Entdecken, bewegen, nachahmen

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Kinder im Kleinkindalter halten ihre Eltern ganz schön auf Trab. Voller Neugier und „Forschergeist“ entdecken sie die Welt und sind dabei ständig in Bewegung.

Mutter und Tochter erforschen Kastanien © Corbis Images
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Wie funktioniert die Welt?

Der Entdeckungsdrang von Kleinkindern ist meist grenzenlos. Spielen heißt jetzt vor allem: Alles Mögliche wird aufgemacht und ausgeräumt, angefasst und untersucht, manchmal auch zerlegt. Schließlich will Ihr Kind wissen: „Wie funktioniert die Welt?“

Vermutlich werden Sie jetzt immer häufiger beobachten können, wie Ihr Kind im Spiel ausdauernd und beharrlich selbst gestellte „Aufgaben“ löst, zum Beispiel Bauklötze aufeinanderstapelt. Sie werden ihm ansehen, wie stolz es ist, wenn ihm der Turm aus Bauklötzen schließlich gelingt. Wie die „großen Forscherinnen und Forscher“ kommt Ihr Kind über manchen Versuch und Irrtum dahinter, wie etwas funktioniert. Vermutlich versucht es dann dasselbe mit anderen Dingen, unter anderen Bedingungen vielleicht wieder und wieder und festigt so sein Wissen.

Im Spiel erkunden Kinder auf ihre Weise, wie etwas beschaffen ist und funktioniert, prägen sich Bewegungs- und Koordinationsmuster ein und werden dabei immer geschickter. Als Eltern eines Kleinkindes können Sie nichts Besseres tun, als ihm eine Spielumgebung zu schaffen, in der es gefahrlos experimentieren kann. Anregungen dazu finden Sie zum Beispiel im Alltagstipp „Spiel- und Bewegungsräume schaffen“.

Einräumen und ausräumen, stapeln und sortieren

Zu Beginn des zweiten Lebensjahres zeigen die meisten Kinder eine besondere Vorliebe für alle möglichen Gefäße, die eifrig ein- und wieder ausgeräumt werden: Spielbecher mit Würfeln, Eimer und Förmchen im Sandkasten, Schachteln, Dosen, aber auch die Küchenschublade oder das CD-Regal – Hauptsache, es lässt sich etwas hineinräumen und dann wieder herausholen. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass Kinder in diesem Alter dabei sind, eine räumliche Vorstellung zu entwickeln.

Kurze Zeit später wird dann alles interessant, was sich stapeln lässt, und mit hartnäckigem Eifer kann sich Ihr Kind nun wahrscheinlich damit beschäftigen, aus allen möglichen Dingen Türme zu bauen – auch aus Gegenständen, die sich vielleicht weniger dafür eignen.

Gegen Ende des zweiten Lebensjahres werden die Dinge dann eher aneinandergereiht statt gestapelt. Viele Kinder zeigen nun eine Vorliebe für Spielzeugeisenbahnen oder richten mit großer Begeisterung sämtliche Spielzeugautos oder Gummitiere in einer Reihe her.

Ungefähr zur gleichen Zeit macht Ihr Kind eine interessante Entdeckung: Es erkennt langsam, dass Gegenstände aufgrund bestimmter Eigenschaften gleich oder verschieden sein können. Nun werden alle möglichen Dinge nach Form, Farbe, Material oder Größe sortiert: Holztiere hier, Autos dort; große Teller auf diesen Stapel, kleine auf jenen …

Einfache geometrische Formen, wie Kreise oder Dreiecke, kann Ihr Kind jetzt immer sicherer zuordnen, sodass es den Würfel schließlich auf Anhieb in die quadratische Öffnung des Formbrettes steckt. Viele Kinder beginnen in diesem Alter sich mit Steckpuzzles zu beschäftigen.

So tun als ob

Ab Ende des zweiten Lebensjahres wird Ihr Kind Sie vermutlich immer häufiger mit scheinbar fantastischen Einfällen verblüffen: Der Schuh, in dem die Puppe sitzt, wird zum Flugzeug; das Kissen, auf dem die Stofftiere versammelt sind, zum Bus; ein Stöckchen kann ein Löffel sein; der Schuhkarton zum Schiff werden … Wenn etwas nicht vorhanden ist, kann Ihr Kind sich diesen Gegenstand jetzt einfach denken, oder etwas anderes bekommt dessen Bedeutung. Fachleute nennen diese Art des kindlichen Spiels „Symbolspiel“ oder „Als-ob-Spiel“.

Alltag spielen

Im Spiel ahmt Ihr Kind nun vermutlich immer öfter nach, was es bei Ihnen oder anderen Erwachsenen gesehen hat: Es „füttert“ seine Puppe, deckt den Tisch, schimpft mit dem Teddy. Auf diese Weise lernen Kinder, wie alltägliche Dinge gemeistert werden (etwa wie ein Tisch gedeckt, ein Malstift gehalten oder die Toilette benutzt wird), aber auch, wie sie Gefühle ausdrücken, mit anderen Menschen zurechtkommen und Konflikte lösen können.

Ihr Kind hat nun auch besonders viel Freude daran, an Alltagsdingen direkt teilzuhaben und Ihnen zum Beispiel bei der Arbeit zu helfen – bei der Zubereitung des Essens, beim Tischdecken, beim Wäschefalten, beim Fahrradputzen.

