Probleme und Krisen gemeinsam angehen

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Probleme wie Verhaltensauffälligkeiten oder der Verdacht auf eine Gefährdung des Kindeswohls erfordern bei Gesprächen ein besonders behutsames Vorgehen.

Mädchen sitzt nachdenklich an Spieltisch © Corbis Images
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Auffälliges Verhalten, verzögerte Entwicklung des Kindes

Probleme beim Spracherwerb oder Schwächen in der motorischen Entwicklung beeinflussen die gesamte Entwicklung eines Kindes. Auch Auffälligkeiten im Verhalten eines Kindes – es ist zum Beispiel besonders aggressiv oder tut sich schwer, mit anderen Kindern in Kontakt zu kommen – geben Anlass, das Gespräch mit Eltern zu suchen. Denn Eltern ist es oft nicht möglich, Auffälligkeiten ihres eigenen Kindes zu erkennen. Dies hat verschiedene Gründe:

  • Eltern erleben ihr Kind ausschließlich aus ihrer subjektiven Sicht.
  • Sie haben wenig fachliche Bewertungsgrundlagen, die ihnen ermöglichen, ein Verhalten als „normal“ oder „auffällig“ zu bezeichnen.
  • Sie erleben ihr Kind nicht regelmäßig in einer festen Gruppe Gleichaltriger.

Kita-Fachkräfte und Tagespflegeeltern sind dafür verantwortlich, das Kind in seiner gesunden Entwicklung zu unterstützen. Allerdings ist es nicht ihre Aufgabe zu diagnostizieren; aber möglicherweise können sie einschätzen, ob es sinnvoll ist, zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen und zum Beispiel externe Fachdienste hinzuzuziehen.

Grundsätzlich sollten die gesunde Entwicklung und mögliche Störungen im Betreuungsalltag wie auch in der Arbeit mit Eltern regelmäßig thematisiert werden: Neben den regelmäßigen, individuellen Entwicklungsgesprächen mit Eltern können Sie vor allem in der Kita zum Beispiel Elternabende veranstalten oder Elternkurse anbieten, mit denen Sie viele Eltern erreichen können. Auch eine Infotafel mit Fachdiensten und Beratungsstellen in der Region kann Eltern unverbindlich darüber informieren, wo sie gegebenenfalls Hilfe in Anspruch nehmen können.

Hilfreich im konkreten Einzelfall:

  • Schieben Sie Beobachtungen nicht auf die lange Bank und besprechen Sie sich zügig mit Kolleginnen und Kollegen und gegebenenfalls mit anderen Fachdiensten.
  • Vereinbaren Sie zeitnah einen Termin mit den Eltern.
  • Bereiten Sie das Gespräch mit den Eltern gut vor, zum Beispiel anhand eines Leitfadens. Wichtig: Gehen Sie in dem Gespräch konstruktiv vor und besprechen Sie gemeinsam mit den Eltern, wie Änderungen im Verhalten des Kindes erreicht oder andere Schwierigkeiten bewältigt werden könnten.
  • Halten Sie nach Möglichkeit Adressen und Ansprechpartner, vielleicht auch ein Infoblatt von externen Fachdiensten und Beratungsstellen bereit, um diese im Rahmen des Gesprächs zu empfehlen.
  • Dokumentieren Sie das Gespräch möglichst noch im Beisein der Eltern. Füllen Sie gegebenenfalls auch noch einen Begleitbogen für den internen Gebrauch aus.

Verdacht auf Gefährdung des Kindeswohls

Durch den täglichen Kontakt mit Kindern und den regelmäßigen Austausch mit den Eltern kann Ihnen schon frühzeitig auffallen, wenn mit dem Kind aus Ihrer Sicht „etwas nicht stimmt“. Möglicherweise ist ein Kind über einen längeren Zeitraum besonders ungepflegt, zeigt außergewöhnlich aggressives Verhalten oder zieht sich völlig zurück. Wenn Sie vermuten, dass zu Hause oder im Umfeld des Kindes grundlegende Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung nicht – mehr – gegeben sind, ist es Ihre Pflicht, aktiv zu werden, das Gespräch mit den Eltern zu suchen und entsprechende Hilfen anzubahnen.

