„Spielwiese Alltag“: Wie Sie das Spielen in den Alltag integrieren können

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Für Erwachsene gehören „Spielen“ und „Alltagspflichten“ zu zwei verschiedenen Welten – für Kinder nicht!

Mädchen mit Staubsauger © Corbis Images
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Die Wäsche muss gewaschen werden, der Anruf bei der Krankenkasse ist längst überfällig, und die Geschäftspost muss noch weggebracht werden – aber Ihr Kleines fordert lautstark: „Spielst du mit mir???“ Eltern fühlen sich oft zerrissen zwischen ihren Alltagspflichten und -aufgaben und dem Wunsch, mit ihren Kindern zu spielen. Doch Kinder kennen nicht diese Trennung zwischen „Pflichten“ und „Vergnügen“, die typisch ist für die Welt der Erwachsenen. Für sie kann alles spannend und Teil eines Spiels sein – ob Puzzle legen oder Tisch decken, in der Pfütze toben oder Schuhe putzen.

Mitmachen ist gefragt!

Kinder lieben es, das zu tun, was die Erwachsenen tun – die beste Voraussetzung für eine „gute Zusammenarbeit“:

  • Lassen Sie Ihr Kind doch einfach mitmachen, wenn Sie einen Kuchen backen.
  • Lassen Sie es beim Tischdecken und -dekorieren helfen.
  • Bitten Sie um seine Unterstützung beim Fahrradreparieren.

Wenn Sie Ihr Kind in die täglichen Abläufe einbinden, werden Sie merken: Ihr Kind hat viel Freude daran und auch für Sie selbst ist diese „Zusammenarbeit“ eine Bereicherung – auch wenn manches dadurch auch schon einmal etwas länger dauern kann. Toll, wenn man zuschauen kann, wie der gemeinsam gebackene Kuchen langsam aufgeht! Ganz zu schweigen von dem Stolz, wenn das Fahrrad nach der gemeinsam vollbrachten Reparatur tatsächlich wieder tadellos fährt.

Je nach Interessen und Alter ist für Kinder natürlich nicht alles geeignet und interessant, was Erwachsene machen – aber vielleicht mehr, als Sie denken!

Übrigens: Auch für elterliche „Spielmuffel“, die mit Bausteinen, Spielzeugautos und Babypuppen eher wenig anfangen können, ist das eine schöne Möglichkeit, intensiv Zeit mit ihren Kindern zu verbringen!

Alltagspflichten spielerisch gestalten

Nicht nur Eltern, sondern auch Kinder haben – je nach Alter – schon ihre „Alltagspflichten“: anziehen, essen, Zähne putzen, Hände waschen, Spielsachen vom Boden wegräumen … Oft liegen genau da typische „Konfliktpunkte“ im Familienalltag – die Kleinen haben einfach keine Lust auf das Pflichtprogramm. Warum also nicht die Pflicht zum Spiel machen und die Kleider um die Wette anziehen? Oder mit der Hautcreme erst mal ein Muster auf den Bauch malen? Beim Abendessen „Restaurant“ spielen?

Das geht nicht immer und das muss auch nicht immer sein. Kinder sollen durchaus auch lernen, dass manche Dinge einfach „sein müssen“. Auch haben Eltern nicht immer die Zeit und die Lust, alles zum Spiel zu machen. Dennoch gilt: Wenn es Eltern gelingt, die Welt des Kindes spielerisch in die Alltagspflichten einzubinden, wird vieles leichter und weniger nervenaufreibend – für beide Seiten.

Selbständigkeit im Alltag will geübt sein

Mit zunehmendem Alter wollen Kinder in Alltagsdingen immer mehr selbst machen. Auf diese Weise erforschen und begreifen sie die Dinge und lernen damit umzugehen und sie zu nutzen. Dies gelingt ihnen aber nur, wenn man ihnen die Möglichkeit lässt, selbst Probleme zu überwinden und einen Weg zu finden.

Manchmal geraten sie dabei in eine scheinbar ausweglose Situation und entwickeln darüber eine hilflose Wut. Oft genügt dann eine kleine Hilfestellung eines Erwachsenen – ein Hindernis aus dem Weg räumen, den Deckel ein kleines Stück aufdrehen, die Tür aufhalten – und schon kann es weitergehen. Mehr ist nicht gefordert und auch nicht gewünscht!

Natürlich gibt es auch Situationen, in denen Sie bestimmte Dinge – auch gegen Proteste – zügig selbst erledigen müssen. Versuchen Sie aber, so oft wie möglich, die nötige Zeit einzuplanen, damit Ihr Kind seine Selbständigkeit im Alltag üben und auch anwenden kann.

Vorsicht: Manchmal müssen Eltern auch aus Sicherheitsgründen immer dabei sein und vormachen, wie es geht: zum Beispiel, wie mit einem Messer geschnitten wird, ohne sich die Finger zu verletzen.

(K)eine Frage der Zeit ...

Kinder an den Dingen teilhaben zu lassen, die man gerade macht, sie möglichst viel selbständig machen zu lassen und ungeliebte Pflichten spielerisch in den Alltag zu integrieren – das alles ist nicht immer einfach. Sie brauchen vor allem viel Geduld, und Ihr Kind braucht Zeit, sich auf seine Art den Erfordernissen zu stellen.

Planen Sie die „Geschwindigkeit“ Ihres Kindes deshalb am besten von vornherein mit ein. Das zahlt sich aus – durch weniger Konflikte und mehr Harmonie und Entspanntheit auf beiden Seiten. Sich die Zeit zu nehmen, um Alltag und Spiel zusammenzubringen, hilft zugleich, den Alltag zu „entschleunigen“ und Stress abzubauen – denn Stress entsteht oft gerade durch dieses Hin- und Hergerissensein zwischen Kind und Alltagspflichten.

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