Spielen – die beste Förderung für Ihr Kind

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Kinder spielen und lernen aus eigenem Antrieb. Denn sie sind von Natur aus neugierig und möchten die Welt entdecken – wenn wir sie lassen.

Spielende Kinder mit Handpuppe © Corbis Images
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Es wird Eltern nicht immer leicht gemacht, die Entwicklung ihrer Kinder gelassen zu begleiten: Zahlreiche Ratgeber versuchen ihnen zu erklären, was gut für ihr Kind ist, wie entscheidend die ersten Jahre für das spätere Leben ihres Kindes sind, und wie wichtig eine möglichst frühe und „richtige“ Förderung für ihr Kind ist. Und obwohl Eltern meist intuitiv das Richtige tun und „die Experten“ für ihr Kind sind, sind viele hierdurch häufig verunsichert. Aufmerksam werden gleichaltrige Kinder beobachtet und mit den eigenen Kindern verglichen. Wenn dann andere Kinder schon besser sprechen, laufen, spielen oder singen, haben manche Eltern Angst, bei ihren Kindern etwas versäumt zu haben.

Wie gut ist es da doch zu wissen: Es gibt für Kinder eigentlich keine bessere Förderung, als ihnen von klein an genügend Zeit und Raum zum Spielen zu geben. Das zeigt sich auch später in der Schule: Kinder, die vom Kleinkindalter an ausgiebig spielen durften, sind meist stabiler und oft auch erfolgreicher.

Kinder lernen im Spiel

Kinder lernen nicht nur „spielend leicht“, sondern das Spielen ist auch ihre Art zu lernen. Anders ausgedrückt: Bei Kindern sind Spielen und Lernen zwei Seiten ein und derselben Medaille:

  • Im Spiel suchen sich Kinder die Anregungen, die sie gerade für ihre Entwicklung brauchen.
  • Sie lernen die Welt kennen, finden heraus, wie die Dinge funktionieren, wozu sie zu gebrauchen sind und welchen Sinn sie haben.
  • Sie machen sich vertraut mit alltäglichen Gegenständen, wie sie beschaffen sind und worin sie sich unterscheiden und entwickeln so eine immer bessere Vorstellung von ihnen.
  • Spielend üben sie ihre motorischen Fähigkeiten, lernen neue hinzu und wissen ihre Hände und Finger immer geschickter zu gebrauchen.

Dass für Kinder das Spielen viel mehr ist als reiner „Zeitvertreib“, sieht man ihnen auch an, wenn man sie beim Spielen beobachtet: Sie sind meist konzentriert und voller Hingabe.

Förderung in allen Bereichen: Der „Alleskönner“ Spielen

Spielen ist ein „Alleskönner“. Denn beim Spielen entwickelt, übt und festigt Ihr Kind in den verschiedensten Entwicklungsbereichen grundlegende Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse, wie zum Beispiel:

  • Selbstwertgefühl, Selbstbestätigung und Selbstvertrauen,
  • Denkfähigkeit und Kreativität,
  • Verantwortung für sich und andere,
  • Einfühlungsvermögen, Verständnis für andere und Gemeinschaftsgefühl, Konfliktfähigkeit, das Einbringen und Überdenken des eigenen Standpunkts usw.
  • Einhalten von Regeln und Aushalten von Enttäuschung und Misserfolg,
  • Wissen, wie man lernt und Wissen erwirbt.

All dies können Sie Ihrem Kind nicht „beibringen“. Vielmehr eignet es sich diese Fähigkeiten selbst an - oft im Austausch mit anderen, bei dem es seine eigenen Interessen und Ideen mit einbringt. Und all das geschieht bis zum Schulalter – und auch noch darüber hinaus – in erster Linie im Spiel.

Kinder möchten frei und selbstbestimmt spielen

Kinder haben eine angeborene Freude am Spiel und sind von Natur aus neugierig, spontan und experimentierfreudig. Deshalb möchten sie beim Spielen möglichst wenig von Erwachsenen vorgegeben, strukturiert oder organisiert bekommen. Sie bevorzugen Spiele, in die sich Erwachsene möglichst nicht einmischen, sondern in denen sie sich frei entfalten können. Fachleute sprechen hier vom „freien Spiel“.

