Wenn ein Kind unreif zur Welt kommt

Link zur Seite: Frühgeburt | © Thinkstock

© Thinkstock

Von einer Frühgeburt wird gesprochen, wenn das Baby vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche geboren wird oder weniger als 2.500 g wiegt.

Eine Mutter streichelt ein Frühchen im Brutkasten © Thinkstock
© Thinkstock

Eine Frühgeburt (etwa 8 bis 9 Prozent aller Kinder) bedeutet für die Familie immer einen ungeplanten, großen Einschnitt und viele Veränderungen – auch noch lange nach der Krankenhauszeit.

Solche so genannten Frühchen können – je nachdem, wie viele Wochen sie zu früh zur Welt kamen – nur bedingt oder gar nicht selbst atmen, trinken oder die Körpertemperatur aufrechterhalten. Deshalb wird das unreif geborene Kind so rasch wie möglich intensivmedizinisch betreut und in einem Brutkasten (Inkubator) weiter versorgt. Solange Frühgeborene noch nicht selbst trinken können, werden sie über eine Magensonde oder durch Infusionen ernährt. Häufig sind verschiedene Operationen für das Überleben des Frühchens nötig.

Die modernen medizinischen Maßnahmen haben die Chancen einer gesunden Entwicklung des unreifen Babys deutlich verbessert, obwohl es jeweils vom Einzelfall abhängt, ob und wieweit dies gelingt.

Hoffnung und Sorgen

Eine Frühgeburt bedeutet eine große Belastung für das Neugeborene. Statt im Leib der Mutter in Ruhe auszureifen, liegt das Baby nun auf einem Wärmebett. Der Inkubator ist zwar ein optimal temperierter Schutzraum, dennoch kann das so empfindliche Kleine durch die Behandlung, durch Licht, Lärm und wechselnde Bezugspersonen irritiert werden.  

Auch für Mütter und Väter ist diese unvorhersehbare Situation sehr schwierig. Die Zeit nach der Frühgeburt gerät oft zu einer sorgenvollen Phase zwischen Hoffen und Bangen. Doch auch wenn sie sich angesichts der medizinischen Abläufe oft hilflos und ausgeliefert fühlen: Sie können viel für ihr Kleines tun. Je mehr Zeit sie mit dem Frühchen verbringen, ihm Geborgenheit durch körperliche Nähe und liebevolle Zuwendung vermitteln, desto besser kann es sich entwickeln.

Die Känguru-Methode

In vielen Kliniken wird inzwischen der möglichst häufige Körperkontakt zwischen den Eltern und ihrem früh geborenen Kind unterstützt. Bei der so genannten Känguru-Methode wird das nur mit einer Windel bekleidete Neugeborene für einige Stunden am Tag auf die nackte Brust der Mutter oder des Vaters gelegt. Der intensive Hautkontakt vermittelt dem Kind Geborgenheit, und die Eltern gewinnen meist rascher an Zutrauen im Umgang mit dem Kind.

Muttermilch so bald wie möglich

Da Frühgeborene häufig noch nicht in der Lage sind, Milch zu verdauen, bekommen sie zunächst eine Mischung aus Zucker und Wasser. Sobald das Kind Milch trinken kann, wird es nach Möglichkeit mit abgepumpter Muttermilch versorgt. Denn Vormilch und Milch von Müttern, die zu früh geboren haben, enthalten wichtige Nährstoffe in besonders hoher Konzentration. Muttermilch ist deshalb gerade für Frühgeborene die ideale Nahrung, und es ist ein großer Fortschritt, wenn der Winzling endlich von der Mutter gestillt werden kann.

Unterstützende Angebote in der Klinik und zuhause

In aller Regel betreuen Fachkräfte aus Kinderkrankenpflege, Medizin und Geburtshilfe die Eltern schon während der Zeit, die das Kind auf einer Station für Neugeborene (Neonatologie) verbringen muss. 

In der häuslichen Nachsorge bekommen Eltern zudem Anleitung zur Betreuung und Pflege ihres Kindes, damit sie Sicherheit und Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten gewinnen. Hilfreich ist die Kenntnis über die Aufgaben und Möglichkeiten von Hebammen, Familienhebammen, Stillberaterinnen, Ärztinnen, Ärzten und Therapeuten und Therapeutinnen verschiedener Fachrichtungen sowie von Spezialkliniken, der ambulanten Kinderkrankenpflege, von Frühfördereinrichtungen, Sozialpädiatrischen Zentren und der Familienhilfe.

Eine wertvolle Unterstützung in der ersten Zeit zu Hause ist die Begleitung durch eine Hebamme und / oder eine Kinderkrankenschwester. Schon während der Zeit des Klinikaufenthalts, aber auch danach kann eine Haushaltshilfe in Anspruch genommen werden. Die Krankenkassen übernehmen diese Kosten, wenn ein ärztliches Attest vorliegt. Das Mutterschutzgesetz sieht eine längere Schutzzeit (Freistellung) vor, wenn die Frühgeburt ärztlich attestiert ist. Selbsthilfegruppen von Frühchen-Eltern bieten oft sehr hilfreiche Austauschmöglichkeiten.

Rechtzeitig auf mögliche langfristige Folgen achten

Es gibt Kinder, bei denen sich die Folgen ihrer zu frühen Geburt erst spät zeigen. Wenn sich beim Kind Entwicklungsstörungen oder -verzögerungen bemerkbar machen, kann ein Besuch in einer spezialisierten Klinik (Perinatalzentrum) oder in einem Frühförderzentrum sinnvoll sein. Fachleute helfen, Symptome möglicher Entwicklungsstörungen richtig zu interpretieren und angemessen zu behandeln.

Je früher mögliche Spätfolgen erkannt werden, desto eher können Handicaps ganz oder teilweise ausgeglichen werden. Deshalb ist es wichtig, die Entwicklung eines früh geborenen Kindes bis weit in die Schulzeit hinein genau zu beobachten.