Wenn Medien Angst machen oder verstören

Link zur Seite: Ängste & Verstörung | © Corbis Images

© Corbis Images

Kinder verarbeiten Eindrücke anders als Erwachsene und müssen nach und nach lernen, wie sie zum Beispiel im Fernsehen Gesehenes einordnen und damit umgehen können.

Ängstliche Kinder an Computer © Corbis Images
© Corbis Images

Deshalb kann es auch immer wieder passieren, dass Bilder und Informationen, zum Beispiel aus dem Fernsehen, sie überfordern, ängstigen oder verstören. Das wird sich auch niemals ganz vermeiden lassen - selbst wenn sich Eltern sehr darum bemühen, dass ihr Kind nicht zu viel und nur Ausgewähltes im Fernsehen sieht oder am Computer spielt.

Was Kindern Angst macht

Ob und welche Szenen und Bilder aus den Medien bei Kindern Ängste auslösen, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Zunächst spielt vor allem das Alter und der geistige und gefühlsmäßige Entwicklungsstand des Kindes eine Rolle: Was für ein achtjähriges Kind gute Unterhaltung ist, kann ein fünfjähriges unter Umständen schwer verstören.

Je jünger ein Kind ist, desto stärker wird es durch Geräusche und Musik in den Bann gezogen. Auch Dunkelheit und Schattenspiele sind für Kinder im Vorschulalter eine Herausforderung - im wirklichen Leben ebenso wie beim Fernsehen. Dramaturgische Elemente oder Trickeffekte können sie meist noch nicht durchschauen, weshalb diese eine besonders starke Wirkung haben: Die in Großaufnahme gezeigte Ameise kann da schnell zum Monster werden, das Ängste und Alpträume auslöst. Auch wenn Hexen, Vampire oder Gespenster auftreten, erleben Kinder in diesem Alter dies oft als Gratwanderung zwischen "Lust am Gruseln" und echten Ängsten. Der Hinweis, es sei doch "nur ein Film!", hilft Kindern in diesem Alter wenig: Zwischen der künstlichen und der wirklichen Welt können sie oft noch nicht wirklich trennen - ebenso wenig wie zwischen Traum und Wirklichkeit ("magische Phase").

Ältere Kinder - ab dem frühen Grundschulalter - reagieren hingegen eher dann ängstlich oder verunsichert, wenn realistische Situationen gezeigt werden, die ihrem Alltag nahe sind. Sie fühlen oft stark mit und beziehen die gezeigten Situationen auf sich selbst und ihr eigenes Leben ("Könnte mir das auch passieren?"). Besonders, wenn Kinder selbst schon einmal etwas Ähnliches erlebt haben (zum Beispiel einen Unfall), kann das Gesehene Angst auslösen bzw. die alte Angst wiederbeleben.

Ängste sind oft nicht vorhersehbar

Auch bei gleichem Alter kann es von Kind zu Kind große Unterschiede geben, ob und worauf ein Kind mit Angst reagiert. Zum einen unterscheiden sich Kinder gleichen Alters in ihrer Entwicklung, zum anderen ist es ein Stück weit auch eine "Typfrage": Das eine Kind ist besonders empfindsam, das andere eher robuster; das eine lässt sich mit Haut und Haaren in den Bann des Gesehenen und Gehörten ziehen, das andere hält sich eher mal Augen und Ohren zu oder verlässt sogar den Raum, wenn die Spannung zu groß wird oder es Angst bekommt.

Auch die momentane Lebenssituation des Kindes spielt eine Rolle: Ist es gerade in einer Lebenssituation, in der es vielleicht besonders empfindsam ist (zum Beispiel Trennung der Eltern, Streit mit dem besten Freund, der besten Freundin)? Manchmal reagieren Kinder aber auch ganz unerwartet ängstlich - selbst auf "pädagogisch wertvolle", in unseren Augen völlig harmlose Filme oder Sendungen. Das liegt daran, dass Fernsehen Kindern besonders dann Angst machen kann, wenn es an etwas anknüpft, was ein Kind gerade beschäftigt, was es selbst schon erlebt hat oder was nah an seinem Alltag liegt. Das können Eltern nicht vorhersehen - und müssen es auch gar nicht. Denn solche Momente können für Eltern ein Anlass dafür sein, besser zu verstehen, was gerade in ihrem Kind vorgeht, und mit dem Kind über seine Sorgen und Nöte zu sprechen. Voraussetzung dafür ist, dass Sie in solchen Momenten für Ihr Kind da sind, sich ihm zuwenden und auch einmal vorsichtig nachfragen.

