Gesunde Geschwister kommen leicht zu kurz

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Wenn ein Kind erkrankt ist, beansprucht es oft die ganze Aufmerksamkeit von Mutter und Vater. Geschwister geraten dabei leicht ins Hintertreffen.

Wütendes Kind sitzt unter Tisch © Corbis Images
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Wenn ein Kind schwer, chronisch oder gar lebensbedrohlich erkrankt ist, dreht sich in den Familien oft alles um das betroffene Kind. Für Geschwister kann eine solche Situation auf Dauer sehr belastend werden: Sie fühlen sich hilflos und in ihren eigenen Ängsten und Nöten sich selbst überlassen, manchmal auch vernachlässigt und zurückgesetzt.

Über die Situation sprechen

Ein offenes Wort kann manche Ängste und Nöte verhindern oder mindern:

  • Versuchen Sie, Ihrem gesunden Kind - seinem Alter entsprechend - zu erklären, was seinem Bruder oder seiner Schwester fehlt, und weshalb Ihre besondere Aufmerksamkeit nötig und wichtig ist.
  • Geben Sie Ihrem Kind Gelegenheit, über seine Gefühle, vielleicht auch Ängste zu sprechen.
  • Zeigen Sie ihm, dass Sie es lieb haben, auch wenn Sie im Moment vielleicht nicht so viel Zeit übrig haben.

Beziehen Sie Ihr gesundes Kind in die Situation mit ein, indem Sie gemeinsam überlegen, was es selbst für seinen kranken Bruder oder seine kranke Schwester tun kann - zum Beispiel ein Bild malen oder etwas basteln.

Auch dem gesunden Kind ungeteilte Aufmerksamkeit schenken

Auch wenn Sie das kranke Kind sehr in Anspruch nimmt:

  • Versuchen Sie, sich regelmäßig Zeit und Raum zu schaffen, um sich voll und ganz Ihrem gesunden Kind zu widmen.
  • Unternehmen Sie etwas mit Ihrem Kind, schmusen Sie mit ihm und geben Sie ihm Zeit, von sich selbst zu erzählen, von den Dingen, die es beschäftigt, von seinen Erlebnissen, seinen Wünschen und Träumen.

Die Dauer ist gar nicht so wichtig. Entscheidend ist, dass Sie Ihrem gesunden Kind in diesen Momenten Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit und Zuwendung schenken.

Bei Anzeichen von Überforderung fachliche Hilfe suchen

Wie belastend es für ein Geschwisterkind ist, wenn sich über längere Zeit alles um ein krankes Kind dreht, zeigt sich manchmal erst in auffälligen Verhaltensweisen: Das Kind ist vielleicht zunehmend unkonzentriert in der Schule und mit seinen Gedanken ganz woanders, vielleicht nässt es plötzlich wieder ein, wirkt besonders aggressiv und ablehnend oder zieht sich - umgekehrt - immer mehr in sich selbst zurück.

Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Kind verhalte sich zunehmend anders als gewohnt, sollten Sie mit Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Kinderärztin darüber sprechen. Rat und Unterstützung bieten auch Familien- und Erziehungsberatungsstellen.