Auch werden Sie beobachten können, dass Ihr Kind im Spiel seine Erlebnisse aufgreift – besonders dann, wenn etwas Besonders beeindruckend oder auch beängstigend war oder wenn das Kind eine Erfahrung nicht einordnen konnte. So wird ein Kind, das sich verletzt hat und im Krankenhaus behandelt werden musste, vielleicht über längere Zeit „Arzt“ oder „Ärztin“ spielen. Auf diese Weise versuchen Kinder das Erlebte zu verarbeiten, zu bewältigen, zu verstehen.

Da ist Bewegung im Spiel!

Mit dem selbstständigen Gehen werden Kleinkinder deutlich mobiler und schneller – und damit eröffnen sich ganz neuen Spielmöglichkeiten. Der Bewegungsdrang Ihres Kindes ist jetzt vermutlich geradezu grenzenlos, denn schließlich will es seine neu erworbenen Fähigkeiten ausprobieren! Und schon bald reicht ihm das Laufen allein vermutlich nicht mehr aus: Dann wird auch geklettert, gehüpft, balanciert.

Laufend und kletternd, hüpfend und balancierend lernt Ihr Kind seinen Körper in den unterschiedlichsten Bewegungsarten kennen. Es wird immer geschickter, fällt seltener und entwickelt zunehmend ein Gespür für seine eigenen Fähigkeiten und Grenzen.

Dadurch erhält es auch ein immer klareres Bild von sich selbst. Zugleich fördert Bewegung das Miteinander, denn beim gemeinsamen Laufen oder Klettern nehmen Kinder oft zum ersten Mal Kontakt zueinander auf.

Wie Sie die Bewegungsfreude Ihres Kindes unterstützen können, lesen Sie im Alltagstipp: „Spiel- und Bewegungsräume schaffen“.

Allein spielen

Im Kleinkindalter kann sich Ihr Kind bereits gut allein beschäftigen, und die meisten Kinder tun das auch mit großer Freude und Zufriedenheit. Allerdings möchte Ihr Kind wahrscheinlich meistens noch in Ihrer Nähe spielen. Das ist normal. Denn Kleinkinder brauchen oft noch die räumliche Nähe und die Verfügbarkeit Erwachsener, um sich sicher zu fühlen. Diese Sicherheit hilft Ihrem Kind später, mit räumlicher Trennung von Ihnen (zum Beispiel in der Kindertagesstätte) besser zurechtzukommen.

Beim Alleinspielen benötigt Ihr Kind vielleicht hin und wieder kleine Anregungen und etwas Ermunterung. Dann wird es aber meist schnell wieder in sein Spiel zurückfinden. Bedenken Sie aber auch, dass bei Kindern – ebenso wie bei uns Erwachsenen – nicht jeder Tag gleich ist: Es kann durchaus sein, dass Ihr Kind Ihnen an einem Tag von morgens bis abends „am Rockzipfel hängt“, während es am nächsten Tag über lange Zeit völlig in sein Spiel vertieft ist.

Sollte Ihr Kind kaum allein spielen wollen und Sie immer zum Mitspielen benötigen, können Sie es dabei unterstützen, das Alleinspielen zu lernen. (Siehe hierzu „Allein spielen – zusammen spielen“.) Übrigens: Der Kinderarzt Prof. Remo Largo hat herausgefunden, dass Kinder, die es nicht gewohnt sind, allein zu spielen, oft Probleme mit dem Durchschlafen haben. Sie brauchen auch nachts mehr Beistand und schlafen nicht von allein wieder ein, wenn sie mal wach geworden sind.

Mit anderen spielen

Im zweiten Lebensjahr spielen Kinder noch am liebsten mit Erwachsenen, und als Spielpartner oder Spielpartnerin sind Sie als Eltern am wichtigsten. Besonders faszinierend sind Spiele, bei denen Ihr Kind eine bestimmte Erwartung an Sie hat und herausfinden will, ob sich diese auch erfüllt: Wird mir die Mama den Löffel zurückgeben? Wird Papa den Ball zu mir zurückrollen lassen?

Aber auch andere Kinder werden nun immer wichtiger. Zwar spielen Kinder mit zwei Jahren noch selten wirklich zusammen, aber man kann sehr oft beobachten, dass sie ganz bewusst nebeneinander spielen, oft mit ähnlichem Spielzeug. Sie beobachten sich dabei gegenseitig, sprechen miteinander und bieten sich gegenseitig Spielsachen an.

Dabei erfährt Ihr Kind ganz nebenbei, wie sich das, was es tut, auf seine Umgebung auswirkt. Es lernt teilen, behalten, verteidigen. Ab und zu kommt es sogar auch schon zu „echten“ gemeinsamen Spielen. Das sind in diesem Alter vor allem solche, bei denen wechselseitig abhängige Rollen übernommen werden, wie zum Beispiel beim Verstecken und Suchen, Weglaufen und Fangen.

Versuchen Sie, Ihrem Kind genügend Möglichkeiten zu bieten, Spielfreundinnen und Spielfreunde zu treffen – auf dem Spielplatz, in einer Spielgruppe oder bei wechselseitigen Treffen zu Hause.

Bedenken Sie aber: Mit zwei Jahren kann sich Ihr Kind noch nicht in andere hineinversetzen und sich auch nicht vorstellen, dass ein anderes Kind traurig ist, weil es ihm auf dem Spielplatz beispielsweise sein Eimerchen weggenommen hat. Da ist dann noch Ihr schlichtendes Eingreifen nötig. (Stand: 13.2.2017)