Ernährung im 1. Lebensjahr

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Ernährung im 1. Lebensjahr

Die Ernährung des Säuglings - Basis für körperliches und seelisches Wohlbefinden

Stillen und Füttern bedeuten für den Säugling nicht nur, dass sein Hunger gestillt wird. Die Mahlzeiten sind immer auch Momente besonderer Zuwendung und Aufmerksamkeit, in denen er sich sicher und geborgen fühlt.

Stillen bietet genau das, was ein Säugling braucht

Während des ersten Lebensjahres sollten Babys gestillt werden, davon mindestens bis zum Beginn des fünften Lebensmonats ausschließlich. Auch nach Einführung der Beikost sollten Sie Ihr Baby weiter stillen, solange Sie und Ihr Baby dies möchten. Denn Stillen bietet die ideale Möglichkeit, Ihrem Baby genau das zu geben, was es gut gedeihen lässt: Die Muttermilch ist ganz auf die Bedürfnisse eines Säuglings abgestimmt, und wenn Ihr Baby an Ihrer Brust saugt, empfindet es Geborgenheit, Sicherheit und Schutz.

Das gilt für alle Säuglinge, auch für Kinder mit Allergierisiko und olche, die eine körperliche oder geistige Beeinträchtigung haben. Auch die meisten Kinder mit dem Down-Syndrom (Trisomie 21) können zum Beispiel gestillt werden. Bei Verformungen des Kiefers gibt es spezielle Hilfsmittel. Bei Schluckschwierigkeiten kann es manchmal auch nötig sein, das Kind anfangs über eine Sonde zu ernähren. Es gibt jedoch auch Beeinträchtigungen - zum Beispiel ein zu schwacher Saugreflex oder ein schwerer Herzfehler - die das Stillen unmöglich machen. Doch auch wenn Ihr Baby die Flasche bekommt, wird es mit Ihrer liebevollen Zuwendung und Aufmerksamkeit prächtig gedeihen.

Körperliche Nähe spüren

In den ersten Lebensmonaten erfährt ein Säugling Nähe, Wärme, und Zuwendung vor allem über einen engen körperlichen Kontakt. Wenn Ihr Baby im Arm gewiegt oder liebkost wird, vor allem aber beim Stillen spürt es hautnah Ihre Wärme und Nähe. Durch Ihre Zuwendung und Aufmerksamkeit fühlt es sich angenommen und geborgen. Dieser enge körperliche Kontakt unterstützt das gegenseitige Kennenlernen und hilft Ihnen beiden rasch, miteinander vertraut zu werden und sich besser auszutauschen.

Verlässlichkeit und Verständnis erfahren

Nach vielleicht anfänglichen Unsicherheiten werden Sie die Signale und Regungen Ihres Babys wahrscheinlich immer besser verstehen und beantworten können:

  • Wenn es zum Beispiel mit den Lippen schmatzt und sich der Brust zuwendet, oder je nachdem, wie es schreit, wissen Sie, dass es Hunger hat und geben ihm Nahrung.
  • Wenn es sich abwendet oder wegdreht, erkennen Sie daran schon bald, dass es satt ist und genug hat.

Auf diese Weise zeigen Sie Ihrem Baby, dass es sich auf Sie verlassen kann und es spürt Ihre Aufmerksamkeit und Fürsorge. Gleichzeitig macht es hierbei die wichtige Erfahrung, dass es verstanden wird und etwas bewirken kann. In diesem Miteinander lernen Sie beide, sich immer besser aufeinander abzustimmen und werden schon bald ein "eingespieltes Team". Manche Säuglinge mit einer Entwicklungsverzögerung oder Behinderung schlafen jedoch länger und sind insgesamt eher antriebsschwach. In diesem Fall kann es sinnvoll sein, das Kind zum Trinken zu wecken.

Gemeinsame Mahlzeiten als Momente des Zusammenseins erleben

Wenn Ihr Kind Breikost und schließlich Familienkost bekommt und mit am Familientisch sitzt, bleiben die Mahlzeiten weiterhin wichtige Momente des Miteinanders und gegenseitigen Austauschs. Ihr Kind genießt es, in seinem Hochstuhl am Tisch sitzen zu können, sich abzuschauen, wie und was die "Großen" essen, und es ihnen gleichzutun.