Nachrichten: Bilder von Kriegen, Katastrophen und Gewalt

Die Informationen und Bilder aus Nachrichtensendungen können Kinder oftmals stark überfordern und belasten. So lösen Bilder von Katastrophen, Unglücken und Gewalt bei vielen Kindern Ängste und Gefühle von Ohnmacht und Hilflosigkeit aus - besonders, wenn es sich um Bilder der Opfer handelt und wenn Blut zu sehen ist. Oft handelt es sich um Trennungs- und Verlassensängste: Das Kind befürchtet, ihm oder seinen Eltern könnte etwas Ähnliches widerfahren.

Besonders jüngere Kinder sollten deshalb Nachrichten, die für Erwachsene gemacht sind, möglichst nicht sehen - auch nicht "nebenbei". Achten Sie auch darauf, dass Ihr Kind nicht mitschaut, wenn Sie sich die Nachrichten ansehen. Am besten, Sie sehen einfach eine Nachrichtensendung an, die erst nach der Zubettgehzeit Ihres Kindes ausgestrahlt wird.

Bei aller Achtsamkeit lassen sich Kinder von diesen Bildern und Informationen allerdings nicht wirklich sicher fernhalten, denn sie werden nicht nur über Fernsehnachrichten, sondern auch über viele andere Medien verbreitet, mit denen Kinder unwillkürlich in Berührung kommen: Da ist die Radiosendung, die man während des Frühstücks hört, da sind die am Kiosk ausgelegten Zeitungen, die Anzeigentafel an der U-Bahn-Station, die Werbetafeln an Straßen und Plätzen. Seien Sie für Ihr Kind da, wenn es mit solchen Informationen und Bildern konfrontiert wird. Helfen Sie ihm, das Gesehene und Gehörte zu verarbeiten, indem Sie es ernst nehmen und auf seine Fragen eingehen und ihm Trost und Geborgenheit spenden.

Für ältere Kinder (ab dem frühen Grundschulalter) sind spezielle Kinder-Nachrichtensendungen (zum Beispiel "logo") besonders geeignet, da sie den Kindern auf kindgerechte Weise Informationen und Hintergründe zu den aktuellen Nachrichten liefern. Schauen Sie diese Sendungen möglichst mit Ihrem Kind gemeinsam an, um da zu sein, wenn es Fragen hat oder verunsichert ist.

Boulevardsendungen, Reality-TV & Co.

Boulevardsendungen, Reality-TV und Ähnliches kommen oft harmlos daher, zumal sie auch im Nachmittags- oder Vorabendprogramm gesendet werden. Nicht selten werden in solchen Sendungen aber Gewalt, Unfälle oder Tragödien möglichst realitätsgetreu nachgestellt, was für Kinder sehr schwer zu verarbeiten ist. Oft handelt es sich bei den nachgestellten Situationen noch dazu um Geschehnisse, die nah am Alltag oder der Vorstellungswelt der Kinder sind - beispielsweise wenn ein Kind verunglückt oder Kinder vernachlässigt oder misshandelt werden. Wenn Kinder so etwas sehen, kann sie das schwer verstören, und das Gesehene hallt unter Umständen noch lange in ihren Köpfen nach. Das kann sich zum Beispiel daran zeigen, dass ein Kind plötzlich ängstlicher ist, nur noch mit Licht einschlafen kann oder nachts wieder ins elterliche Bett kommt. In solchen Fällen brauchen Kinder von ihren Eltern sehr viel Trost und Geborgenheit, um ihre Ängste zu überwinden. Und am besten ist es natürlich, wenn Kinder solche Dinge erst gar nicht zu sehen bekommen. (Stand: 30.04.2015)

Was Sie als Eltern tun können

Die Alltagtipps "Ängste und Überforderung durch Medien - so beugen Sie vor" bieten eine Übersicht, was Sie als Eltern vorbeugend tun können, um Überforderungen durch Fernsehen und Computerspiele möglichst gering zu halten. Die Tipps stehen auch als PDF-Download bereit.