Gesunde Zähne von Anfang an

Karies muss nicht sein! Eltern können viel dafür tun, ihrem Kind diese oft schmerzhafte Erfahrung zu ersparen.

 
 
Mädchen putzt ein Zahnmodell mit einer Zahnbürste © Corbis Images

Gesunde Zähne fangen bei den Eltern an

Wenn Eltern Zahnkaries haben, können sie die Kariesbakterien auf ihr Kind übertragen, sobald es Zähne hat.

Deshalb ist es wichtig, dass Sie auch für sich selbst darauf achten, dass Ihre Zähne gesund oder zahnärztlich gut behandelt sind. Eine regelmäßige und sorgfältige Pflege der Zähne - am besten mit Fluorzahnpasta und Zahnseide - gehört natürlich ebenso dazu. Aber auch bei bester eigener Zahnpflege können Kariesbakterien entstehen und auf das Kind übertragen werden. Deshalb sollten Sie vom ersten Tag an vermeiden, etwas abzulutschen, um es anschließend dem Baby in den Mund zu stecken, zum Beispiel den Schnuller oder später den Babylöffel.

 

Fluoride schützen die Zähne

Fluoride sind ein wichtiger Baustein, um Karies vorzubeugen. Sie sind deshalb wichtig für die Zähne, weil sie den Zahnschmelz - die äußere Schicht des Zahnes - härten und hierdurch widerstandsfähiger machen.

Als natürlich vorkommende Spurenelemente sind Fluoride zum Beispiel auch in der Nahrung oder im Leitungswasser enthalten. Allerdings sind die in der Natur vorkommenden Konzentrationen zu gering, um den Körper ausreichend mit Fluoriden zu versorgen. Deshalb sind zusätzliche Fluoridgaben nötig. So enthalten zum Beispiel die meisten Zahncremes heutzutage Fluorid. Auch fluoridiertes Speisesalz wird inzwischen immer häufiger angeboten. Kinder- und Jugendärzte wie auch Zahnärzte sind sich einig, dass bereits Säuglinge ihrem Alter entsprechend mit Fluorid versorgt werden müssen, damit sich die Zähne gesund entwickeln und widerstandsfähig gegen Karies werden. Allerdings herrschen in der Fachwelt inzwischen unterschiedliche Meinungen, welches hierfür der sinnvollste und wirkungsvollste Weg ist:

  • Kinder- und Jugendärzte empfehlen, in den ersten drei Lebensjahren Fluoride in Form von Tabletten oder Tropfen zu verabreichen und erst ab dann fluoridhaltige Kinderzahnpasta und fluoridhaltiges Speisesalz für die Kinderernährung zu verwenden. Durch diese früh einsetzende Fluoridgabe - schon bevor die ersten Zähne durchbrechen - soll die Zahnhärtung bereits in der Phase des Zahnaufbaus durch die notwendige Menge Fluorid unterstützt werden.
  • Zahnärztliche Fachgesellschaften empfehlen dagegen, auf diese frühe Gabe von Fluoridtabletten zu verzichten und stattdessen vom ersten Zähnchen an - mit etwa sechs Monaten - eine fluoridhaltige Kinderzahnpasta zu verwenden. Sie stützen sich dabei auf Studien, wonach die äußere Fluoridzufuhr über den Zahnschmelz am wirkungsvollsten ist. Zusätzlich raten sie dazu, im Haushalt nur fluoridiertes Speisesalz zu verwenden.

Besprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Kinderärztin, welches die sinnvollste Fluoridversorgung für Ihr Kind ist, und holen Sie sich gegebenenfalls auch Rat in der zahnärztlichen Praxis. Auf jeden Fall sollten Sie darauf achten und sicherstellen, dass Ihr Kind regelmäßig nicht mehr und nicht weniger Fluorid erhält, wie es seinem Alter entspricht.

