Kleine und große Probleme rund ums Essen

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Bei Kindern bis zum Vorschulalter ist ein „auffälliges“ Essverhalten meist vorübergehend. Damit das auch so bleibt, sollten Eltern möglichst ruhig bleiben.

Junge sitzt trotzig vor seinem Essen © Getty Images
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Manche Kinder sind über lange Zeit, manchmal über Jahre hinweg, sehr „eigen“ in ihrem Essverhalten. Sie essen zum Beispiel über lange Zeit nur wenige verschiedene Lebensmittel oder auffällig wenig. Dies muss kein Anlass zur Sorge sein, solange sich Ihr Kind gesund entwickelt und aktiv ist.

Wenn Ihr Kind jedoch oft antriebslos und krank ist, sollten Sie etwas unternehmen und sich an Ihren Kinderarzt oder Ihre Kinderärztin wenden. Auch wenn Sie sich grundsätzlich Sorgen über das Essverhalten Ihres Kindes machen und das Gefühl haben, mit schwierigen Esssituationen allein nicht fertig zu werden, sollten Sie Unterstützung von außen holen.

Sehr eingeschränkte Auswahl an Lebensmitteln

Manche Kinder essen über Jahre hinweg nur sehr wenige verschiedene Lebensmittel. Meist lassen sich diese an einer oder zwei Händen abzählen. Diese Kinder wollen ungern neue Lebensmittel ausprobieren, haben oftmals Probleme beim Schlucken von ungewohnten Speisen und zeigen dies vereinzelt auch durch Würgen oder Erbrechen.

Für Sie als Eltern kann die Situation sehr belastend sein, und es ist verständlich, wenn Sie sich sorgen. Doch in der Regel entwickeln sich diese Kinder normal und sind gesund. Auch medizinisch gesehen weisen sie häufig keine Nährstoffmängel auf. Im Kleinkindalter geht dieses auffällige Essverhalten meist von selbst vorüber. Wenn ein Kind zuvor bereits vielseitiger gegessen hat, findet es in den meisten Fällen ebenfalls wieder von allein zu diesem vorherigen Essverhalten zurück – auch wenn dies manchmal etwas dauern kann. Es gibt aber auch immer wieder Kinder, die noch nie eine große Auswahl an Lebensmitteln wollten und dies auch für eine lange Zeit beibehalten werden. Spätestens als Jugendliche erweitern sie meist von selbst ihre Auswahl an Speisen, und als Erwachsene essen sie dann meist ganz normal.

  • Besprechen Sie das Problem mit Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Kinderärztin, um organische Ursachen ausschließen zu können und sicherzugehen, dass sich Ihr Kind altersgerecht entwickelt und keine Nährstoffmängel aufweist.
  • Auch wenn Sie selbst den Eindruck haben, dass sich Ihr Kind nicht altersgerecht entwickelt oder sich aufgrund seines Essverhalten innerhalb der Familie oder im Freundeskreis stark isoliert, sollten Sie dies in der kinderärztlichen Praxis ansprechen.
  • Versuchen Sie, so wenig wie möglich einzugreifen und der Situation nicht zu viel Bedeutung beizumessen.

Gegebenenfalls kann auch die Unterstützung durch eine Ernährungsberatung hilfreich und nützlich sein.

Extrem wenig essen

Manche Kinder nehmen über längere Zeit nur sehr kleine Essensmengen zu sich und zeigen wenig Appetit. Dabei können sie durchaus ausgewogen essen, nur die Menge ist auffällig gering.

Bei Kindern im Vorschulalter kommt dieses Essverhalten häufig vor und ist in der Regel unproblematisch. Sie sind medizinisch gesehen gesund, entwickeln sich normal und werden ihr ganzes Leben lang vermutlich eher schlank bleiben. Meist findet sich in der Familie mindestens noch ein anderes Familienmitglied, das ebenfalls wenig isst.
Was Eltern tun können:

  • Drängen Sie Ihr Kind nicht zum Essen, auch wenn Ihnen die gegessene Menge gering vorkommt.
  • Belohnen oder bestrafen Sie Ihr Kind nicht für sein Essverhalten.
  • Beobachten Sie das Essverhalten Ihres Kindes, machen Sie es aber nicht zu einem ständigen Thema. Solange es keine medizinischen Gründe gibt, die eine Änderung der Situation erfordern, sollten Sie die Essgewohnheiten Ihres Kindes so gelassen wie möglich annehmen.

Sie sollten allerdings einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen, wenn Sie den Eindruck haben, dass sich ihr Kind körperlich nicht normal entwickelt. Auch wenn Ihr Kind auffällig wenig isst und dabei oft krank wird oder über einen längeren Zeitraum hinweg unglücklich wirkt, sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

„Klassische“ Essstörungen spielen bis zum Schulalter keine Rolle

Bis ins Vorschulalter kommen Essstörungen im eigentlichen Sinne so gut wie nicht vor. Hierzu gehören im Wesentlichen die folgenden drei Hauptformen:

  • Magersucht (Anorexie, Anorexia nervosa).
  • Bulimie (Bulimia nervosa) auch Ess-Brech-Sucht genannt.
  • Binge-Eating-Störung (Binge eating disorder); hierbei kommt es zu wiederholten Essattacken, bei denen übermäßig viel getrunken und gegessen wird.

Während Essattacken vereinzelt im Kindesalter beobachtet werden können, treten die ausgeprägten Essstörungen erst im Jugendalter und später auf.

Wichtig zu wissen ist für Sie als Eltern, dass ein zeitweise auffälliges oder ungewohntes Essverhalten im Kleinkindalter noch keine Essstörung ist und auch nicht bedeutet, dass das Kind im späteren Alter eine schwerwiegende, gesundheitsschädigende „klassische“ Essstörung entwickelt. Hierfür sind die Ursachen vielschichtig und bestehen meist aus einem Bündel unterschiedlicher Faktoren.

Ausführliche Informationen zu den einzelnen Essstörungen finden Sie im weiteren Internetangebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung; siehe Linktipp. (Stand: 13.11.2016)