Hilfreich im konkreten Verdachtsfall:

  • Schieben Sie ein Gespräch über Ihren Verdacht nicht auf. Wenden Sie sich in der Kita als Erstes an Kolleginnen, Kollegen oder die Einrichtungsleitung und besprechen Sie Ihre Vermutung. Die Fallverantwortung liegt letztendlich bei der Leitung der Kindertagesstätte. Als Tagesmutter oder Tagesvater haben Sie denselben Schutzauftrag und sollten im Verdachtsfall Ihre Vermutung und Wahrnehmung dokumentieren und gegebenenfalls eine erfahrene Fachkraft hinzuziehen. Diese ist beim zuständigen Jugendamt oder einer vom Jugendamt beauftragten Stelle zu finden.
  • Erarbeiten Sie gemeinsam Vorschläge, welche Hilfen erforderlich und geeignet sind, um eine mögliche Gefährdung abzuwenden.
  • Holen Sie noch vor dem Gespräch mit den Eltern anonym, das heißt ohne Nennung eines Namens, externe Hilfe und Beratung ein, um Ihre Vermutungen abzusichern.
  • Vereinbaren Sie zeitnah einen Termin mit den Eltern, beachten Sie für das Gespräch die Hinweise, die im Abschnitt zuvor bereits genannt sind.

Bei akuten Gefährdungen des Kindes ist das Jugendamt, bei Nichterreichbarkeit gegebenenfalls die Polizei zu informieren.

Konflikte mit Eltern

In Kindertageseinrichtungen oder in der Kindertagespflege treffen häufig zwei Lebenswelten aufeinander. Ansprüche und Erwartungen der Fachkräfte und Betreuungspersonen treffen auf Wünsche, Forderungen und Ansprüche der Eltern. Dabei kann es leicht zu Konflikten kommen.

Typische konfliktanfällige Situationen:

  • Vorstellungen und Erwartungen von Eltern und Fachkräften weichen stark voneinander ab, zum Beispiel bezüglich des zugrunde liegenden Bildungsverständnisses, zur Erziehung, zur pädagogischen Kompetenz oder auch zum akuten Gesundheits- oder Krankheitszustand.
  • Eltern geben zu viel Verantwortung an die Fachkräfte ab, wenn sie zum Beispiel davon ausgehen, dass Kinder in der Kita lernen können „trocken zu werden“ oder Konflikte zu bewältigen.
  • Eltern wollen zu viel mitreden oder fühlen sich übergangen.
  • Eltern halten sich nicht an organisatorische Regelungen, kommen zum Beispiel häufig zu spät, geben entgegen der Absprachen Süßigkeiten mit oder bringen ihre Kinder nach einer Erkrankung zu früh oder ohne Attest wieder in die Kita.

Versuchen Sie Konflikte konstruktiv zu lösen. Dies ist nicht immer einfach. Besonders schwierig wird es dann, wenn Sie sich persönlich angegriffen, verletzt oder ungerecht behandelt fühlen.

Hilfreich bei Konflikten mit Eltern:

  • Vereinbaren Sie einen gesonderten Gesprächstermin, wenn sich der Konflikt spontan ergibt und nicht schnell geklärt werden kann.
  • Bereiten Sie das Gespräch vor, zum Beispiel anhand eines Leitfadens.
  • Halten Sie die Regelungen Ihrer Einrichtung, zum Beispiel zur Rückkehr nach Erkrankungen oder zur gesunden Ernährung in der Kita, grundsätzlich schriftlich fest.

Wenn Sie feststellen, dass manche Themen immer wieder zu Konflikten führen, können Sie auch einen Elternbrief verteilen oder einen Infonachmittag in der Kita veranstalten und dort die Themen aufgreifen.

Arbeitsmaterialien und Link- und Lesetipps

Merkzettel Kita-Praxis

Materialien für Gespräche mit Eltern

Materialien für Veranstaltungen mit Eltern

Weiterführende Linktipps zum Thema

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