Von Albträumen und Schlafwandlern

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Albträume, Schlafwandeln, Nachtschreck - "nachtaktive" Kinder können Eltern manchmal gehörig erschrecken. Doch die meisten Aufwachstörungen sind harmlos.

Junge schaut unter Decke hervor © Corbis Images
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Aufwachstörungen sind typisch für das Kindesalter

Von den Parasomnien - Ereignisse oder Verhaltensweisen, die im Schlaf oder aus dem Schlaf heraus erfolgen - treten insbesondere die Aufwachstörungen gehäuft im Kindesalter auf. So erleben viele Kinder irgendwann einmal einen "Nachtschreck" oder schlafwandeln.

In der Regel treten die verschiedenen Aufwachstörungen bevorzugt in einer bestimmten Altersphase auf und verschwinden nach einiger Zeit von selbst wieder. Sie können sich verstärken, wenn Kinder Fieber haben, übermüdet sind oder gerade besonderen Belastungen oder Stress ausgesetzt sind.

Aufwachstörungen sind meist harmlos und machen nur in Einzelfällen einen Besuch beim Kinderarzt nötig, und zwar besonders dann,

  • wenn die nächtlichen Verhaltensweisen des Kindes besonders aggressiv sind und eine erhöhte Verletzungsgefahr besteht;
  • wenn das Ereignis über einen längeren Zeitraum fast jede Nacht auftritt;
  • wenn das Kind unter ausgeprägter Tagesmüdigkeit leidet;
  • wenn andere Familienmitglieder stark beeinträchtigt werden.

Dies gilt im Übrigen auch für die meisten anderen Parasomnien, wie zum Beispiel Sprechen im Schlaf, Alpträume oder Zähneknirschen. Bei Aufwachstörungen wie das Schlafwandeln sollten gewisse Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, damit sich "nachtaktive" Kinder bei ihren nächtlichen Umtrieben nicht verletzen.

Schlaftrunkenheit: unbedenkliche Verwirrung

Bei der Schlaftrunkenheit - auch partielles oder teilweises Erwachen genannt - befindet sich das Kind in einer Art Übergangszustand zwischen Schlafen und Wachen. Das schlafende Kind führt Handlungen aus, die so wirken, als sei es wach, es kann sich aber später an nichts erinnern.

Schlaftrunkenheit äußert sich meist durch aus dem Schlaf heraus auftretendes Schreien und wilde Bewegungen. Oft setzt sich das Kind im Bett auf oder steht sogar auf. Es macht den Eindruck, wach zu sein, wirkt aber sehr verwirrt und aufgeregt. Versuche, das Kind zu trösten, zu beruhigen oder wieder hinzulegen, werden entschieden, oft auch aggressiv zurückgewiesen. Eltern können in dieser Situation nicht wirklich zu ihrem Kind "durchdringen" - sie können nur abwarten, bis es sich von selbst beruhigt, und darauf achten, dass es sich nicht verletzt. Dieser Zustand kann bis zu einer halben Stunde anhalten. Dann wacht das Kind kurz auf, um anschließend sofort wieder einzuschlafen.

Schlaftrunkenheit tritt meist bei Säuglingen und Kleinkindern, gelegentlich auch bei älteren Kindern auf. Sie ist harmlos und erfordert keine Behandlung.

Der Pavor nocturnus: harmloser Schreck

Der Pavor nocturnus, unter anderem auch Nachtschreck oder Angstschreck genannt, gehört zu den häufigsten Aufwachstörungen im Kindesalter. Er ähnelt der Schlaftrunkenheit, wirkt in seinem Verlauf aber dramatischer und kann Eltern einen gehörigen Schrecken einjagen: Aus dem Kinderzimmer, wo das Kind gerade noch friedlich schlief, tönt mitten in der Nacht ein panischer Schrei, dann lautes Weinen. Die Eltern finden ihr Kind vielleicht in Schweiß gebadet, heftig atmend und mit rasendem Puls in seinem Bettchen sitzend. Jeder Versuch, es zu beruhigen, indem man es auf den Arm nimmt, ihm gut zuredet oder es streichelt, bleibt erfolglos oder regt es gar zusätzlich auf. Es stößt die Eltern womöglich weg und schlägt um sich. Und dann, nach einigen Minuten, ist plötzlich alles vorbei. Der Schreck weicht aus dem Gesicht des Kindes und es schläft rasch wieder ein. Am nächsten Morgen kann sich das Kind an nichts erinnern.