 

Schon die ersten Zähnchen wollen gut gepflegt sein

Die richtige Zahnpflege sollte schon vom allerersten Zähnchen an beginnen. Das Wie hängt allerdings davon ab, ob Ihr Kind Fluoridtabletten erhält, wie es kinderärztlich für die ersten drei Lebensjahre empfohlen wird.

  • In diesem Fall reinigen Sie die Zähne regelmäßig nach den Mahlzeiten mit Wasser, anfangs am besten mit einem sauberen, nicht flusenden Läppchen um den Zeigefinger. Später, ab etwa anderthalb Jahren, sollten Sie dann eine weiche Zahnbürste verwenden.
  • Ab einem Alter von ungefähr drei Jahren sollten die Zähne dann mindestens zweimal täglich mit einer erbsengroßen Menge Fluoridzahnpasta geputzt werden. Die meisten Kinder haben dann gelernt, die Zahnpasta nicht herunterzuschlucken sondern auszuspucken. Dies gelingt sicher leichter, wenn keine Zahncremes verwendet werden, die nach Früchten oder Bonbons schmecken.
  • Wenn Ihr Kind keine Fluoridtabletten erhält:
  • In diesem Fall sollten Sie vom ersten Zähnchen an (etwa ab sechs Monaten) die Zähne einmal täglich mit einer weichen Zahnbürste und einer erbsengroßen Menge fluoridierter Kinderzahnpasta (500 ppm Fluorid) putzen.
  • Ab dem zweiten Geburtstag werden die Zähnchen dann zweimal täglich auf diese Weise geputzt - um den Schutz zu erhöhen und damit sich Ihr Kind an die regelmäßige Zahnpflege gewöhnt.
  • Zusätzlich wird empfohlen, im Haushalt nur fluoridiertes Speisesalz zu verwenden.

Grundsätzlich sollten die Zähne bis zum Schulalter nur mit einer speziellen Kinderzahnpasta mit einem Fluoridgehalt von 500 ppm geputzt werden. Ab dem Schulalter kann dann in der Regel eine normale Zahnpasta mit höherem Fluoridgehalt (1000-1500 ppm Fluorid) verwendet werden. Jetzt kann sich Ihr Kind wahrscheinlich schon gut selber die Zähne putzen. Dennoch ist es besser, bis zum Alter von etwa zehn Jahren regelmäßig nachzukontrollieren.

Besonders wichtig ist die sorgfältige Unterstützung beim Zähneputzen bei Kindern mit Spastik oder mit sogenannten geistigen Behinderungen. Zahnärztliche Eingriffe sind hier oft nur unter Narkose möglich.

 

Die richtige Putztechnik - kinderleicht

Wichtig ist, dass Kinder von vornherein mit der richtigen Putztechnik vertraut werden und immer nach dem gleichen Schema vorgegangen wird. Hierbei ist KAI ein bewährtes System, das sich gut merken lässt und auch kleine Kinder leicht erlernen.

Damit beim Putzen keine Zahnflächen vergessen werden, bedeutet KAI, die Zähne immer in der gleichen Reihenfolge zu putzen:

K = Kauflächen. Als erstes werden mit kurzen Hin- und Herbewegungen alle Kauflächen geputzt.

A = Außenflächen. Dann werden die Außenflächen mit kreisenden Bewegungen geputzt. Die Zähne liegen dabei aufeinander und es wird jeweils von der Mitte aus nach rechts und nach links geputzt.

I = Innenflächen. Als letztes werden die Innenflächen wie mit einem Handfeger von Rot nach Weiß "ausgewischt".

Machen Sie Ihr Kind auf spielerische Weise damit vertraut, wie es seine Zähnchen am besten putzt. Ab etwa drei Jahren kann es dies schon selber versuchen. Allerdings sollten Sie bis ins Schulalter hinein die Zähne regelmäßig von allen Seiten noch einmal nachputzen, vor allem abends.

