Spielfreude braucht Freiräume

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Ihr Kind braucht Freiräume, um auf seine Weise die Welt entdecken zu können. Ein paar Schrammen bleiben dabei allerdings meist nicht aus.

Spielende Kinder im Freien © Corbis Images
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Freiraum lassen für vielfältige Spiel- und Bewegungserfahrungen

Mit dem freien Gehen wird die Welt für Ihr Kind auf einen Schlag größer. Plötzlich kommt es an Dinge heran, die es vorher nicht erreichen konnte, und das bedeutet: Viel Neues entdecken und viele neue Spielmöglichkeiten! So kann es vielleicht schon Türen öffnen. Und es mag, Schubladen und Schränke auszuräumen. Oder es fängt an, auf Stühle, Tische und Mauern zu klettern.

Die Nerven von Eltern werden da manchmal auf eine harte Probe gestellt. Bevor Sie jedoch vorschnell eingreifen, bedenken Sie: Kinder wollen und sollen ihre neuen Fähigkeiten ausprobieren und einüben. Dafür braucht Ihr Kind Freiräume und muss auch mal etwas wagen können. So gewinnt es Sicherheit und Zutrauen zu sich – nicht nur in körperlicher Hinsicht! Das ist eine wichtige Erfahrung für sein gesamtes weiteres Leben. Das heißt ganz praktisch: Stürzen Sie nicht bei der kleinsten Gefahr sofort herbei und warnen Sie Ihr Kind nicht ständig vor möglichen Gefahren. Das würde es nur unsicher machen. Wichtig ist, dass Ihr Kind lernt, selbst Risiken richtig einzuschätzen. Dass es dabei auch zu einigen Schrammen und Beulen kommt, gehört dazu. Seien Sie in der Nähe für den Fall, dass es einmal wirklich gefährlich wird.

Natürlich ist das immer ein „Drahtseilakt“ für Eltern. Denn neben Freiraum brauchen kleine Kinder den Schutz ihrer Eltern. Sie können Gefahren noch nicht einschätzen – ebenso wenig wie sich selbst und ihre Fähigkeiten –, die Unfallgefahr ist gerade im Kleinkindalter besonders hoch. Viele dieser Unfallgefahren lassen sich jedoch durch vorausschauendes Handeln der Eltern verringern oder ausschließen (siehe hierzu „Unfälle verhüten in Kleinkindalter (1–3 Jahre)“). Darüber hinaus müssen Sie in Abhängigkeit von ihrem Kind und der konkreten Situation jeweils entscheiden, wie viel Freiraum sie Ihrem Kind gefahrlos gewähren können und wo Grenzen nötig sind.

Selber machen lassen

„Alleine!“ Wer kennt diesen Protestschrei kleiner Kinder nicht? Eben noch hat sich Ihr Kind verzweifelt abgemüht, weil der Baustein nicht auf dem anderen bleiben oder die Puppenmütze einfach nicht auf den Kopf des Teddybären passen wollte, aber wenn Sie dann versuchen, ihm etwas zu zeigen, vorzumachen oder einfach nur zu helfen, stoßen Sie auf lautstarke Ablehnung. Ihr Kind hat Recht:

  • Nur wenn es die Möglichkeit hat, Dinge selbst auszuprobieren und einen Weg zu finden, auch Probleme zu überwinden, lernt es Neues dazu.
  • Alles, was Sie Ihrem Kind abnehmen, kann es nicht mehr selbst entdecken.
  • Sie nehmen Ihrem Kind damit die Chance auf manches Erfolgserlebnis, das wiederum sein Selbstvertrauen stärkt und die Spielfreude erhält.

Wenn etwas absolut nicht klappen will, reicht oft eine kleine Hilfestellung der Eltern, und schon geht das Spiel weiter!

Übrigens: Tränen der Enttäuschung und lautstarke Gefühlsausbrüche bleiben manchmal nicht aus, wenn sich Ihr Kind zunächst vergeblich mit etwas „abmüht“. Das ist normal und gehört dazu. Ihr Kind muss den Umgang mit Gefühlen wie Frustration oder Enttäuschung noch lernen.

Anregen, aber nicht dirigieren

Ihre Zurückhaltung ist auch gefragt, wenn Ihr Kind gerade in ein Spiel vertieft ist. Lassen Sie ihm Zeit und Ruhe, sich allein mit etwas zu beschäftigen. Durch Ihre Einmischung würden Sie es nur aus seinem spannenden Spiel reißen. Schließlich macht es gerade tolle neue Entdeckungen und wichtige Erfahrungen!

Die meisten Kinder zwischen ein und drei Jahren beschäftigen sich aber nicht länger als 15 bis 30 Minuten allein (mit dem Alter zunehmend). Wenn sich das Spiel Ihres Kindes erschöpft hat, können Sie ihm neue Anregungen geben, ihm neue Gegenstände zum Erkunden geben oder einfach mitspielen.

Seien Sie aber nicht enttäuscht oder gekränkt, wenn Ihr Kind etwas ganz anderes spielt, als Sie es sich vorstellen (oder gerne hätten). Zum Beispiel, wenn es den Anweisungen eines Kinderreims nicht folgt. Statt im Kreis zu gehen, singt es vergnügt nur ein einzelnes Wort, quietscht, kreischt und hüpft dazu auf und ab. Das heißt nicht, dass Ihr Kind nicht verstanden hat, was es tun soll – es hat einfach nur seine eigenen Vorstellungen von diesem Spiel. „Richtig“ ist, was Ihr Kind daraus macht – und nicht, was Sie von dem Spiel erwarten.

Wenn Eltern bereit sind, auf das Spiel ihres Kindes zu schauen, darauf eingehen und es bei Vorschlägen und Angeboten belassen, wenn es nicht weiterweiß, geben sie ihm die beste Unterstützung.

Übrigens: Ihr Kind zeigt Ihnen deutlich, wenn es anders will als Sie: Es schiebt die Dinge, die Sie ihm anbieten, einfach weg, reagiert ungeduldig bis quengelig, langweilt sich offensichtlich oder macht einfach mit dem weiter, was es viel mehr interessiert. (Stand: 13.2.2017)