Der Pavor nocturnus tritt am häufigsten im Alter zwischen zwei und sechs Jahren auf, meist in den ersten zwei bis drei Stunden nach dem Einschlafen. Er ist völlig harmlos und hat nichts mit Alpträumen zu tun; er fügt Ihrem Kind weder einen körperlichen noch einen seelischen Schaden zu. Als Eltern können Sie lediglich abwarten, bis der Spuk vorbei ist, und darauf achten, dass sich Ihr Kind nicht verletzt, wenn es zum Beispiel aus dem Bett steigt und kopflos durch die Wohnung läuft.

Wenn der "Nachtschreck" allerdings besonders häufig auftritt und als stark belastend empfunden wird, sollten Sie mit Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Kinderärztin darüber sprechen.

Schlafwandeln: Achtung, Unfallgefahr!

Schlafwandeln kann in Kombination mit einem Nachtschreck oder auch allein auftreten. Vermutlich gibt es eine genetische Veranlagung zum Schlafwandeln (jedes zweite schlafwandelnde Kind kommt aus einer "Schlafwandlerfamilie"). Die Neigung zum Schlafwandeln kann jedoch auch durch fiebrige Erkrankungen, psychischen Stress oder Lärm verstärkt werden.

Das Schlafwandeln ist in der Regel harmlos; allerdings können bei den nächtlichen Ausflügen Unfallgefahren lauern - von "schlafwandlerischer Sicherheit" kann keine Rede sein. Wenn Ihr Kind zum Schlafwandeln neigt, achten Sie darauf, dass alle Fenster, Wohnungs- und Balkontüren gut verschlossen sind. Nützlich kann es auch sein, an der Kinderzimmertür ein kleines Glöckchen anzubringen, das Sie in der Nacht darauf aufmerksam macht, wenn Ihr Kind "auf Wanderschaft" geht. Wenn Sie das Schlafwandeln bemerken, sollten Sie aus Sicherheitsgründen versuchen, Ihr Kind in sein Bett zurückzuführen - allerdings mit großer Behutsamkeit, denn Schlafwandler wehren sich, wenn man sie aufhalten will. Vermeiden Sie es, Ihrem Kind am nächsten Tag von den Gefahren der Nacht zu berichten - das löst unter Umständen zusätzlich Ängste aus. Schlafwandeln tritt am häufigsten im Alter zwischen vier und acht Jahren auf, oft bei Kindern, die in jüngeren Jahren im Schlaf gesprochen haben. Ungefähr 15 Prozent aller 5- bis 12-jährigen Kinder schlafwandeln einmal; fünf Prozent häufiger. In den meisten Fällen lässt das Schlafwandeln mit zunehmendem Alter nach und verliert sich bis zur Pubertät ganz. Sollte Ihr Kind regelmäßig schlafwandeln, ist es ratsam, in der kinderärztlichen Praxis abklären zu lassen, dass es sich wirklich um Schlafwandeln und nicht um ein Anfallsleiden handelt.

Alpträume: oft die Folge zu starker Eindrücke

Ganz anders als bei einem "Nachtschreck", den das Kind selbst eigentlich gar nicht mitbekommt und an den es sich auch nicht erinnern kann, werden Alpträume oft als schrecklich und bedrohlich erlebt. Wer als Erwachsener einmal "schlecht geträumt" hat, weiß, wie bedrückend ein solcher Traum auch noch Tage danach wirken kann. Bei einem Kind ist es nicht anders. Wenn es nach einem Alptraum aufwacht, kann es sich meist noch sehr lebhaft und detailliert an das "Erlebte" erinnern. Es ist verängstigt, braucht Trost und sucht die Zuwendung und den Schutz der Eltern. Gerade in jüngeren Jahren (etwa bis Ende Vorschulalter), in denen ein Kind Träume als Wirklichkeit erlebt, kann die Angst aus dem Traum noch lange nach dem Aufwachen anhalten. Meist erinnern sich die Kinder noch Tage oder sogar Wochen danach an einen Alptraum.

