Ernährung des Babys bei erhöhtem Allergierisiko

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Ausschließliches Stillen und Beginn der Beikost nicht vor vollendetem viertem Lebensmonat ist die beste Empfehlung, wenn das Baby ein erhöhtes Allergierisiko hat.

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Stillen ist die erste Wahl

Muttermilch ist für Babys das Beste, wenn es um die Vorbeugung von Allergien geht. Die wichtigste Empfehlung ist deshalb, bis zum Beginn des fünften Lebensmonats ausschließlich zu stillen. Dies gilt erst recht bei einem erhöhten Allergierisiko des Kindes. Dies ist dann der Fall, wenn von den nächsten Familienangehörigen – Eltern oder Geschwister – bereits jemand unter einer allergischen Erkrankung wie Lebensmittelallergie, Asthma oder Neurodermitis leidet.

Wenn in Ihrer Familie Allergien bestehen, weisen Sie am besten schon bei der Anmeldung in der Geburtsklinik oder bei der Aufnahme darauf hin. Dann wird für die richtige Nahrung gesorgt, falls es Schwierigkeiten beim Stillen gibt. Bei Säuglingen ohne erhöhtes Allergierisiko sind spezielle Vorsorgemaßnahmen jedoch nicht notwendig.

HA-Nahrungen

Wenn Sie Ihr Kind bei einem erhöhten Allergierisiko aus irgendeinem Grund nicht oder nicht ausreichend stillen können, braucht es im ersten Lebenshalbjahr (mindestens bis zum Beginn des fünften Monats) eine sogenannte HA-Nahrung, das heißt hypoantigene bzw. hypoallergene Säuglingsmilch. Besprechen Sie in diesem Fall die geeignete Ernährung mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.

In HA-Nahrungen sind die Eiweißbestandteile der Kuhmilch hydrolysiert, das heißt in Teilstücke zerkleinert und in gewisser Weise „vorverdaut“. Hierdurch wird die Möglichkeit verringert, dass der noch empfindliche Organismus des Babys diese Eiweiße als Fremdeiweiß erkennt. Durch Fremdeiweiß mitbedingte Allergiereaktionen lassen sich somit oft vermindern, verzögern oder im günstigsten Fall verhindern.

Durch die Aufspaltung der Eiweiße schmecken HA-Nahrungen leicht bitter. Säuglinge akzeptieren diese Milch aber in der Regel. Ein Süßen der HA-Nahrung mit Zucker oder Süßstoff ist nicht anzuraten. Wie bei normaler Säuglingsmilchnahrung bietet der Handel auch bei HA-Nahrungen Anfangsnahrungen („Pre“, „1“) und Folgenahrungen („2“) an. Eine Umstellung auf eine HA2-Nahrung im zweiten Lebenshalbjahr ist jedoch in der Regel nicht nötig.

Spezialnahrungen bei nachgewiesener Allergie

Falls beim Säugling bereits eine Allergie, zum Beispiel gegen Kuhmilcheiweiß, nachgewiesen wurde, dürfen HA-Produkte nicht mehr gegeben werden. Dann ist eine Spezialnahrung notwendig.

Bei diesen Spezialnahrungen handelt es sich um sogenannte extensive Hydrolysate. Das in dieser Hydrolysatnahrung enthaltene Milcheiweiß ist so stark aufgespalten, dass die Bruchstücke in der Regel nicht mehr allergen sind. Die Nahrung wird bei Bedarf vom Kinderarzt oder der Kinderärztin verordnet und schmeckt bitter. Wenn das Baby auch auf diese extensiven Hydrolysate reagiert – was allerdings selten vorkommt – werden Aminosäuremischungen, auch Elementardiäten genannt, gegeben. Diese therapeutischen Nahrungen sind ausschließlich in Apotheken erhältlich.

Die Gabe von Säuglingsnahrung auf Sojabasis bei Vorliegen einer Kuhmilchallergie wird unter anderem aufgrund des hohen Gehalts an Inhaltsstoffen mit östrogenartiger Wirkung nicht empfohlen. Auch werden Mineralstoffe und Spurenelemente aus Sojanahrungen schlecht resorbiert. 

Zur Vorbeugung von Allergien sind Säuglingsnahrungen auf der Basis von Sojaeiweiß ebenfalls nicht zu empfehlen. Dasselbe gilt auch für Ziegen-, Stuten- oder einer anderen Tiermilch. Deren Zusammensetzung entspricht nicht dem Nährstoffbedarf des Babys und hygienische sowie allergologische Risiken können nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

Ob die Zugabe von Pro- und Präbiotika zu Säuglingsnahrungen im Hinblick auf die Allergievorbeugung von Vorteil ist, ist wissenschaftlich nicht gesichert .

