Wie Läusemittel wirken und was zu beachten ist

Zur Behandlung von Kopflausbefall haben Sie die Wahl zwischen verschiedenen Mitteln, die auf unterschiedlichen Wirkstoffen und Wirkungsweisen beruhen.

„Klassische“ Kopflausmittel (Arzneimittel)

Schon seit vielen Jahren werden zur Bekämpfung von Kopflausbefall Mittel angewandt, die auf das Nervensystem der Läuse wirken. Sie enthalten Stoffe auf chemischer oder pflanzlicher Basis (Extrakt aus der Chrysanthemenblüte), welche bei den Läusen zu Lähmungen und schließlich zum Tod führen (neurotoxische Wirkung). In Deutschland sind aus dieser Gruppe Läusemittel zugelassen, die die Wirkstoffe Pyrethrum, Allethrin oder Permethrin enthalten.

Gemäß dem Arzneimittelgesetz zugelassene, vom Umweltbundesamt sowie vom Bundesinstitut für Risikobewertung geprüfte und auf Rezept erhältliche Mittel gegen Kopfläuse mit diesen Wirkstoffen sind:

  • Jacutin Pedicul Spray (Almirall Hermal GmbH)
  • Infectopedicul, Infectopedicul-Extra (Infectopharm GmbH)
  • Goldgeist Forte (Eduard Gerlach GmbH)

Neuere Mittel zur Bekämpfung von Kopflausbefall (Medizinprodukte)

Seit einigen Jahren mehren sich aus vielen Ländern Berichte, dass Kopfläuse gegen die „klassischen“ Kopflausmittel auf der Basis von neurotoxisch wirkenden Stoffen resistent, also unempfindlich geworden sind. Hinzu kommt, dass viele Verbraucherinnen und Verbraucher befürchten, neurotoxisch wirkende Läusemittel könnten gesundheitsschädlich sein.

Aus diesen beiden Gründen wurden seit Ende der 1990er Jahre eine ganze Reihe neuer Wirkstoffe und Wirkungsweisen zur Tilgung von Kopflausbefall getestet und neue Mittel wurden entwickelt. Aufgrund ihrer Wirkungsweise werden diese Mittel nicht als Arzneimittel, sondern als Medizinprodukte bezeichnet.

Die genaue Wirkungsweise dieser Mittel ist zwar noch nicht endgültig erforscht, man nimmt aber an, dass die enthaltenen Substanzen (Öle) die Atmungsöffnungen der Läuse verkleben. Dies stört den Wasserhaushalt der Läuse, was dazu führt, dass sie verenden.

Aus dieser Gruppe sind in Deutschland verschiedene Mittel zugelassen, die auf der Basis von Dimeticon (einem dünnflüssigen Silikonöl) oder anderen Ölen wirken.

Gemäß dem Medizinproduktegesetz zugelassene, vom Umweltbundesamt und dem Bundesinstitut für Risikobewertung geprüfte und auf Rezept erhältliche Mittel aus dieser Gruppe sind:

  • Nyda L
  • Mosquito Läuse-Shampoo

Wirken diese Mittel zuverlässig?

Alle amtlich zugelassene Mittel gegen Kopfläuse wurden auf ihre Wirksamkeit hin untersucht. Es kann davon ausgegangen werden, dass sie erwachsene Läuse und Läuselarven zuverlässig abtöten.

Jedoch konnte für kein Mittel bisher nachgewiesen werden, dass es zu 100 Prozent auch gegen die Läuseeier wirkt. Deshalb muss immer – auch bei anders lautender Werbung oder Packungsbeilage – eine zweite Behandlung acht bis zehn Tage nach der ersten stattfinden.

Außerdem zeigen sowohl Studien als auch Erfahrungen aus der Praxis, dass die korrekte Anwendung des Läusemittels entscheidend dafür ist, ob es zuverlässig wirkt oder nicht. Wichtig sind insbesondere eine ausreichende Menge und gute Verteilung des Mittels, so dass wirklich alle Läuse „erwischt“ werden, sowie das Einhalten der vom Hersteller empfohlenen Einwirkzeit.

Sind Läusemittel schädlich?

Alle zugelassenen Arzneimittel und Medizinprodukte wurden auch auf ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit hin geprüft. Bei vorschriftsmäßiger Anwendung fügen sie Menschen im Normalfall keinen Schaden zu und können auch bei Kindern angewandt werden.

Dennoch sollten Sie in folgenden Fällen ärztlichen Rat einholen:

  • Bei Kindern im Säuglings- und Kleinkindalter. Nicht alle Präparate sind für diese Altersgruppe geeignet. 
  • Im Fall einer Erkrankung der Kopfhaut, bei Vorliegen des seltenen MCS-Syndroms (mehrfache Überempfindlichkeit gegen chemische Substanzen) oder bei einer Chrysanthemenallergie. Denn in Einzelfällen können die Substanzen bei besonderer Empfindlichkeit allergische Reaktionen oder Reizerscheinungen hervorrufen. Lassen Sie sich ärztlich beraten oder wenden Sie ausschließlich die Methode des "nassen Auskämmens" mit Pflegespülung und einem Läusekamm an.
  • Während der Schwangerschaft und Stillzeit. Wenden Sie auch in diesem Fall ausschließlich die Methode des "nassen Auskämmens" an oder holen Sie ärztlichen Rat ein.

Warnung vor leichter Entflammbarkeit einiger Läusemittel

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnt vor der leichten Entflammbarkeit einiger Kopflausmittel und der damit verbundenen Verbrennungsgefahr. Deshalb sollte man sich nach Auftragen des Mittels nicht in der Nähe von offenen Flammen (zum Beispiel Kerzen, brennende Zigaretten) oder starken Wärmequellen (zum Beispiel heißer Haartrockner) aufhalten. Auf mögliche Gefahren und Risiken bei der Anwendung von Kopflausmitteln wird in der Regel in der Gebrauchsanweisung hingewiesen.  Diese sollte deshalb sorgfältig gelesen werden. Zum sicheren Umgang mit Präparaten zur Bekämpfung von Kopflausbefall können Sie sich außerdem in der Apotheke beraten lassen.

Die Kosten für Läusemittel

Wenn Ihr Kind jünger als 12 Jahre ist und Sie über ein Rezept eines Kinderarztes oder einer Kinderärztin verfügen, übernehmen die Krankenkassen für die meisten zugelassenen Läusemittel die Kosten.

Helfen auch Hausmittel gegen Kopfläuse?

Die unterschiedlichsten Hausmittel wie zum Beispiel Mayonnaise oder Essig sind keine geeigneten Läusemittel. Trotz gelegentlicher Erfolge führt die Behandlung mit solchen Hausmitteln nicht zuverlässig dazu, dass man die Kopfläuse loswird.

Hin und wieder wird auch empfohlen, die Läuse mit Heißluft, zum Beispiel mittels eines Föhns, abzutöten. Diese Maßnahme ist unzuverlässig und kann aufgrund zu großer Hitze zu Kopfhautschäden führen. Spezielle „Läuseföhns“, die vereinzelt angeboten werden, sind noch nicht ausreichend getestet, um zuverlässige Aussagen über ihre Wirksamkeit machen zu können. Auch ein Saunaaufenthalt ist zur Abtötung der Läuse ungeeignet.

Die Haare extrem zu kürzen oder gar eine Glatze zu schneiden, ist nicht nötig und aus verständlichen Gründen für die Betroffenen eher belastend. Es gibt andere Möglichkeiten, des Problems Herr zu werden, ohne die Betroffenen einer solchen „Radikalkur“ zu unterziehen.