Wenn Ihr Kind nach einem Alptraum aufwacht und nach Ihnen ruft oder zu Ihnen kommt, braucht es vor allem Ihr Verständnis, damit es seinen Traum verarbeiten kann. Wenn das Kind schon sprechen kann, können Sie sich mit ihm über das unterhalten, was es geträumt hat. Schlaftherapeuten haben die Erfahrung gemacht, dass es hilfreich sein kann, wenn man Kinder am nächsten Tag die Figuren aus ihren Träumen malen lässt und sie somit "fassbar" macht. Die Kinder sollen sich dann für das Erlebnis im Traum einen neuen, guten Ausgang überlegen.

Etwa jedes zweite Kind im Alter zwischen zwei und zehn Jahren leidet irgendwann einmal an Alpträumen; am häufigsten treten Alpträume in der Vorschulzeit auf und lassen dann wieder nach.

Von den Parasomnien sind Alpträume diejenigen, bei denen am ehesten ein Zusammenhang mit akuten oder chronischen Belastungen besteht. So sind die Ursachen für einen Alptraum denn auch häufig in sehr intensiven oder beängstigenden Tageseindrücken zu suchen, die das Kind überfordern. Hierzu zählt auch ein übermäßiger und nicht kindgerechter Fernsehkonsum. Besonders bei Schulkindern kann Überforderung aufgrund von schulischem Leistungsdruck eine Rolle spielen.

Um "böse Träume" zu vermeiden, sollten Sie tagsüber auf eine ausgeglichene Atmosphäre achten. Geben Sie Ihrem Kind abends vor dem Schlafengehen Gelegenheit, über das am Tag Erlebte zu sprechen - belastende Ereignisse sollten jedoch besser tagsüber besprochen werden. Und achten Sie darauf, dass Ihr Kind nicht zu viel fernsieht. In der letzten Stunde vor dem Einschlafen sollte Fernsehen tabu sein.

Grundsätzlich sind Alpträume kein Grund zu Besorgnis. Wenn Ihr Kind aber regelmäßig ein- oder mehrmals pro Woche Alpträume hat, sollten Sie fachliche Hilfe in Anspruch nehmen und mögliche Ursachen bedenken. Wenden Sie sich dann am besten an Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt.

Sprechen im Schlaf: unbedenkliche Geräuschkulisse

Dass Kinder im Schlaf sprechen, kommt sehr häufig vor. Die Äußerungen reichen von Seufzen, Stöhnen und Lachen über unverständliches Gemurmel bis hin zu gut verständlichen Sätzen, die aber oft überhaupt keinen Sinn ergeben. Kinder, die häufig im Schlaf sprechen, neigen, wenn sie älter werden, stärker zum Schlafwandeln als andere.

Sprechen im Schlaf ist harmlos, auch wenn es verstärkt im Zusammenhang mit Fieber oder Stress auftritt. Eine Behandlung ist grundsätzlich nicht nötig. Wenn Sie über längere Zeit Stress als Ursache vermuten, sollten Sie mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt darüber reden.

Nächtliche "rhythmische Bewegungsstörungen": harmlose Beruhigungsversuche

Völlig harmlos sind sogenannte nächtliche rhythmische Bewegungsstörungen, die vor allem im Säuglings- und Kleinkindalter auftreten können. Unmittelbar vor dem Einschlafen beginnt das Kind, mit dem Kopf oder Körper gegen die Gitterstäbe des Bettchens zu klopfen – vermutlich, um sich zu beruhigen. Das ist für Eltern natürlich höchst beunruhigend und erschreckend, aber keine Sorge: Kinder verletzen sich dabei fast nie und spätestens ab dem vierten Lebensjahr verschwindet dieses Verhalten ganz von selbst wieder.

Zähneknirschen: möglicherweise Grund für einen Zahnarztbesuch

Nächtliches Zähneknirschen tritt in den meisten Fällen nur gelegentlich auf und muss dann auch nicht behandelt werden. Dauerhaftes oder häufiges Zähneknirschen kann jedoch die Zähne übermäßig abnutzen, was durch sogenannte "Beißschienen" verhindert werden kann. Manchmal ist das Zähneknirschen auch ein Hinweis auf Fehlstellungen im Gebiss. Deshalb sollten Sie das Problem bei regelmäßigem Auftreten auf jeden Fall mit einem Zahnarzt besprechen.

Da das Zähneknirschen in Belastungssituationen meist zunimmt, kann in Einzelfällen eine Entspannungstherapie ratsam sein. Sprechen Sie mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt, wenn Sie bei Ihrem Kind einen solchen Zusammenhang vermuten.