Bündnis gegen Schütteltrauma

Jährlich werden schätzungsweise zwischen 100 und 200 Säuglinge und Kleinkinder mit Schütteltrauma in deutsche Kliniken gebracht. Das Bündnis gegen Schütteltrauma warnt: Ein schreiendes Baby zu schütteln bringt es immer in größte Gefahr.

Plakat gegen das Schütteltrauma

Mit einem breiten bundesweiten Bündnis klärt das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) über die Gefahr des Schüttelns von Säuglingen und Kleinkindern auf. Zahlreiche Verbände, Vereine und Einrichtungen aus dem Gesundheitswesen, dem Kinderschutz sowie der Kinder- und Jugendhilfe sind dem „Bündnis gegen Schütteltrauma“ beigetreten.
Einen Informationsflyer und ein Plakat stellt das NZFH kostenlos zur Verfügung.

Das NZFH vereint mit dem „Bündnis gegen Schütteltrauma“ regionale und bundesweite Präventionsmaßnahmen gegen Schütteltrauma. Ziel des gemeinsamen Engagements ist es, auf der Basis eines breitangelegten Bündnisses alle Eltern und werdenden Eltern zu erreichen. Eine repräsentative, bundesweite Umfrage des NZFH von Mai 2017 zeigt einen dringenden Handlungsbedarf. 42 Prozent der befragten 1.009 Frauen und Männer haben danach noch nie den Begriff Schütteltrauma gehört. 24 Prozent der Befragten unterliegen dem Irrtum, dass Schütteln „vielleicht nicht so schön für ein schreiendes Baby ist, ihm aber auch nicht schadet“. Zwei Drittel der Befragten weiß nicht, dass es eine bestimmte Schreiphase im Säuglingsalter gibt.

Nichtakzidentelle Kopfverletzungen, zu denen das Schütteltrauma zählt, sind bei Säuglingen und Kleinkindern die häufigste nicht natürliche Todesursache. Jährlich werden schätzungsweise zwischen 100 und 200 Säuglinge und Kleinkinder mit Schütteltrauma in deutsche Kliniken gebracht. Zwischen 10 und 30 Prozent der geschüttelten Kinder sterben. Zwei Drittel der Säuglinge und Kleinkinder mit Diagnose Schütteltrauma leidet lebenslang unter den Folgen des Schüttelns. Sie umfassen Krampfanfälle sowie geistige und körperliche Behinderungen. 

In Kooperation mit den Bündnispartnern informiert das NZFH Eltern über die gesundheitlichen Folgen des Schüttelns und zeigt ihnen, wie sie mit einem schreienden Baby umgehen und einen möglichen Kontrollverlust verhindern können. Denn langanhaltendes, unstillbares Babyschreien ist häufig der Auslöser für das Schütteln eines Babys.

Das NZFH wird die Präventionsmaßnahmen in die Aktionen und Maßnahmen der Frühen Hilfen verankern, um die Nachhaltigkeit der Maßnahmen sicherzustellen. Die Frühen Hilfen verfügen über ein flächendeckendes Netzwerk in allen Kommunen Deutschlands.

Schreiambulanzen und Beratungsstellen
Beratungsangebote und Schreiambulanzen für Eltern von sogenannten „Schreibabys“. Die Datenbank enthält ausschließlich Angebote von freien und öffentlichen Trägern wie Wohlfahrtsverbänden, gemeinnützigen Vereinen und Kommunen.

Flyer „Ihre Nerven liegen blank?“
Der Flyer richtet sich an Eltern von sogenannten „Schreibabys“. Er informiert über das Schreiverhalten von Babys, gibt Mütter und Väter Tipps, wie sie ihr schreiendes Kind beruhigen können, und klärt über die Gefahren des Schüttelns von Säuglingen auf. Denn unstillbares Schreien gilt als Hauptauslöser für das Schütteln eines Kindes im Affekt. Der Flyer ermutigt Eltern von Babys mit Regulationsproblemen, sich Entlastung und professionelle Hilfe, zum Beispiel in einer Schreiambulanz, zu suchen. Außerdem vermittelt er einen sogenannten Notfallplan, wenn Mütter und Väter merken, die Nerven zu verlieren.
Der Flyer kann kostenlos unter Angabe der Bestellnummer 16000535 per E-Mail: order(at)bzga.de bestellt oder heruntergeladen werden.

Plakat „Ihre Nerven liegen blank?“
Das Plakat richtet sich an Eltern von sogenannten „Schreibabys“. Es fordert Eltern eines unstillbar schreienden Babys dazu auf, den Raum zu verlassen und sich zu beruhigen, wenn sie merken, die Beherrschung zu verlieren. Denn langanhaltendes Schreien gilt als Hauptauslöser für das Schütteln eines Babys im Affekt.
Das Plakat kann kostenlos unter Angabe der Bestellnummer 16000536 per E-Mail: order(at)bzga.de bestellt oder heruntergeladen werden.

elternsein.info
Der neue Internetauftritt elternsein.info macht u. a. auf das kostenlose Elterntelefon 0800- 1110550, die Nummer gegen Elternkummer, aufmerksam. Es bietet Unterstützung für genervte, überforderte und einfach Hilfe suchende Eltern. Die anonyme und kostenlose Beratung ist zu erreichen: montags bis freitags, 9–11 Uhr und dienstags und donnerstags, 17–19 Uhr.


Quelle

Nationales Zentrum Frühe Hilfen, Oktober 2017

Informationen zu Schütteltrauma und Schreibabys hier auf kindergesundheit-info.de:

Ein lautstarkes Signal: Schreien
So fürsorglich, umsichtig und einfühlsam Sie auch sein mögen – in den ersten Lebenswochen und -monaten gehört Schreien zum normalen Alltag.

Wenn Babys vermehrt schreien
Manche Babys schreien besonders viel und lassen sich kaum beruhigen. Viele Eltern sind dann verunsichert oder geraten an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.

Häufigem und anhaltendem Schreien vorbeugen
Babys, die von Anfang an rasch beruhigt werden, schreien in der Folgezeit meist weniger. Dies und mehr Tipps hier im Überblick.

» zurück zur Übersicht