Wenn Ihr Kind mehrsprachig aufwächst

0-6 Jahre

Zuwendung, Sprechfreude und sprachliche Vorbilder in der Erst- oder Muttersprache sind die beste Basis für ein erfolgreiches Erlernen der zweiten Sprache.

Familie mit Kind sitzt draußen im Grünen
© monkeybusinessimages/iStockphoto

In der eigenen Muttersprache mit dem Kind sprechen

In den ersten Lebensjahren werden die wesentlichen Grundlagen der sprachlichen Entwicklung gelegt.

  • Sprechen Sie vor allem in diesen ersten Jahren als Mutter oder Vater immer in der Sprache zu Ihrem Kind, die Sie selbst sicher beherrschen und in der Sie Ihre Gedanken und Ihre Gefühle am besten ausdrücken können. In der Regel ist dies die eigene Muttersprache.
  • Je nachdem, was Ihre Muttersprache ist, sollten Sie beispielsweise als Mutter immer türkisch, als Vater immer deutsch mit Ihrem Kind sprechen – oder umgekehrt.

Klare „Sprachregeln“ bei Zweisprachigkeit innerhalb der Familie

Kinder sind durchaus in der Lage, die verschiedenen Sprachen in ihren Eigenheiten zu unterscheiden und gleichzeitig zu erwerben. Voraussetzung ist allerdings, es gibt in Ihrer Familie klare und möglichst konsequent eingehaltene „Sprachregeln“:

  • Die beiden Sprachen sollten nicht willkürlich benutzt oder gewechselt werden.
  • Für Ihr Kind ist es wichtig, dass es eine bestimmte Sprache mit einer bestimmten Person oder mit bestimmten Situationen in Verbindung bringen kann.
  • Ihr Kind sollte in beiden Sprachen gleichermaßen emotionale und sprachliche Zuwendung erfahren.

Die Entwicklung in der Muttersprache – wichtige Basis für die Zweitsprache

In den meisten Fällen von Mehrsprachigkeit wird in der Familie eine Sprache gesprochen, zum Beispiel Türkisch oder Russisch, während die zweite Sprache die der Umgebung ist, nämlich Deutsch.

  • Auch in diesem Fall sollten Sie als Eltern mit Ihrem Kind in Ihrer eigenen Sprache sprechen – in der Sprache, in der Sie Ihr Kind am besten beruhigen und trösten, ihm Zuwendung, Wärme und Geborgenheit zeigen können.
  • Verwöhnen Sie Ihr Kind von Anfang an mit Ihrer eigenen Sprache. Indem Sie seine Sprechfreude wecken und ihm ein gutes sprachliches Vorbild bieten, unterstützen Sie seine sprachliche Entwicklung in seiner Muttersprache.
  • Damit schaffen Sie gleichzeitig auch eine wichtige Basis für das erfolgreiche Lernen der zweiten Sprache.

Unter „natürlichen Bedingungen“ lernt sich die Zweitsprache leichter

Wenn sich Ihr Kind in seiner Muttersprache altersgerecht entwickelt, kann es die zweite Sprache umso leichter lernen,

  • je früher es mit dieser Sprache in Berührung kommt,
  • je mehr Gelegenheit es erhält, diese Sprache zu erleben und auch anzuwenden – auf dem Spielplatz, mit Freunden zu Hause, in der Kindertagesstätte.

Vor allem, wenn bei Ihnen zu Hause kein Deutsch gesprochen wird, spielt die Kindertagesstätte eine wichtige Rolle für das erfolgreiche Lernen der Zweitsprache. Im gemeinsamen Spiel und Tun mit anderen Kindern, vor allem aber durch das sprachliche Vorbild von Erzieherinnen und Erziehern wird Ihr Kind nach und nach mit der Zweitsprache vertraut. Es lernt Begriffe kennen und anzuwenden und erschließt sich – ähnlich wie bei der Erstsprache – die innere Logik und Struktur der Sprache.

Jede Sprache braucht Wertschätzung und Gelegenheit zur Anwendung

Damit Ihr Kind seine sprachlichen Fähigkeiten in beiden Sprachen gleichermaßen entwickeln und aufrechterhalten kann, braucht es

  • Gelegenheit, diese Sprachen sinnvoll nutzen und anwenden zu können;
  • die Erfahrung, dass jede Sprache – die Erst- wie auch die Zweitsprache – wertvoll ist.

Vor allem im Schulalter besteht oft die Gefahr, dass die Muttersprache verkümmert, weil die deutsche Sprache überhand gewinnt. Auch wenn Ihr Kind in bestimmten Phasen nur in einer Sprache, zum Beispiel Deutsch, spricht, sollten Sie als Eltern deshalb immer in ihrer eigenen, gewohnten Sprache antworten und sprechen.

Sprachvermischungen sind in bestimmten Entwicklungsphasen normal

  • Mehrsprachig aufwachsende Kinder haben zuweilen Phasen, in denen sie beide Sprachen durcheinander sprechen.
  • Vor allem bei gleichzeitigem Erwerb verschiedener Sprachen kann die Sprachentwicklung zunächst auch etwas verzögert sein. Dies kann sich zum Beispiel bis ins frühe Schulalter in einem kleineren Wortschatz und in einem einfacheren Satzbau bemerkbar machen.

Solche „Auffälligkeiten“ sind normal und geben sich in der Regel nach einer Weile. Schon bald wird sich Ihr Kind sicher in beiden Sprachen ausdrücken und mühelos von einer Sprache in die andere wechseln können.

Manchmal ist fachliche Unterstützung nötig

Wie in der einsprachigen Entwicklung können sich auch bei Mehrsprachigkeit manchmal hartnäckige Sprach- und Sprechprobleme zeigen, die ärztlich abgeklärt werden sollten.

  • Sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Kinderärztin, wenn Sie sich über die Sprachentwicklung Ihres Kindes Sorgen machen und den geringsten Zweifel haben, ob sich Ihr Kind in seiner Muttersprache oder in beiden Sprachen altersgerecht entwickelt.
  • Durch eine frühzeitige gezielte Unterstützung und Förderung können die meisten Probleme noch vor dem Schulalter erfolgreich angegangen werden.
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