Hilfreiche Tipps für den Stillalltag

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Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten, Entspannung, Auszeiten und einige Kniffe beim Stillen – so wird die Stillzeit zu einem intensiven Erlebnis.

Eine Mutter stillt ihr Baby © Getty Images
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Ihr Wohlbefinden bildet eine gute Basis

Damit das Stillen für Sie und Ihr Kind im Alltag ein schönes Erlebnis ist und bleibt, ist es wichtig, dass Sie beide sich wohlfühlen. Hier einige grundlegende Tipps:

  • Sehen Sie sich und Ihr Baby als Team, das die Sache schon gemeinsam schaffen wird.
  • Suchen Sie sich einen ruhigen Ort zum Stillen, an dem Sie sich wohl fühlen. Verzichten Sie dabei auf Fernsehen, laute Gespräche und Telefonieren.
  • Haben Sie Vertrauen zu sich und Ihren Möglichkeiten als Mutter.
  • Machen Sie sich keine übertriebenen Sorgen, zum Beispiel ob Ihr Kind auch satt wird.
  • Auch wenn es nicht immer einfach ist – versuchen Sie zwischendurch immer wieder Ruhepausen für sich selbst zu finden und das Stillen möglichst entspannt anzugehen.
  • Achten Sie darauf, dass Sie sich gesund und ausreichend ernähren, und versuchen Sie, sich zwischendurch mit kleinen Freuden zu verwöhnen, zum Beispiel einem schönen Bad oder mit einem Telefonat mit einer guten Freundin.
  • Versuchen Sie, nach etwa sechs bis acht Wochen regelmäßige Stillzeiten einzuführen.
  • Setzen Sie sich nicht selbst unter Druck, und lassen Sie sich schon gar nicht von anderen unter Druck setzen.
  • Falls Ihr Kind einmal nicht trinken möchte, versuchen Sie ruhig zu bleiben. Es wird sich melden, wenn es hungrig ist.

Eine gute Stillposition ist das A und O

Die richtige Position sorgt für eine gute Ausgangssituation, um das Stillen erfolgreich und angenehm zu machen.

Wenn Sie im Sitzen stillen, sollten Sie entspannt, aber mit gutem Halt für Rücken und Arme sitzen. Eine Fußbank ist hilfreich. Und natürlich Kissen – so viel, wie Sie brauchen (und so wenig wie möglich). Wenn Sie zum Beispiel den Kopf Ihres Babys in den Arm legen und Ihren Arm auf ein Kissen stützen, entlastet dies den Arm und der Schulterbereich entspannt sich. Auch ein Nackenkissen zur Entlastung der Nacken- und Schultermuskulatur oder ein Fußhocker, auf dem die Füße ganzflächig abgestellt werden können, verhelfen zu bequemen Stillpositionen. Tipp: „Schieben“ Sie die Schultern nach unten, weg von den Ohren. Hochgezogene Schultern sind gerade bei langem Stillen häufig Ursache für Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich.

Im sogenannten Wiegegriff liegt das Baby Ihnen zugewandt, Bauch an Bauch. Der Kopf ruht in der Armbeuge, ohne sich nach hinten zu neigen, der Rücken wird vom Unterarm gestützt und die Hand hält den Po. Der Kopf Ihres Babys liegt jetzt so, dass der Mund in Höhe der Brustwarze ist und viel vom Warzenhof erreicht.

Bringen Sie Ihr Kind immer zur Brust und nicht umgekehrt die Brust zum Kind. So können Sie es auch im Liegen stillen. Wenn Sie im Liegen stillen, können Sie übrigens durch Ihre Drehung mit dem Oberkörper die Höhe der Brust gut regulieren und auf Ihr Baby ausrichten. Der Mund Ihres Babys sollte weit geöffnet sein. Meist hilft es, wenn Sie mit der Brustwarze über die Wange des Babys streichen. Achten Sie darauf, dass der Mund sich weit um die Brustwarze und um einen großen Teil des Warzenhofes schließt. Das Einsaugen des Warzenhofes verhindert meist wunde Brustwarzen. Wenn etwas nicht stimmt, lösen Sie Ihr Baby lieber wieder, indem Sie den kleinen Finger in seinen Mundwinkel schieben.

Die Hände möchten Babys frei haben, damit sie selbst zur Brust greifen können. Und wenn sich die Nase an die Brust drückt, keine Sorge. Babys bekommen genug Luft. Wenn es zu eng wird, lassen sie in der Regel von selbst los. Falls Sie doch einmal das Gefühl haben, dass Ihr Baby mit der Nase zu dicht an der Brust liegt, korrigieren Sie die Stillposition, indem Sie den Po näher an sich heranrücken. Damit entfernt sich der Kopf leicht von der Brust.

Grundsätzlich kann eine professionelle Anleitung zum richtigen Anlegen des Kindes durch Hebamme, Krankenschwester oder Stillberaterin helfen, Probleme beim Stillen zu vermeiden.