Natürlich sind Sie als Erwachsene trotzdem wichtig für Ihr Kind:

  • Sie sind diejenigen, die ihm Anregungen und Erfahrungsmöglichkeiten bieten.
  • Sie sind Ansprechpartnerin oder Ansprechpartner, das „Publikum“, dem Ihr Kind stolz seine Ideen präsentiert.
  • Hin und wieder sind Sie auch Lieferant für neue Anregungen.
  • Und natürlich sind Sie auch als Mitspielerin oder Mitspieler interessant – vorausgesetzt, Sie lassen sich von den Ideen und der Spiellust Ihres Kindes anstecken und folgen seinen „Spielregeln“.

Wenn das Kind besondere Förderung erhält

Für ein Kind mit Behinderung bedeutet Spielen wie für jedes andere Kind auch, neugierig sein zu können, zu entdecken und zu lernen. Allerdings besteht leicht die Gefahr, dass jedes Spielen gezielt für Förderzwecke eingesetzt wird und mehr einem Training gleicht als einem freien Spiel. Allzu leicht wird das Spielen dann als „Training“ und nicht als Freude erlebt und das Kind verliert die Lust am Spielen.

Versuchen Sie deshalb, möglichst klar zu trennen zwischen Übungsspielen zur speziellen Förderung, und dem freien Spielen, bei dem Ihr Kind seiner Neugier nachgehen und auf seine Weise die Welt erforschen kann.

Lernspiele braucht Ihr Kind nicht

Die Erkenntnis, dass Spielen und Lernen bei kleinen Kindern zwei Seiten ein und derselben Medaille sind, hat in den letzten Jahrzehnten zu einer Flut von Lern- und Förderspielen geführt. Sie sollen bei Kindern ganz bestimmte Fähigkeiten trainieren, zum Beispiel ordnen, zuordnen, Farben und Formen vergleichen, Oberbegriffe und Unterbegriffe finden. Auch Eigenschaften wie Motivation und Konfliktfähigkeit sollen gefördert werden. All das dient letztlich dem Zweck, die Kinder so gut wie möglich auf die Anforderungen der Schule vorzubereiten, um sie im Konkurrenzkampf möglichst gut bestehen zu lassen.

Doch solche Bemühungen berücksichtigen oft nicht genug die Bedürfnisse des einzelnen Kindes, seine individuelle Eigenheit, Spontaneität und Kreativität – im Gegenteil, sie können sogar „weggefördert“ werden. Sicher können Lernspiele Kindern auch Spaß machen – nötig sind sie für Ihr Kind ganz bestimmt nicht! Denn im freien Spiel, in dem das Kind entscheiden kann, was, wie, womit und wie lange es spielen kann, sucht sich Ihr Kind von ganz allein die Anregungen, die es für seine Entwicklung braucht, entdeckt die Welt und entwickelt seine Kreativität.

Während Lernspiele oft nur eine bestimmt Kompetenz im Blick haben, funktioniert kindliches Lernen im freien Spiel ganzheitlich: da werden Körper und Geist trainiert, soziale Verhaltensweisen geübt und die Seele erhält „Nahrung“.

Kurse & Co. – das richtige Maß

Natürlich spricht nichts dagegen, Ihrem Kind auch in speziellen Kinder-Kursen die Möglichkeit zu geben, eigene Fähigkeiten und Begabungen zu entdecken und zu entwickeln: Musikkurse, Malstunden oder Turnvereine bieten hier unterschiedlichste Möglichkeiten, die Ihrem Kind – je nach Neigungen und Interessen – sicherlich viel Freude machen können. Aber übertreiben Sie es nicht. Das freie Spielen sollte auf jeden Fall den größten Anteil im Tagesablauf Ihres Kindes haben. Ein, höchstens zwei Kurse pro Woche sind bei weitem ausreichend. Und drängen Sie Ihr Kind nicht zu solchen Angeboten, denn das Allerwichtigste ist, dass Ihr Kind daran Freude hat.