Bei der Wahl der Zahnbürste sollten Sie vor allem darauf achten:

  • Die Zahnbürste sollte einen dicken, rutschfesten Griff haben, damit Ihr Kind sie gut festhalten und gezielt führen kann.
  • Der Bürstenkopf sollte kurz (unter zwei Zentimeter) sein und am besten aus vielen einzelnen Borstenbüscheln mit abgerundeten Borsten bestehen.

Kunststoffzahnbürsten eigenen sich sehr viel besser als Naturborsten, da sich Bakterien in ihnen nicht so schnell einlagern. Nach dem Zähneputzen sollte die Bürste gut ausgespült und zum Trocknen mit dem Bürstenkopf nach oben in den Zahnputzbecher gestellt werden. Grundsätzlich empfiehlt sich, Zahnbürsten alle zwei bis drei Monate zu erneuern.

Gut ist es, wenn der Gebrauch von Zahnseide ebenfalls zum täglichen Zahnpflege-Ritual gehört, sobald Ihr Kind groß genug ist.

 

Schokolade & Co

Die Ernährung spielt eine ganz wichtige Rolle, wenn es um gesunde Zähne geht. So gehört Karies denn auch zu den häufigsten Erkrankungen, die durch die Ernährung verursacht werden. Dies hängt damit zusammen, dass die Kariesbakterien zur Bildung der schädigenden Säuren Zucker benötigen. Und dabei geht es nicht nur um den üblichen Haushaltszucker oder Süßigkeiten. Kariesbakterien verwerten jede Art von Zucker, auch Fruchtzucker, Milchzucker und Traubenzucker. Auch versteckte Zucker, die in Lebensmitteln enthalten sind, bei welchen man es nie vermuten würde, spielen bei der Entstehung von Karies eine große Rolle. Hier hilft ein Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe, die bei allen Lebensmitteln angegeben werden.

Mehr dazu, worauf Sie bei der Ernährung achten sollten, ohne zwangsläufig auf alles Süße zu verzichten, erfahren Sie unter "Zahngesunde Ernährung".

 

Der erste Zahnarztbesuch

Zusätzlich zu den Früherkennungsuntersuchungen U1 bis U9 und J1 haben Kinder Anspruch auf drei zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen, die im Abstand von mindestens zwölf Monaten bis zum sechsten Lebensjahr durchgeführt werden. Die erste sollte mit etwa drei Jahren (30. bis 43. Lebensmonat) stattfinden, wenn das Milchgebiss vollzählig ist. Darüber hinaus wird empfohlen, halbjährlich eine zahnärztliche Kontrolluntersuchung durchführen zu lassen. Doch natürlich sollten Sie auch vorher schon Ihr Kind zahnärztlich untersuchen lassen, wenn mit den Zähnen etwas nicht in Ordnung ist oder Ihr Kind unter Zahnschmerzen leidet.

Die Früherkennungs- und Kontrolluntersuchungen sollten Sie unbedingt in Anspruch nehmen, auch wenn Ihnen die Zähne Ihres Kindes gesund vorkommen. Nicht immer sind Schäden an den Zähnen auf den ersten Blick erkennbar und eine rechtzeitige Behandlung kann Ihrem Kind schmerzhafte Erfahrungen ersparen. Außerdem kann sich Ihr Kind so von Anfang an daran gewöhnen, dass regelmäßige Untersuchungen selbstverständlich sind. Und durch seine Erfahrungen lernt es, dass es keine Angst vor dem Zahnarztbesuch haben muss, auch wenn vielleicht doch einmal an einem Zahn etwas gemacht werden muss.

Damit Ihr Kind erst gar keine Angst vor dem Besuch in der Zahnarztpraxis entwickelt, können Sie es spielerisch darauf vorbereiten. Vielleicht leihen oder kaufen Sie ein Buch, in dem es sich ansehen kann, wie eine Zahnarztpraxis eingerichtet ist und wie Mund und Zähne untersucht werden. Sie können es natürlich auch zu einem eigenen Zahnarzttermin einmal mitnehmen.