt oder Probleme beim Trinken hat,
  • wenn Ihr Baby ohne erkennbare Ursachen Fieber hat oder die Nahrung verweigert,
  • wenn Ihr Baby auffallend schrill schreit und sich nicht beruhigen lässt.

Ein erhöhtes Risiko besteht außerdem bei Kindern mit starkem Untergewicht bei der Geburt. Sprechen Sie mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt darüber.