Setzen Sie beide Brüste ein

Legen Sie Ihr Baby bei einer Stillmahlzeit möglichst an beiden Brüsten an, in der Regel abwechselnd rechts und links. Bei der nächsten Mahlzeit beginnen Sie mit der Brust, an der Ihr Baby zuletzt getrunken hat. Unterbrechen Sie Ihr Baby nicht, nur weil Sie meinen, jetzt wäre es allmählich Zeit für die andere Brust. Wenn der erste Hunger gestillt ist, lässt es von alleine von der Anfangsbrust ab. Wenn allerdings eine Brustseite sehr unter Druck steht, dann fangen Sie die Stillmahlzeit dort an.

Wie oft Sie stillen, bestimmen das Baby und Sie

Nach den ersten Lebenstagen stellen sich die meisten Neugeborenen auf acht bis zwölf Stillmahlzeiten in 24 Stunden ein. Viele Babys trinken meist in kürzeren Abständen und legen eine längere Schlafpause ein.

Häufige, kürzere Stillmahlzeiten regen die Milchbildung an und sind für Mutter und Kind meist angenehmer als überlange Trinkperioden mit langen Zwischenpausen. Die Brust spannt dann nicht so leicht und das Baby muss nicht über Unruhe- und Hungerphasen hinweggetröstet werden.

Mit etwa sechs Wochen erreichen Säuglinge einen Wachstumsschub, der naturgemäß mit vermehrtem Hunger einhergeht. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind nicht mehr richtig satt wird an der Brust, sollten Sie es ein paar Tage lang öfter anlegen. Hierdurch wird die Milchbildung angeregt und kann sich dem wachsenden Hunger anpassen.

Wenn der Abstand der Stillmahlzeiten sehr lang wird

Damit die gleichbleibende Milchbildung unterstützt wird, sollten in der ersten Woche nicht mehr als vier Stunden Abstand zwischen zwei Stillmahlzeiten liegen. Das Baby dann gegebenenfalls sanft aufwecken und anlegen. Auch bei geringer Gewichtszunahme, Trinkschwäche oder Gelbsucht sollten Sie dies nach Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt bzw. der Hebamme tun.

Die Stilldauer ist verschieden

Eine Stillzeit von zehn bis 45 Minuten ist normal. Pro Stillmahlzeit können bis zu sechs Milchspendereflexe erfolgen. Es stimmt also nicht, dass in den ersten zehn Minuten hauptsächlich getrunken wird, wie häufig gesagt wird.

Während der Stillmahlzeit verändert sich die Zusammensetzung der Milch. Erst fließt die wenig fetthaltige Vordermilch. Sie löscht den Durst des Babys und versorgt es mit Vitaminen, Mineralien und Abwehrstoffen. Danach steigt der Fettgehalt der Milch an und sorgt dafür, dass das Baby auch satt wird. Pro Stillmahlzeit können bis zu sechs sogenannte Milchspende-Reflexe, also Trinkphasen erfolgen.

Achten Sie auf Zeichen der Sättigung

Wenn Ihr Baby die Brustwarze frei gibt oder während des Stillens direkt an der Brust einschläft, können Sie in der Regel davon ausgehen, dass es satt ist. Schauen Sie auch auf die Händchen: Bei vielen Säuglingen sind die Hände zu Fäustchen geballt, wenn sie Hunger haben. Wenn sie satt werden, öffnen sich die Händchen, und sie schauen ihr Gegenüber mit weit geöffneten Augen an.

Auch die Beendigung des hörbaren Schluckens, ein verstärktes Nuckeln an der Brust und längere Pausen zwischen dem Saugen sind Zeichen, dass Ihr Baby allmählich satt ist.

Um das Baby von der Brust zu lösen, schieben Sie den kleinen Finger in seinen Mundwinkel. Ein Herausziehen der Brustwarze ist nicht zu empfehlen, da diese verletzt werden könnte.

„Bäuerchen“ befreien

Beim Stillen schlucken Babys zwar weniger Luft als bei einer Flaschenmahlzeit, aber auch hier kann ein Bäuerchen oft befreiend sein. Damit Ihr Kind gut aufstoßen kann, legen Sie es nach dem Stillen so über Ihre Schulter, dass Brust und Bauch aufliegen. Kleine Milchrülpser landen am besten auf einem Spucktuch (Mullwindel). 

Nächtliches Stillen lässt sich erleichtern

In den ersten Lebenswochen wollen alle Babys nachts mindestens einmal gestillt werden, manche auch mehrmals. Das nächtliche Anlegen hilft zudem, den Kreislauf der Milchbildung in Gang zu halten und Spannung in der Brust zu vermeiden.

Wenn das Babybett – wie zur Vorbeugung des Plötzlichen Säuglingstodes für das erste Lebensjahr empfohlen – im elterlichen Schlafzimmer steht, haben Sie Ihr Baby in Reichweite und können es ohne großen Aufwand zum Stillen zu sich ins Bett nehmen. Dies erleichtert das nächtliche Stillen. Aber auch Väter sind mit nächtlichem Baby-Bring-Dienst und mit „Bäuerchen-Aufgaben“ strapazierbar und können so die Mutter unterstützen.

Ab wann Babys ohne Nachtmahlzeit durchschlafen, ist unterschiedlich. Manche schlafen mit drei Wochen schon sechs bis acht Stunden durch, andere wachen noch mit sieben Monaten ein- bis zweimal nachts auf. (Stand: 19.09.2016)

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