Auch wenn nicht alle Mahlzeiten gemeinsam mit der Familie eingenommen werden können, sollten Sie Ihrem Kind doch so oft wie möglich Gelegenheit hierzu geben. Auf diese Weise kann es die Erfahrung machen, dass Mahlzeiten Gelegenheit zum Zusammensein sind und zur Familie gehören und Essen keine Nebensache ist.

Die Ernährung hält mit der Entwicklung Schritt

Wenn ein Säugling das Alter erreicht hat, dass die Muttermilch als alleinige Nahrung nicht mehr ausreicht, hat sich in der Regel auch seine Essfähigkeit so weit entwickelt, dass er nun auch zunehmend feste Nahrung zu sich nehmen kann. Dies ist meist zwischen Beginn des fünften und des siebten Lebensmonats der Fall.

  • Vom ersten Tag an kann der Säugling Muttermilch, Säuglingsmilch und andere flüssige Nahrung saugen und schlucken. Diese Phase der ausschließlichen Milchernährung geht idealerweise zwischen Beginn des fünften und des siebten Lebensmonats, also im Alter von vier bis sechs Monaten, in die Breiphase über. Der Saugreflex verringert sich nun und das Kind kann den Löffel greifen, Breinahrung mit der Zunge nach hinten schieben und schlucken.
  • Auch nach Einführung der Beikost - spätestens zu Beginn des zweiten Lebenshalbjahres  - sollten Säuglinge weiterhin gestillt werden. Die Stilldauer insgesamt bestimmen Mutter und Kind.
  • Mit etwa sechs bis acht Monaten brechen meist die ersten Zähne durch, sodass das Kind auf Brotrinde kauen kann. Es verträgt jetzt etwas gröbere Speisen und hat sich an die Beikost gewöhnt.
  • Im Alter von acht, neun Monaten kann das Kind in der Regel schon alleine Fingerhäppchen mit Daumen und Zeigefinger aufnehmen, halten und essen. Es ist jetzt auch Zeit für die erste eigene Tasse. Etwa ab dem zehnten Monat wird das Kind langsam immer mehr an die Familienkost herangeführt. Es kann nun belegte Brote und grob zerdrückte Mahlzeiten eigenständig genießen.

So hält die Ernährung mit der Entwicklung Schritt und umgekehrt spiegeln sich in der Ernährung wichtige Entwicklungsschritte des ersten Lebensjahres.

Wenn das Kind eine Entwicklungsverzögerung oder Behinderung hat

Hat das Kind eine Behinderung, wird es unter Umständen erst später feste Nahrung zu sich nehmen können. Auf jeden Fall sollte es zum selbständigen Essen ermutigt werden. Oft ist hierfür viel Ruhe und Geduld erforderlich. Auch sollte nichts erzwungen werden.

Manche Kinder bleiben darauf angewiesen, gefüttert zu werden und können nur breiige, passierte Kost zu sich nehmen. In diesem Fall sollte unbedingt auf eine ausgewogene Breikost geachtet werden und nicht bei süßen Breien bleibt. Hier ist das Risiko der Entwicklung von Zahnkaries groß. So lässt sich zum Beispiel auch Brot passieren und nach und nach gröber strukturieren!

Jedes Kind ist anders

Auch in Sachen Ernährung gilt, dass jedes Kind anders ist. Hinzu kommt: Jeder Entwicklungsschritt bedeutet eine enorme Umstellung für das Baby. Neue Geschmäcker, Konsistenzen und Fähigkeiten müssen erst erlernt werden. Haben Sie daher Geduld, wenn nicht alles bei Ihrem Baby sofort auf Anhieb klappt. Lassen Sie Ihrem Kind für jeden Entwicklungsschritt die Zeit, die es für sich braucht, und achten Sie darauf, wann es hierzu von sich aus bereit ist.

Literatur & Co.

Cremer, Monika; aid infodienst Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz e. V. (Hrsg.), Eigenverlag, Bonn 2010.
Fellmeth, Sigrid; Ministerium für Ernährung und ländlichen Raum Baden-Württemberg (Hrsg.), Eigenverlag, Stuttgart 2009 (überarbeitete Neuauflage).
Floto-Stammen, Sonja; aid infodienst Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz e.V. (Hrsg.), Eigenverlag, Bonn 2009.
Kersting, Mathilde / Alexy, Ute; Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund (FKE) (Hrsg.), Eigenverlag, Dortmund 2009.
Rösch, Ruth; aid infodienst Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz e.V. / Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) (Hrsg.), Eigenverlag, Bonn 2010.

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