Beikost langsam einführen

Zur Vorbeugung von Allergien wird grundsätzlich empfohlen, nicht vor Beginn des fünften Lebensmonats mit Beikost zu beginnen.

Gehen Sie bei der Einführung der Beikost langsam und behutsam vor. 

  • Führen Sie pro Monat nur einen Brei ein.
  • Gehen Sie dabei schrittweise vor, indem Sie die einzelnen Breikomponenten, wie zum Beispiel püriertes Gemüse, Kartoffeln oder Fleisch, immer erst einzeln und mit einigen Tagen Abstand einführen und erst nach und nach zusammen füttern. So können Sie beobachten, ob Ihr Kind die neue Nahrung verträgt.

Wenn Sie die Breie selbst zubereiten, haben Sie den Vorteil, dass Sie die Zutaten selbst auswählen und – im Gegensatz zur Gläschenkost – beeinflussen können.

  • Lebensmittel, die häufig Allergien auslösen, zu meiden oder später einzuführen, schützt das Kind nicht vor einer möglichen Allergie. Im Gegenteil: Es gibt Hinweise, dass sich dies sogar nachteilig auf eine Toleranzentwicklung auswirken kann.
  • Es gibt ebenfalls Hinweise, dass der Verzehr von Fisch im ersten Lebensjahr eine Schutzwirkung hinsichtlich der Entwicklung allergischer Erkrankungen hat. Die Fleischzutat im Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei kann deshalb ein bis zweimal die Woche durch (fettreichen) Fisch ausgetauscht werden. Thunfisch oder Schwertfisch sollten aufgrund der hohen Schadstoffbelastung nicht verwendet werden.

Hinweis zu Zöliakie:
Die Annahme, eine Beigabe kleiner Mengen Nudeln bzw. anderer Getreideprodukte aus Weizen in den Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei noch während das Kind gestillt wird, würde das Zöliakie-Risiko senken, hat sich nicht bestätigt. Dennoch spricht nichts dagegen, im Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei gelegentlich Kartoffeln durch Nudeln oder anderes Getreide zu ersetzen.

Auch nach Einführung der Beikost können und sollten Sie Ihr Kind so lange weiterstillen, wie Sie beide dies möchten. Wenn Ihr Kind Säuglingsmilchnahrung erhält, können Sie mit Einführung der Beikost auf „normale“ Säuglingsmilch umstellen.

Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei

Für den ersten Brei haben sich folgende Empfehlungen bewährt:

  • Geeignete nährstoffreiche Gemüsesorten sind zum Beispiel Karotten, Kürbis, Zucchini, Blumenkohl oder Brokkoli.
  • Bei Gemüsemischungen in Gläsern sollten Sie die Gemüsesorten vorher einzeln austesten oder von vornherein Gläschen mit nur einer Gemüseart auswählen.
  • Wählen Sie als Fleischsorten Schwein, Rindfleisch, Lamm oder Geflügel aus. Dabei enthält Rindfleisch besonders viel Eisen.
  • Besonders empfohlen wird Rapsöl. Sojaöl, Sonnenblumenöl und Maiskeimöl können aber ebenfalls verwendet werden.

Vollmilch-Getreide-Brei

Für den Vollmilch-Getreide-Brei gilt bei allergiegefährdeten Säuglingen:

  • Beginnen Sie mit dem Vollmilch-Getreide-Brei etwa einen Monat nach Einführung des Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Breis.
  • Sie können den Brei mit frischer vollfetter Kuhmilch herstellen. 
  • Als Getreideflocken eignen sich zum Beispiel Weizen-, Dinkel-, Hafer-, Reis- oder Hirseflocken.

Getreide-Obst-Brei

Dieser Brei wird als dritter Brei etwa zwei Monate nach Beginn der Beikost eingeführt.

  • Verwenden Sie nur wenige und verträgliche Obstarten, zum Beispiel Birnen, Äpfel, Aprikosen, Pfirsiche, Bananen oder Beeren.
  • Als Getreideflocken eignen sich zum Beispiel Weizen, Dinkel-, Hafer-, Reis- oder Hirseflocken.

Familienkost

Im Hinblick auf die Familienkost gelten die gleichen Empfehlungen wie für Säuglinge ohne familiäres Allergierisiko.

Was Sie noch tun können

Drei wichtige Empfehlungen rund um die Allergievorsorge sind außerdem:

  • Säuglinge mit einem erhöhten Allergierisiko sollten vor Tabakrauch, Autoabgasen und organischen Lösungsmitteln in Farben und Lacken so gut wie möglich geschützt werden.
  • Katzen sollten nicht neu in die Familie aufgenommen werden.
  • Das Kind sollte nach den üblichen Empfehlungen geimpft werden.