Kindliches Trotzverhalten – wie damit umgehen?

Wollen und Nicht-Können, Misserfolg und Enttäuschung können bei Kindern heftige Trotzreaktionen hervorrufen. Hier einige Tipps, wie Sie Ihr Kind unterstützen können.

Trotzig schauendes Mädchen © Corbis Images
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Trotzverhalten ist eine normale Erscheinung

Alle Kinder zeigen ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Trotzverhalten. Allerdings ist die Häufigkeit und Heftigkeit solcher Trotzreaktionen von Kind zu Kind verschieden. Meist treten „typische“ Trotzreaktionen gehäuft ab der Mitte des zweiten Lebensjahres auf. Mit Beginn des dritten Lebensjahres und mit zunehmenden sprachlichen Fähigkeiten nimmt die Heftigkeit solcher „Auftritte“ oft schon wieder ab. Nach dem dritten Lebensjahr werden die Trotzreaktionen in der Regel seltener.

Enttäuschte Erwartungen

Trotzreaktionen werden vor allem mit der wachsenden Selbstwahrnehmung und den Fortschritten in der geistigen Entwicklung des Kindes in Verbindung gebracht. Letztlich stecken immer enttäuschte Erwartungen dahinter:

  • Ihr Kind möchte etwas tun oder haben und stößt dabei an seine oder die von Ihnen gesetzten Grenzen.
  • Gewohntes, wie zum Beispiel ein alltägliches Ritual, fällt unerwartet aus oder wird verändert.

Mit den heftigen Konflikten und Gefühlen, die hierdurch hervorgerufen werden, kann Ihr Kind zunächst noch nicht umgehen: Vielleicht beginnt es verzweifelt und wütend zu toben, ist „bockig“ und widersetzt sich Ihnen, verkriecht sich in eine Ecke und ist für den Moment nicht mehr ansprechbar oder es reißt sich sogar von der Hand los und läuft weg. Am Ende sind nicht selten beide Seiten – Ihr Kind wie auch Sie selbst – erschöpft und leiden darunter.

Manche Eltern empfinden das Trotzverhalten ihres Kindes als willentliche Auflehnung oder Böswilligkeit, andere sind verunsichert und glauben, etwas falsch gemacht zu haben. Vor allem in der Öffentlichkeit fühlen sich Eltern oft hilflos und durch den Trotzanfall ihres Kindes in arge Verlegenheit gebracht.

Hilfreiche Tipps für „trotzige“ Auftritte

Die „Lernerfahrungen“ im Umgang mit Enttäuschungen können Sie für Ihr Kind wie auch für sich selbst bereits im Vorfeld etwas leichter machen. Und auch in einer "akuten" Situation lässt sich manches „Ausufern“ verhindern:

  • Gewähren Sie Ihrem Kind genügend Freiraum, in dem es seine altersgemäßen Erfahrungen machen und seine Neugier einsetzen kann.
  • Legen Sie Regeln fest und setzen Sie Grenzen dort, wo sie sinnvoll und wichtig sind, beispielsweise um gefährliche Situationen zu vermeiden.
  • Fragen Sie sich bei Verboten, ob sie angebracht und notwendig sind.
  • Bleiben Sie bei einem einmal ausgesprochenen „Nein“, wenn es sinnvoll ist. Versuchen Sie Ihrem Kind zu erklären, weshalb es etwas nicht darf oder bekommt.
  • Handeln Sie mit Ihrem Kind Kompromisse oder Alternativen aus, wenn Sie es „vertrösten“ oder ihm einen bestimmten Wunsch abschlagen müssen.
  • Geben Sie Ihrem Kind Zeit und Gelegenheit, sich auf Veränderungen einzustellen, indem Sie zum Beispiel frühzeitig ankündigen, dass es sein Spiel beenden muss, weil gleich gegessen wird oder es ins Bett muss.
  • Manchmal hilft auch Ablenkung: Lenken Sie die Aufmerksamkeit Ihres Kindes auf etwas anderes Interessantes, wenn es sich über etwas ärgert.
  • Schenken Sie einem „Trotzanfall“ möglichst wenig Beachtung, solange Ihr Kind hierdurch nicht in Gefahr gerät, und versuchen Sie, möglichst gelassen zu bleiben.
  • Bleiben Sie bei Ihrem Kind und warten Sie ab, bis es sich von selbst wieder so weit beruhigt hat, dass es ansprechbar ist.
  • Versuchen Sie nicht, durch Strafe oder Ablehnung das Verhalten Ihres Kindes zu verändern – hierdurch würden Häufigkeit und Stärke der Trotzreaktionen eher zu- denn abnehmen.
  • „Belohnen“ Sie Ihr Kind aber auch nicht, indem Sie beispielsweise im Supermarkt doch das kaufen, was Sie ihm zuvor abgeschlagen haben.
  • Versuchen Sie, mit Ihrem Kind, wenn es sich wieder beruhigt hat, über seine negativen Gefühle zu sprechen, und geben Sie ihm das Gefühl, dass es ernst genommen wird.
  • Vermitteln Sie Ihrem Kind immer, dass Sie zwar eine bestimmte Situation und ein bestimmtes Verhalten nicht gut finden, nicht aber es selbst ablehnen.
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